Henkel trocken

Lupenreiner Demokrat und lupenreiner Opportunist

Gerhard Schröder äußert oft und gern seine Wünsche an die Politik. Vor allem öffentlich. Das ist man von Ex-Kanzlern schließlich auch gewohnt. Doch wo bleibt seine Meinung zu Kreml-Chef Wladimir Putin?
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Unser Ex-Kanzler verbringt seinen Urlaub „aus Gründen der Solidarität“ in Griechenland und „wünscht sich“ mal wieder etwas öffentlich. Diesmal, dass das Griechenland-Bashing aufhören möge. Um es klar zu sagen: Auch ich empfand die unsägliche Hetze gegen die Griechen, wie die in der „Bild“-Zeitung, als widerlich. Sie sollte die Leser wohl vom Konstruktionsfehler des Euro ablenken. Kurz vorher „wünschte sich“ Gerhard Schröder die Vergemeinschaftung der Schulden innerhalb der Eurozone. Auch welchen Kanzlerkandidaten aus der SPD er „sich wünschte“, ließ er verlauten.

Seit Helmut Schmidts Wortmeldungen sind wir jahrzehntelang daran gewöhnt, dass sich Ex-Kanzler zu Wort melden. Ex-Bundespräsidenten tun das, auch völlig bedeutungslose Ex-Funktionsträger, wie Ex-BDI-Präsidenten.

Zu einem höchst aktuellen Thema, von dem er sicher mehr als die meisten aktiven Politiker versteht, sagt Ex-Kanzler Schröder gar nichts. Wann hören wir endlich mal, was er sich vom lupenreinen Demokraten im Kreml „wünschte“? Nicht nur die Bundesregierung hat sich zum skandalösen Urteil über den 40-Sekunden Auftritt der Mädchenband „Pussy Riot“ in einer Moskauer Kirche geäußert, viele andere auch; nicht aber der Russlandexperte und bekennende Putin-Freund Schröder.

Seit sein Kumpel im Kreml die Macht angetreten hat, sind in Russland zahlreiche Journalisten umgebracht worden oder verschwunden. Hat man mal gehört, was sich der Ex-Kanzler dazu „wünschte“? Die Pressefreiheit wird in Russland immer mehr eingeschränkt, die jüngsten Präsidentschaftswahlen wurden massiv manipuliert, den Non Governmental Organisations (NGO), wie Amnesty International, Human Rights Watch oder Transparency International, wurden gerade durch neue Knebelgesetze die Arbeit fast unmöglich gemacht.

Schröder „wünschte sich“ auch dazu nichts. Ihm kann es nicht entgangen sein, wie viele seiner russischen Gesprächspartner im Staatsdienst(!) auf wundersame Weise steinreich wurden. Was könnte sich da wohl der bekannteste Deutsche auf der Gehaltsliste eines russischen Staatsbetriebes wünschen? Natürlich würde ich niemals behaupten, dass sein dröhnendes Schweigen angesichts der rapide ansteigenden Menschenrechtsverletzungen in Russland etwas mit seinen geschäftlichen Interessen oder gar den Ergebnissen früherer Beziehungen als Bundeskanzler unseres Landes zu Russland zu tun haben könnte.

Keine Leisetreterei
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56 Kommentare zu "Henkel trocken: Lupenreiner Demokrat und lupenreiner Opportunist"

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  • übrigens sind wir uns doch einig darüber, daß henkel genau deshalb als autor engagiert wurde, weil er als nationalkapitalist einen großen teil ihrer leserschaft anspricht.

    henkel, geißler, blüm, scholl-latour, alles beispiele für leute, die im alter nicht rechtzeitig merken, daß sie besser nicht mehr ihre wirr gewordenen ansichten zum besten geben sollten. eine angenehme ausnahme ist schmidt, der ist wirklich noch fit, aber ist damit leider eine ausnahme. höhler sieht auch schon gespenster und verläßt den pfad der nüchternen analyse, sondern hat schaum um den mund.

  • warum wird meine bemerkung zensiert? ich kann am begriff "lupenreiner nationalkapitalist" nichts schlimmes erkennen. natürlich muß man bei kommentaren auch den autoren einbeziehen, denn er spiegelt dessen persönliche meinung wieder. bei normalen artikeln mag das anders sein.

    zurück zum wort: henkel ist kapitalist und gleichzeitig will er ohnen rücksicht deutschlandbezogen egoistisch keine hilfen an andere länder gewähren und die DM wieder einführen, das ist nationale bezug. also ist henkel ein nationalkapitalist. das ist zudem unklug, denn ein kapitalist muß heutzutage global denken, nicht national.

  • Herr Henkel, einfach Super. Klare Worte, die mir aus der Seele sprechen. Das müsste alles sagen. Rudolf Thalmann, Bruchhausen-Vilsen.

  • @Michael
    Putin will mit Schröder die Europa erobern und den russisch-orthodoxen Glauben aufzwingen... Nein, Phantasie beiseite und nun die Fakten.

