Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: Nicht Griechenland, Frankreich ist das Problem

Ganz Europa ist mit dem griechischen Schuldenberg beschäftigt. Dabei liegt das Problem woanders: Der größte Gefahrenherd für die Währungsunion und für Deutschland ist Frankreich.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Regelmäßige Leser von Handelsblatt Online wissen, dass der Verfasser von „Henkel trocken“ schon öfter warnend auf den Zustand der Volkswirtschaft Frankreichs und die sich daraus ergebenden Gefahren für die Währungsunion und für Deutschland hingewiesen hat.

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Die Fokussierung auf diverse Rettungspakete für Griechenland und andere Südländer haben vom größten Gefahrenherd in der Eurozone bisher abgelenkt. Deutsche Politiker, Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen ordnen Frankreich gern in die Gruppe der potenziellen Geberländer der Eurozone ein. Das ist war zwar politisch korrekt, ökonomisch aber ungerechtfertigt.

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Gut, dass es ausländische Medien gibt, die sich nicht durch deutsch-französische Freundschaftsscheuklappen davon abhalten lassen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Auf der Titelseite brachte es der „Economist“ jetzt auf den Punkt: Frankreich ist die Zeitbombe inmitten Europas.

Der Verfasser dieser Zeilen lebte und arbeitete insgesamt über zwölf Jahre in Frankreich und genießt jeden Aufenthalt in Paris, der Provinz und seinem zweiten Wohnsitz in der Normandie. Umso deprimierender stellt sich ihm heute der Zustand der französischen Wirtschaft dar.

Die Arbeitslosenrate ist dort auf über zehn Prozent gestiegen; unter den Jugendlichen ist schon jeder vierte ohne Arbeit. Die Neuverschuldung war 2011 dreimal so hoch wie bei uns. Der Weltmarktanteil französischer Waren stürzt ab. Klar, es gibt auch in Frankreich immer noch Industriefirmen der Weltklasse, wie Air Liquide und Michelin, dort sind auch die Marktführer für Luxusartikel zu Hause. Frankreich ist weiterhin der weltweit größte Magnet für Touristen.

112 Kommentare

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  • 20.11.2012, 21:42 Uhrmondahu

    @ jacquelinevitut
    Chère Madame,
    Vous avez tout à fait raison avec vos arguments. La France est toujours encore un pays fort et riche. Mais ce n’est pas l’état actuel qui inquiète, ce sont les perspectives. Jusqu’à maintenant j’ai apprécié beaucoup la vie en France et je remercie tous mes amis français de l’accueil ici et de la possibilité de me sentir intégré depuis longtemps. Mais mes activités internationales me permettent aussi de comparer et de remarquer la complaisance vis-à-vis les changements imposés par la mondialisation et les crises économiques et financières de ces dernières années. Entre amis j’utilise souvent la parabole de la conduite en voiture. Si on ne négocie pas de tout début un virage en suivant le bord de route intérieur, il faut corriger de plus en plus brusquement pour rester sur la route. A partir d’un certain point c’est même plus possible et la voiture chavire dans le fossé. Pour rester dans l’image, à mon avis la France est déjà arrivée bien au milieu de route.
    Je dois ajouter que la situation en Allemagne me déplait pas moins. L’indécision politique en face de la crise Euro et les problèmes à l’horizon dû à la démographie négative (une astuce de la France) ont tous les ingrédients pour tourner l’avantage actuel dans son contraire rapidement.
    Votre dahu

  • 20.11.2012, 20:01 Uhrjacquelinevitut

    Die Pariser Boerse hat heute abend mit PLUS +0,65% geschlossen also pfeifft frankreich auf Moody's und the economist und hat voll recht.Den Englaender geht es viel schlechter,frankreich wollte ich sagen ist nicht altmodisch, der TGV kommt puenklich an und entgleist nicht jeden monat wie der ICE.mercedes ist besser als renault aber deutschland hat nicht die technologie um einen dassault rafale oder eine Ariane rakete zu bauen.kourou und soyouz in french guyana ist franzoesische technologie und in frankreich gibt es auch nur noch digitales fernsehen und hat 13000 km autobahnen,ein land wie frankreich mit dem fuenften BIP in der welt vor brazil UK und gleich hinter deutschland ist immer noch eine grande nation.ich sehe dass FRENCH BASHIN nicht nur in england aber auch in deuschland sehr IN ist ! lieber herr henkel,journalismus à la paris-match (das gewicht des wortes-der schock des bildes) ist trash, von unterster schublade, sensationsgier ist business der medien,HERR HENKEL gehen sie doch bitte zur bildzeitung !und noch was als ob deutscland allein bezahlt fuer sued europa..jeder franzose pro kopf bezahlt genau zo viel

  • 20.11.2012, 19:46 Uhrjerome

    Artikel ist voll von falschen Aussagen und Ungenauigkeiten:
    - Wachstum: in den letzen 10 Jahren ist Frankreich schneller als Deutschland gewachsen (siehe Eurostat)
    - Tourismus: USA und Spanien sind vor Frankreich (gemessen am Umsatz)
    - Gesamtverschuldung: Frankreich und Deutschland liegen beide schlecht (90% und 80%)
    - es sind mehr weltweite Konzerne aus Frankreich als aus Deutschland (siehe Eurostoxx 50 Index)
    - Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen: OECD Statistiken belegen, dass beide Länder sehr nah sind (die Statistik vom Herrn Henkel betrifft nur Jugendliche, die keine Schule besuchen, kein Studium machen usw).

    Nur der Schluss des Artikels gefällt mir. Wir sollten tatsächlich zwei getrennte Währungszonen haben:
    - die eine mit AAA Ländern: Deutschland, Luxemburg, Finnland, Schweiz
    - die andere mit nicht-AAA Ländern: Frankreich, USA, Japan...
    Jerome Nicolet

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