Henkel trocken
Lupenreiner Demokrat und lupenreiner Opportunist

Gerhard Schröder äußert oft und gern seine Wünsche an die Politik. Vor allem öffentlich. Das ist man von Ex-Kanzlern schließlich auch gewohnt. Doch wo bleibt seine Meinung zu Kreml-Chef Wladimir Putin?
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Unser Ex-Kanzler verbringt seinen Urlaub „aus Gründen der Solidarität“ in Griechenland und „wünscht sich“ mal wieder etwas öffentlich. Diesmal, dass das Griechenland-Bashing aufhören möge. Um es klar zu sagen: Auch ich empfand die unsägliche Hetze gegen die Griechen, wie die in der „Bild“-Zeitung, als widerlich. Sie sollte die Leser wohl vom Konstruktionsfehler des Euro ablenken. Kurz vorher „wünschte sich“ Gerhard Schröder die Vergemeinschaftung der Schulden innerhalb der Eurozone. Auch welchen Kanzlerkandidaten aus der SPD er „sich wünschte“, ließ er verlauten.

Seit Helmut Schmidts Wortmeldungen sind wir jahrzehntelang daran gewöhnt, dass sich Ex-Kanzler zu Wort melden. Ex-Bundespräsidenten tun das, auch völlig bedeutungslose Ex-Funktionsträger, wie Ex-BDI-Präsidenten.

Zu einem höchst aktuellen Thema, von dem er sicher mehr als die meisten aktiven Politiker versteht, sagt Ex-Kanzler Schröder gar nichts. Wann hören wir endlich mal, was er sich vom lupenreinen Demokraten im Kreml „wünschte“? Nicht nur die Bundesregierung hat sich zum skandalösen Urteil über den 40-Sekunden Auftritt der Mädchenband „Pussy Riot“ in einer Moskauer Kirche geäußert, viele andere auch; nicht aber der Russlandexperte und bekennende Putin-Freund Schröder.

Seit sein Kumpel im Kreml die Macht angetreten hat, sind in Russland zahlreiche Journalisten umgebracht worden oder verschwunden. Hat man mal gehört, was sich der Ex-Kanzler dazu „wünschte“? Die Pressefreiheit wird in Russland immer mehr eingeschränkt, die jüngsten Präsidentschaftswahlen wurden massiv manipuliert, den Non Governmental Organisations (NGO), wie Amnesty International, Human Rights Watch oder Transparency International, wurden gerade durch neue Knebelgesetze die Arbeit fast unmöglich gemacht.

Schröder „wünschte sich“ auch dazu nichts. Ihm kann es nicht entgangen sein, wie viele seiner russischen Gesprächspartner im Staatsdienst(!) auf wundersame Weise steinreich wurden. Was könnte sich da wohl der bekannteste Deutsche auf der Gehaltsliste eines russischen Staatsbetriebes wünschen? Natürlich würde ich niemals behaupten, dass sein dröhnendes Schweigen angesichts der rapide ansteigenden Menschenrechtsverletzungen in Russland etwas mit seinen geschäftlichen Interessen oder gar den Ergebnissen früherer Beziehungen als Bundeskanzler unseres Landes zu Russland zu tun haben könnte.

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Kommentare zu " Henkel trocken: Lupenreiner Demokrat und lupenreiner Opportunist"

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  • übrigens sind wir uns doch einig darüber, daß henkel genau deshalb als autor engagiert wurde, weil er als nationalkapitalist einen großen teil ihrer leserschaft anspricht.

    henkel, geißler, blüm, scholl-latour, alles beispiele für leute, die im alter nicht rechtzeitig merken, daß sie besser nicht mehr ihre wirr gewordenen ansichten zum besten geben sollten. eine angenehme ausnahme ist schmidt, der ist wirklich noch fit, aber ist damit leider eine ausnahme. höhler sieht auch schon gespenster und verläßt den pfad der nüchternen analyse, sondern hat schaum um den mund.

  • warum wird meine bemerkung zensiert? ich kann am begriff "lupenreiner nationalkapitalist" nichts schlimmes erkennen. natürlich muß man bei kommentaren auch den autoren einbeziehen, denn er spiegelt dessen persönliche meinung wieder. bei normalen artikeln mag das anders sein.

    zurück zum wort: henkel ist kapitalist und gleichzeitig will er ohnen rücksicht deutschlandbezogen egoistisch keine hilfen an andere länder gewähren und die DM wieder einführen, das ist nationale bezug. also ist henkel ein nationalkapitalist. das ist zudem unklug, denn ein kapitalist muß heutzutage global denken, nicht national.

  • Herr Henkel, einfach Super. Klare Worte, die mir aus der Seele sprechen. Das müsste alles sagen. Rudolf Thalmann, Bruchhausen-Vilsen.

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