    Der Schröder hat den Posten hauptsächlich wegen der Nordstream bekommen. Polen und Ukraine haben damals, das für Russland wichtigste Exportgut - Erdgas als Druck- bzw. Politikmittel entdeckt (oder von der "Konkurrenz" hingewiesen). Ohne Gerd wäre die Nordstream wegen den vielen betroffenen, russophoben EU-Staaten a la Baltikum viel schwieriger, obwohl Europa davon versorgungstechnisch und inzwischen auch preislich profitiert. Schröder hat eine sehr (wie ich finde) nützliche (ich meine nicht sein zusätzlichen Gehalt), aber auch sehr unpopuläre und schwierige Entscheidung getroffen...

  • @vielgeschrieben:
    Sie schreiben, warum belehren viele hier Russland ohne das Land zu kennen? Ich will niemanden belehren und schon gar nicht Russland, fühle mich mit den Russen seelenverwand, und habe mit Russland geschäftlich zu tun gehabt. Es geht hier um den Exkanzler der Bundesrepublik Deutschland, Gerhard Schröder, der von Putin mit einem Aufsichtsratsposten bei Gazprom honoriert wurde, mit etwas Phantasie kommen Sie schon darauf, für was.

  • @Michael
    Sie haben kein Plan über russische Steuerpolitik, oder? Die Steuergesetze gab es schon immer, aber die Mentalität war "griechisch/italienisch". Und dann platzte dem Putin die Krawatte. Wie schnell wird in solchen Fällen der Chodorkowski "vergessen" und wie schnell wird er dann als Held dargestellt, wenn es um Diskreditierung Russlands geht? Seit der wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, sind die Steuereinnahmen um 25x!!! gewachsen. Warum belehren viele hier Russland ohne das Land zu kennen?

  • Nun, Herr Henkel, Ihr Einsatz für die Menschenrechte, den Fetisch 'Demokratie' und eine süße 'Mädchenband' in Ehren, dem Gewetter gegen einen charakterfreien Sozi statt gegeben- meinen Sie nicht, daß Ihnen das alles etwas zu bonbonfarben geriet?
    Besonders in Zeiten, in denen die Politeliten hier aus ideologischen Gründen eben jene, von Ihnen geheiligten Prinzipien bedenkenlos über Bord werfen, vorneweg der Hosenanzug? Gegen diese Phalanx aus Niedertracht, Verlogenheit und Heimtücke in der alptraumhaften Eurokrise wirkt der lupenreine Autokrat Putin eher wie ein Schulbube und die unschönen, durchaus brutal- repressiven Begleiterscheinungen seines Basta- Regierungsstils sind nicht entschuldbar. Wie verhält es sich aber mit Ihrer Empörung, wenn die Inkarnation alles Guten, Amnesty International u.ä., sogar einer Teilung von Menschenrechten begeistert zustimmen, wenn es sich um das Tötungsrecht von Frauen an Ungeborenen handelt? Oder ganz selbstverständlich verhungernde Männer erschossen werden dürfen, weil sie gegen das 'Frauen- only'- Gebot bei der Lebensmittelausgabe nach der Erbebenkatastrophe von Haiti 2010 verstießen?
    Sind Sie blind, daß Sie millionenfache, widerrechtliche 'Entsorgung' von Vätern nicht wahrnehmen, ist die millionenfache Ausbeutung von Männern als Zahlsklaven nach Scheidung nicht der Rede Wert?
    Ist Ihnen die Skrupellosigkeit unserer gleichgeschalteten, femifaschistischen Mainstreamjournaille jemals aufgefallen, die jenen besagten 'Auftritt einer Mädchenband' bis zur Unerträglichkeit als 'Punkgebet' verklärt? Oder ist für Sie deren hinausgerotzte Kernaussage 'Die Kirche ist die Scheiße Gottes' keine Verhöhnung Gläubiger?
    Warum wohl haben diese 'mutigen Heldinnen' ihren widerlichen Exzess nicht in einer Moschee abgezogen und wie wäre wohl das Echo der Journaille gewesen, hätte es sich um die männlichen Mitglieder einer rechten Heavy- Metal- Band gehandelt?

    Jeder kehre vor seiner eigenen Tür, Herr Henkel!


  • Herr Henkel jetzt bin ich aber ein wenig amused. So sehr ich Ihre Stellungnahmen zum Euro schätze, so wenig kann ich die Energieverschwendung über unseren Ex-Kanzler nachvollziehen. War es die Hitze der letzten Tage oder hat der Griechenland Urlaub unseres Macho Kanzlers einen Einfluß auf Draghi`s aktuelle Aktivitäten ?
    Die Gerd Show war schon immer gut für ein Sommertheater, ist aber der Euro Sache wenig dienlich

  • ...Und nachdem mir beim erneuten Durchlesen auffällt, daß "Nationalkapitalist" von MartinD wohl als - geschmackloses - Wortspiel gemeint war, korrigiere ich meinen ersten Satz: Nein, das sehe ich NICHT ähnlich wie er.

  • @Eurotiker,
    Wenn Rußland Gas, Öl und sonstige Rohstoffe beim Export ins Ausland vernünftig besteuern würde, gebe es keine Oligarchen und G.Schröder wäre bestimmt bei Gazprom überflüssig, und der Staat würde über vernünftige Steuereinnahmen verfügen. Erkläre mir bitte mal, was Rußland von Schröder und den Oligarchen für Vorteile hat.

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