Henkel trocken

„My name is Bond, Euro Bond!“

Die Diskussion über den Euro-Bond liefert laufend neue Beispiele für die Verlogenheit, die Scheinheiligkeit und die Feigheit euromantischer Politiker und politisch korrekter Journalisten.     
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Schon Anfang des Jahres schlug der luxemburgische Premier Claude Juncker („Mr. Euro“) vor, Euro-Bonds einzuführen. Bei uns traf er auf Begeisterung bei den Grünen, in der SPD und den Gewerkschaften, auf (schlecht gespielte) Empörung in der CDU und klare Ablehnung in der FDP und der CSU.

Die Gründe für Euro-Bonds liegen auf der Hand. Kreditwürdige Nordländer bürgen für die Schulden der Südländer. Letztere kämen leichter an billigeres Geld. Ergebnis: Es wäre erst einmal „Ruhe im Karton“.

Die Gründe gegen Euro-Bonds leuchten auch ein. Deutschland müsste dreimal so hohe Zinssätze zahlen. Schlimmer noch, wir garantieren die Rückzahlung der Schulden anderer.  Bürgt jeder für die Schulden aller, ist am Ende niemand mehr verantwortlich. Ergebnis: Schuldenmachen würde belohnt.

Mit Euro-Bonds wäre der Euro zwar schnell gerettet; trotz begleitender Stabilitätsrhetorik durch Merkel, Sarkozy & Co. würde die Euro-Zone langsam aber sicher eine Inflationszone.

Da alle Euro-Rettungsaktionen grandios gescheitert sind, bringt Kommissionspräsident Barroso („Der Euro muss gerettet werden, koste es (die Deutschen!) was es wolle!“) den Euro-Bond wieder neu in Stellung. Was James Bond für den britischen Geheimdienst war, ist sein Namensvetter für unsere berufsmäßigen Euro-Retter: die ultimative Geheimwaffe gegen die bösen Märkte. Während sich James Bond in allen seinen Einsätzen immer zu seinem Vornamen bekannte, lässt Barroso seinen Agenten umtaufen, in „Stability-Bond“.

Damit ist ein neuer Höhepunkt der Volksverdummung erreicht worden. Schon mit der Verwendung des Begriffs „Stabilitätsunion“ betreiben unsere Politiker massiven Ettikettenschwindel, wollen sie doch damit von der Verwandlung der Währungsunion in eine Transfer- und Schuldenunion ablenken.

Diesmal ist der plumpe Trick Barrosos sogar der dem Einheits-Euro in ewiger Nibelungentreue verbundenen deutschen Presse aufgefallen. Das heißt aber nicht, dass er nicht demnächst wieder präsentiert wird: sei es mit einem neuen Vornamen (Mit „Elite-Bond“ für die Nordländer könnte man davon ablenken, dass das marode Frankreich dabei ist, mit „Peace-Bond“ wäre vielleicht sogar die FDP-Spitze für Euro-Bonds zu haben, „Versailles II-Bond“ wäre näher an der Wahrheit.), sei es in einem neuen Gewande.

Ein solches Kleidungsstück wird gerade geschneidert: die „unabhängige“ EZB würde „ihrer Verantwortung gerecht“ (Jetzt Sarkozy, bald Merkel) indem sie viel mehr als die bisherigen lumpigen 200 Milliarden Euro an Staatspapieren aus den Südländern aufkauft. Ähnlich wie beim Euro-Bond senkt das zwar dort den Zinsaufwand unter weiterer Erhöhung unseres Risikos, fällt aber hier nicht so auf.

Auch würde die deutsche Presse unsere einserne Kanzlerin wieder einmal loben; diesmal dafür, dass sie den Euro-Bond verhindert hat. Die in Kauf genommene erweiterte Rolle der EZB wäre dagegen, so die Presse, genau so alternativlos wie das Festhalten am Einheits-Euro.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

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37 Kommentare zu "Henkel trocken: „My name is Bond, Euro Bond!“"

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  • Vielleicht erklären Sie uns einfach die Makroökonomie.
    Welche Autoren sind Ihre Favoriten ?

  • Die herren Verfassungsrichter sind doch schnell ersetzt oder ? Mit Müller ist der Anfang gemacht. Ich wage die Progose, dass einer nach dem anderen als Verfassungsrichter zurück tritt. Und warum ? Weil diese Herren dem Druck nicht stand halten werden und weil denen allzu bewußt ist, dass Rechtsbeugung eine Straftat ist.

  • "Und Deutschland soll wenn es nach Herrn Henkel geht,diesen desaströsen Weg weiter gehen." Diese Behauptung müssen Sie aber beweisen, sie ist durch nichts belegt.Ein beliebte Methode von Ihnen und Ihresgleichen Menschen Motive und Absichten zu unterstellen, die aus der Luft gegriffen sind, um vom Thema abzulenken.

  • @leser2003
    Sie argumentieren mit der Attitüde des Wissenden, reden aber, soweit es makroökonomische Sachverhalte betrifft, nur Stuss.

