Henkel trocken
„Mein Name ist Bond, Deutschland-Bond“

Was James Bond für den Geheimdienst war, soll der „Deutschland-Bond“ für die Nehmerländer werden: Die ultimative Geheimwaffe. Die Nachteile der Einsparungen werden allerdings unter den Teppich gekehrt.
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Als Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker („Mr. Euro“) vorschlug, Euro-Bonds einzuführen, traf er bei den Grünen, der SPD und den Gewerkschaften auf Begeisterung, in der CDU auf (schlecht gespielte) Empörung und in FDP und CSU auf klare Ablehnung. Junckers Motive für Euro-Bonds liegen auf der Hand. Die vier kreditwürdigen „Nordländer“ der Eurozone bürgen für die Schulden der Südländer. Letztere kämen leichter an billigeres Geld. Dafür müsste Deutschland dreimal so hohe Zinssätze zahlen. Schlimmer noch, wir bürgten für die Rückzahlung der Schulden anderer. Sobald aber jeder für die Schulden aller bürgt, ist am Ende niemand mehr für diese verantwortlich. Ergebnis: Schuldenmachen würde belohnt. Der Euro-Bond wird unter dem Pseudonym „Europäischer Stabilitäts-Mechanismus“ (ESM) eingeführt - und weckt nun auch innerhalb Deutschlands Begehrlichkeiten.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass sich auch in Deutschland Vertreter der 13 „Nehmerländer“ im bundesdeutschen Länderfinanzausgleich melden würden, um „Deutschland-Bonds“ zu fordern. Sie haben die gleichen Hintergedanken wie die Vertreter der Südländer bei ihrer Forderung nach dem Euro-Bond. Wenn zum Beispiel Nordrhein-Westfalen mit der Bonität des Bundes und der noch verbliebenen drei „Geberländer“ Bayern, Baden-Württemberg und Hessen Schulden aufnehmen kann, spart das Land jährlich ca. 100 Millionen Euro Zinsen. Dass diese „Ersparnisse“ zu Lasten der Zinszahlungen von Bund und Geberländer gehen müssen, wird dabei unter den Teppich gekehrt.

Gerade die Erfahrungen mit dem Euro zeigen, was die deutschen Nehmerländer mit den eingesparten Zinsen machen würden. So wie griechische und italienische Politiker den plötzlichen Zugriff zu niedrigeren Zinsen zum Anlass nahmen, neue Schulden aufzutürmen, so werden auch die Politiker unserer Nehmerländer mit sinkenden Zinsen höhere Schulden finanzieren. In Abwandlung eines Franz-Josef Strauss zugeschriebenen Bonmots steht für mich fest: eher wird ein Hund einen Wurstvorrat in seiner Hütte anlegen, als dass Politiker eines „Nehmerlandes“ eingesparte Zinsen zur Rückführung alter Schulden verwenden.

Was James Bond für den britischen Geheimdienst war, soll der „Deutschland-Bond“ für die deutschen Nehmerländer werden: die ultimative Geheimwaffe zur Umgehung der Schuldenbremse und zur Vergemeinschaftung der von den Ländern aufgenommenen Schulden.

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Ein „System organisierter Verantwortungslosigkeit“

Kommentare zu " Henkel trocken: „Mein Name ist Bond, Deutschland-Bond“"

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  • Die Bankenunion hat doch auch mit Umverteilung zu tun. Der Spiegel schreibt diese Woche wie die kanzlerin den letzten EU Gipfel als Erfolg ausgibt, aber in Wirklichkeit die deutsche Position mit nichts durchkam. "Große Schritte zurück" ist der Titel des Artikels. Maltas Stimme hat das gleiche Gewicht wie die Deutschlands. Die Südländer lassen sich vom Steuerzahler ihre Banken retten.Sehr lesenswert !

  • @champus Bravo,gut und richtig, denn hier wird so oft Unsinn verzapft. Herr Henkel hat absolut recht und meines Wissens ist er auch sehr aktiv, z.B. nicht mit den Piraten, aber mit den Freien Wählern. Leider wollen diese bei der Bundestagswahl 2013 nicht in allen Ländern antreten,z.B. nicht in B-W, aber in Bayern schon !
    Schade, meine ich !

  • „In der Zeit des Universalbetrugs ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat.“
    Die Beiträge von Herrn Henkel im Handelsblatt haben einen hohen Informationsgehalt und zeigen den Lesern die ökonomischen Folgen politischer Fehlentscheidungen auf. In einer Zeit der feigen Lügen der Mehrheit unserer Politiker hat die Aufklärungsarbeit von Herrn Henkel einen hohen Stellenwert.
    Wie schon das Handelsblatt auf der Einleitung zu den Kommentarseiten schreibt, tummeln sich unter den Foristen auch einige Trolle, die mit verbalen „Störfeuern“ und „Nebelkerzen“ den Wert einer guten Abhandlung zerstören wollen oder sollen. Dies fällt mir in letzter Zeit gehäuft bei Beiträgen von Prof. Henkel auf. Manche von diesen Trollen können ggf.auch von Agenturen angeheuert und bezahlt worden sein, um einen besonders unbequemen und kompetenten Mahner der katastrophalen Regierungspolitik zu neutralisieren.
    Ich denke jedoch, dass die Mehrheit der Leser des Handelsblattes intelligent genug ist, sich eine eigene und fundierte Meinung über den Wert von Herrn Henkels Abhandlungen und Kommentaren zu bilden. Für mich stehen seine Beiträge und die der anderen kritischen Autoren im Handelsblatt unter dem Motto:
    „In der Zeit des Universalbetrugs ist die Wahrheit zu sagen eine revolutionäre Tat.“
    Quelle: http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/144/in-der-zeit-des-universalbetrugs-ist-die-wahrheit-zu-sagen-e.php

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