Henkel trocken Kritiker der Europolitik am Ende: Was nun?

Aller Protest, jeder Versuch eines Aufstandes war umsonst: Der ESM ist auf dem Weg, die EZB kauft fleißig Anleihen, der Zug in Richtung Bankenunion längst unterwegs. Den Euro-Kritikern bleiben nun zwei Möglichkeiten.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die Gegner der Eurorettungspolitik müssen heute ernüchtert erkennen: Sie haben eine Schlacht nach der anderen verloren. Jetzt rächt sich, dass die kritischen Ökonomen, die unverdrossenen Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht, die zunehmend empörten Redakteure in den Wirtschaftsredaktionen, die Anführer der Protestaktionen im Internet und auf den Marktplätzen und die Abweichler im Bundestag die Rettungsorgien für den Euro zwar kritisierten, die meisten von ihnen aber am Einheitseuro in unverbrüchlicher Treue festhielten.

Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts ist jedes weitere juristische Vorgehen gegen den ESM sinnlos. Sollen sich die Kläger jetzt an den lieben Gott wenden?

Nach der Übernahme der Kontrolle der EZB durch die Vertreter der südlichen Nehmerländer ist jede weitere Opposition eines einsamen Bundesbankpräsidenten eine Geste hoffnungsloser Hilflosigkeit. Soll Weidmann jetzt auch noch zurücktreten?

Auch der Zug in Richtung Bankenunion ist unter Mitnahme der Einlagen deutscher Sparer längst abgefahren. Da nützt auch der spektakuläre offene Protestbrief des Präsidenten des Sparkassenverbandes an Kanzlerin Merkel nichts. Sie würde eher die deutschen Sparer als den Euro im Stich lassen.

Weitere Aktionen gegen ESM, Aufkäufe der EZB und Bankenunion werden zunehmend zur Donquichotterie. Diejenigen, denen die unausweichliche Inflation und der zunehmende Zentralismus in der Eurozone ein Gräuel sind, müssen deshalb jetzt drei Schlussfolgerungen ziehen:

Erstens, der Euro wird tatsächlich gerettet, koste es uns was es wolle. Auch Griechenland bleibt in der Eurozone.

Der Ausweg wird immer teurer
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  • Der Einheitseuro spaltet mehr als er einigt. Wirtschaftliche Unterschiede werden durch den Einheitseuro verstärkt. Einheitsgeld führt eben nicht "alternativlos" zu Frieden und Verständigung in Europa, wie die Proteste mit Nazi-Symbolik in Griechenland und Spanien überdeutlich zeigen. Die Empfängerländer fühlen sich nicht ausreichend unterstützt, die Bürger der Geberländer ungefragt enteignet. Die Länder Europas haben unterschiedliche Probleme, die die einzelnen Regierungen unterschiedlich lösen müssen. Das können sie aufgrund ihrer Insiderkenntnisse viel besser als es sich eine nicht legitimierte Brüsseler Bürokratie anmaßt. Schwierigkeiten lassen sich im kleineren Nationalstaatsbereich allemal leichter lösen als im europäischen Verbund. Wenn es schon innerhalb Deutschlands Verteilungskämpfe unter den Bundesländern gibt, wie soll es da unter grundverschiedenen Nationalstaaten klappen? Der Euro kann nur ein Fernziel sein, auf das alle durch Angleichung ihrer Systeme hinarbeiten. Also zurück zu den Nationalwährungen und vor erneuten Einigungsversuchen das Nachdenken über Konsequenzen nicht wieder ausblenden!

  • Was wird kommen? Das Geld wird nicht mehr viel wert sein und dann? Wer schlau ist, denkt nach, was er mit seinem evt. vorhandenen Geld macht. Rudolf Thalmann, Bruchhausen-Vilsen

  • So wie es läuft ist es gut! Europa muss sich unternehmen und nicht bloß verwalten, dann kommt der Zug ins Rollen ...
    Herr Henkel, Sie waren ja lange Zeit ein Verfechter des Euro, schon vergessen, die Argumente von damals gelten auch noch heute ... Ich bin zuversichtlich, das Establishment, quer durch alle Bereiche, ist lernfähig, falls nicht,die nächste Krise kommt bestimmt und das in immer kürzeren Intervallen, letztlich begreift jeder ... Für Europa, allerdings für ein föderatives ... Und für den Euro, der erzeugt den erforderlichen Anpassungsdruck ... Wir haben viele Möglichkeiten Krisen zu lösen und vor allem viele Möglichkeiten, davon nutzen wir bislang reichlich wenig ... Eine bessere, sehr viel bessere Welt ist uns möglich:
    https://www.facebook.com/notes/johann-klawatsch/gesellschaft-mensch-im-kontext-der-wahrheit-der-wirklichkeit/477109072317151

  • Machen Sie mit, fangen Sie an sich bei Beatrix von Storch in den E-Mail Verteiler einzutragen. Da laufen viele Fäden zusammen (Vernetzung),? Das ist eine echte Chance, fordern Sie auf in Sozialen Netzwerken, bei Bekannten etc und die sollen es auch tun. Klären Sie auf die Medien berichten nicht, usw. wir haben noch eIn Jahr bis zur Wahl und es wird viele Demos geben, resignieren sie nicht wenn die Menschen sagen "dann stände es janin den Zeitungen" usw. Es wurde schon viel erreicht... der Versuch ist es wert auch vor sich selbst, denn sonst wird in sicher nicht allzuferner Ueit gesagt, schon wieder "warum habt Ihr nichts gemacht"