  • Herr Henkel ist ein populistischer Märchenonkel, der seine neoliberalen Träume platzen sieht und deshalb den Leuten Lügen auftischt, die jedes ökonomische Verständnis vermissen lassen. Herr Henkel hat sich schon einmal geirrt, als er dem Euro zustimmte, wie er selbst zugibt. Also, was ist von den Argumenten einer Person zu halten, die sich permanent irrt. Henkel ist ein Schwätzer und Einfaltspinsel, dessen ideologische Verbohrtheit ihn dazu verführen grundsätzliche makroökonomische Sachzusammenhänge zu leugnen. Herr Henkel wird erleben müssen, dass er mit seinen falschen Appellen den Ruin der Währungsunion heraufbeschwört. Gerade das deutsche Geschäftsmodell der permanenten Handelsbilanzüberschüsse hat dem Süden Europas seine Schulden beschert. Und Deutschland soll, wenn es nach Herrn Henkel geht, diesen desaströsen Weg weitergehen. Aber wer soll den weiterhin unsere Exporte bezahlen, wenn die Schuldner sich nach dem Willen von Frau Merkel sich totsparen. Wer kauft dann noch deutsche Waren, wenn der Binnenmarkt keine Kaufkraft entwickeln kann, weil die Menschen in Deutschland seit 20 Jahren immer weniger verdienen. Davon lenkt Herr Henkel ab mit seinen albernen "Bond-Sprüchen", die nur den Stammtisch überzeugen aber keinen seriös argumentierenden Ökonomen. Alle, die eine Henkel-Partei fordern sind mit Blindheit geschlagen und rennen einem Rattenfänger hinterher. Da kann man nur sagen armes Deutschland, du bist mit einer Elite gesegnet, die vor intellektueller Unredlichkeit nur so strotzt.

  • @Ihre_Partei, H.O.Henkel
    Aber bitte ohne den Guttenberg, der soll bleiben "wo der Pfeffer wächst".

  • @ Bastian, Was nutzt einem die Bildung, wenn Mann nicht die Fähigkeit erworben hat den gesunden Menschenverstand zu benutzen. Die Peripherie Staaten wurden von gebildeten Menschen regiert, die ihre gesunden Menschenverstand ausgeschaltet hatten. Daher schwimmen sie heute in Schuldensumpf. Die Verursacher der Finanzkrise waren keineswegs ungebildete Menschen.Ich habe deine Spiegel-Artikel gelesen, alles alte bekannte Argumente, wie D. hat am meisten von Euro profitiert... D profitiert nicht von Euro, sondern von seinen Köpfen, die hoch qualitative Produkte herstellen können. Was nutzt uns die großen Exportüberschüsse, die nicht den Menschen in D. zu gute kommen. Schau doch die Entwicklung der Netto Reallöhne an.
    Schau doch wie sich die Sozialsysteme in D. unterentwickelt haben. Die Ärzte wollen die gesetzlich Versicherten nicht mehr behandeln...

  • @ Bastian:
    Auf welcher Seite des Eurettungsdiskurses stehen Sie? Auf Seiten derjenigen, die man mit Angstargumenten gefügig gemacht hat, oder gehören Sie selbst zu denjenigen, die das Volk mit Propaganda gefügig zu machen versuchen?

    Trotzdem verdienen Ihre Argumente natürlich eine Antwort:
    - DM-Aufwertung lässt sich mindestens teilweise verhindern (siehe Schweiz!)
    - Andererseits würde sie aber auch die Importe drastisch verbilligen, und damit im Ergebnis auch den Anstieg der Exportpreise mildern.

    Zitat: "Für die Reichen stellen Deflation, Inflation und Co. kein echtes Risiko dar. ..... Für einen Normalverdiener ist das jedoch ein echtes Problem."

    Eben: Für den Riester-Rentner ist die Inflation ein Problem.
    Deflation kann auch zum Problem werden, nur haben wir (d. h. die breiten Massen) nichts davon, wenn wir den Südländern Geld schenken, damit die unsere Produkte kaufen. Dann sollten wir uns das Geld doch lieber selber schenken! Auf diese Weise könnte Deutschland dann auch von der Binnennachfrage leben. Dauerhafte Exportüberschüsse sind auch keine Lösung.
    Wenn freilich unsere Kartellparteien unsere Steuergelder stehlen und versüden, fehlt uns naturgemäß die Kaufkraft. Nur Traumtänzer können glauben, dass wir unsere "Kredite" voll zurück bekommen!

    Die Geldversorgung durch die Notenbanken liegt schon seit Jahrzehnten über dem Wachstum der Realwirtschaft. Wo ist das Geld geblieben? Bringen wir es an die Arbeit - anstatt der Finanzbranche weiteres Zentralbankgeld zur Steigerung ihrer Scheingewinne in den Rachen zu schaufeln!

    Ihre Argumente sind mir gut bekannt; auf den ersten Blick erscheint vieles logisch; merkwürdiger Weise liegen die aktuell in den Medien propagierten Lösungsvorschläge aber, purer Zufall natürlich, voll auf der Interessenlinie der Kapitalbesitzer und der Finanzintermediäre.

  • @leser2003 ... wissen Sie warum "die Reichen" reich sind und Sie nicht? Die wissen eben wie es geht ...
    F"ur die Reichen stellen Deflation, Inflation und Co. kein echtes Risiko dar. Einfach das Geld breit in Werte (also Immobilien und Firmen) investieren und man kommt mit einem blauen Auge davon. Ein zwei Millionen hin oder her sind da kein Beinbruch. Für einen Normalverdiener ist das jedoch ein echtes Problem: Das Vermögen ist zu klein um es sinnvoll anzulegen und zu groß als dass es einem egal sein kann. Egal was passiert das sind die die darunter zu leiden haben!

    Eine Rettung des Euroraums dient also in erster Linie den Normalverdienern und eben nicht den Reichen - die wissen selber wie sie auf sich aufpassen müssen!

  • 3-4 starke Länder geben sich eine neue Währung. Danach kann der Euro-Raum soweit abwerten, dass deren Produkte wieder konkurrenzfähig werden.
    Ohne Wechselkursmechanismus ist der Euro dem Tode geweiht.

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