  • Zitat:"Der tschechische Präsident Vaclav Klaus sagte mir vor kurzem: „Wenn es möglich war, aus siebzehn Währungen eine zu machen, dann sollte es auch möglich sein, aus einer Währung zwei zu machen.“"

    Das ist sogar ganz einfach. Diesen Sommer war ich in Schottland und habe am Automaten Geld abgehoben. Zu meiner Überraschung war nicht die "Queen" drauf, sondern so ein Typ mit Bart. Keine Ahnung wer, aber es gab in den Kneipen Bier für den Typen mit Bart, also scheiß drauf, wer das ist.

    In Cambridge schaute man dann aber sehr mürrisch auf diese Scheine und wollte mir kein Bier geben. Erst der herbeigewunkene Chef gab nach und es gab doch Bier, aber es war nicht einfach.

    Was lernen wir daraus?

    Wir müssen auf die deutschen Euroscheine nur Deutsche mit Bart drucken, am besten mit Schnurrbart:-D und schon haben wir unser eigenes GELD! So einfach ist das!

  • hab schon gedacht,jetzt wäre Schluß mit Henkel
    trocken..aber da is er ja nochmal,wenn auch ziemlich
    resigniert..
    ----------------------
    Ich hatte einige Male geschrieben,das ich mir in
    Form von Flugblättern eine gesellschaftliche
    Aufklärung des Fußvolks von den Kritikern gewünscht
    hätte..verteilt an Kiosken,auf Marktplätzen in
    Bahn und Bussen..Wer das hätte betahlen können,
    weiß ich nicht..vllt.eine Sammlung unter Kritikern..
    Aber es hätte mehr sein müssen..viel mehr,um das
    Volk zu mobilisieren..

  • @Delinix: so ist es. "Rene" redet von Stammtisch und kennt offensichtlich die Spiegelbildtheorie der Psychologie nicht, ich möchte Sie ermuntern hierzu "Rene" und auch "Wolf". Wer rhetorisch ohne Argumente "rumeiert" muss bei sich selbst hinschauen (wer kennt es nicht von sich selbst). Wichtig ist, irgendwann aufzuwachen und die widerstreitenden Gefühle in einem zuzulassen und anzuschauen (die ja mit Beleidigungen, Stammtisch usw. sichtbar werden).

    Ein jeder "wählt" seine Zukunft. Das ist das Schlimme für mich im Moment: wenn nicht möglichst Alle noch rechtzeitig aufwachen was hier im Moment in Deutschland passiert (es ist fünf nach zwölf), muss man das Schicksal derer mittragen, die sich nicht einmal einen Ruck gegeben haben, und nur auf der Abblockschiene waren. Wenn´s nicht so ernst wäre könnte ich ja lachen. Auswandern kann ich leider familiengebunden nicht. Es wäre aber auf der anderen Seite auch schade: es gilt jetzt für das Land zu kämpfen und die Menschen aufzuwecken, egal ob "Rene" "Wolf" und wie sie alle heißen, um das schlimme Schicksal doch mit weniger Schmerzen abzuwenden. Das tue ich also auch für die "Verweigerer", denn Sie sind Deutsche wie ich und es ist unser Land (ich war auf den meisten Demos und werde mehr tun, wo ich nur kann, auch in den Kommentaren).

  • @Rene
    Ich kenne Herrn Henkel aus seiner Zeit als BDI-Chef sehr wohl. Ich traue ihm trotzdem. Mir ist es wichtig, eine echte Opposition zu finden. Dabei ist es mir inzwischen fast egal, wer das ist oder wie sich die Partei nennt - außer den Rechten gäbe ich jedem meine Stimme, der gegen diese Form der Euro-Rettung ist. Details interessieren mich im Moment nicht, ich versuche diese Partei zu unterstützen, weil sie die EINZIGE ist, die den € SOO nicht will. Und das empfehle ich auch allen anderen, die die Nase voll haben.

  • @Gurkenmurkser
    Ach du lieber Himmel - ist das ernst gemeint oder Satire?

  • @Wolf
    Da irren Sie aber sehr – und Sie wissen es. Was Sie da behaupten, ist blanke Polemik. Denn Sie können aus der Tatsache, dass die Veranstaltungen der Euro-Kritiker so schlecht besucht waren, nicht den Umkehrschluss ziehen. Sie tun es aber trotzdem.
    Ich behaupte – ebenso unbewiesen wie Sie – dass die Mehrheit der Deutschen nur deshalb nicht in diesen Veranstaltungen saß, weil unsere Regierung im Einvernehmen mit unseren Medien dafür gesorgt hat, dass Quiz und Klump und Serie sie davon abhalten. Und der Fußball erledigt den Rest – nicht umsonst gehört der Sport zum Innenministerium.
    Den um Bildung Betrogenen nun auch noch zu unterstellen, Sie seien ja mit allem einverstanden, ist mehr als nur zynisch.
    Es ist arrogant.

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