Henkel trocken

Nicht nur in Spanien: Banken verstaatlichen!

Die EZB und Vertreter der Euro-Gruppe beraten über Direkthilfen an spanische Banken. Wird die nächste von Schäuble und Co. gezogene „Rote Linie“ überschritten? Die bisherigen Nutznießer sind in Frankreich zu finden.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Selbst die größten Euromantiker müsste diese Nachricht schockiert haben: Die Europäische Zentralbank (EZB) und Vertreter der Euro-Gruppe beraten „heimlich“ über Direkthilfen an notleidende spanische Banken. Damit wäre nicht nur der letzte Damm gebrochen und eine weitere von Schäuble und Co. gezogene „Rote Linie“ überschritten, dann müsste der deutsche Steuerzahler marode ausländische Banken direkt alimentieren.

Die bisher versandten Euro-Carepakete enthielten vor allem Geschenke an französische Banken. Wer sich fragt, warum Kanzlerin Merkel im Mai 2010 ihre anfängliche Position („Griechenland muss die Euro-Zone verlassen“) aufgegeben hat, findet die Antwort im kollektiven Druck des ehemaligen Präsidenten Sarkozy, seiner damaligen Finanzministerin, Lagarde, des damaligen Präsidenten des Internationalen Währungsfonds (IWF) Strauss-Kahn und des ehemaligen Präsidenten der EZB, Trichet: Alles Franzosen! Erst später merkten die Deutschen, dass sie nicht den Euro, auch nicht Griechenland, sondern vor allem französische Banken retteten. Die Franzosen sind in den Südländern am stärksten engagiert, die Deutschen haben dafür die größten Bürgschaften auf den Tisch gelegt.

Nun fällt der Weg aus der Krise auch deshalb schwer, weil sich drei Probleme auf einmal auftürmen. Da sind, erstens, die unbewältigten Langzeitfolgen der Finanzkrise; Banken stehen auf immer noch wackeligen Beinen. Zweitens sind zu viele Euro-Länder überschuldet, drittens hat sich der Euro von einer „one-size-fits-all“ zu einer „one-size-fits-none“-Währung entwickelt. Der Einheitszins war zu hoch für den Norden, zu niedrig für den Süden. Ohne Euro hätte die spanische Immobilienblase gar nicht erst entstehen können.

Der Finanzsektor muss an die Kette gelegt werden
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39 Kommentare zu "Henkel trocken: Nicht nur in Spanien: Banken verstaatlichen!"

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  • "Erst später merkten die Deutschen, dass sie nicht den Euro, auch nicht Griechenland, sondern vor allem französische Banken retteten."

    Herr Henkel, alle WElt wusste wie die franzosen positioniert waren und es noch sind, wer die Nutznieser des Euro sind (sein wollten) und das Frankreich hier gezielt Deutschland schwaechen will (siehe Aussagen von Atali et al) Alles offen nachzulesen, aber deutsche Politiker, Medien und Wirtschaftsvertreter haben die Katastrophe mitgemacht und der Waehler ist zu traege - es ist wie 33, wir gehen offenen auges in den Untergang

  • So könnte man die Bankenkrise lösen und zu den betreffenden Staaten zurückführen. Die spanische Immobilienblase wäre kleiner geblieben, sicher nicht ausgeblieben, denn sie wurde nicht unwesentlich von den Nordeuropäern befeuert. Nicht gelöst sind allerdings weiterhin die Handlesungleichgewichte und die Strukturellen Defizite wie zB in Deutschland die vollkommen aus dem Ruder laufenden Pensionen

  • Die oben beschriebenen Maßnahmen gehen zwar in die richtige Richtung, doktern aber nur an einer tieferliegenden Krankheit herum. Der Euro als Festwechselkurssystem kann in einer Wirtschaftszone mit regionalen Leistungsbilanzüberschüssen und -Defiziten nur funktionieren, wenn diese Defizite durch Transfers gedeckt werden. Das geschieht derzeit auch unbemerkt von der Öffentlichkeit über das Target 2 System der Notenbanken. Deutschland (die Bundesbank) baut monatlich seine Forderungenen gegenüber den Defizitländern in der Größenordnung von 50 Mrd. Euro aus und würde bei einem Austritt aus dem Euroverbund eine massive Abwertung dieser Forderungen hinnehmen müssen. Egal wie man das Eurokapitel beendet - für Deutschland wird die Rechnung extrem hoch.

  • Ich fordere von den Politikern nur eins: gesunden Menschenverstand.

  • Ja Herr Henkel, guter Vorschlag. Wie wäre es zudem mit der Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken?
    Mit unglaublicher Ignoranz, Verlogenheit und Dummheit stellen sich unsere politischen “Eliten“ gegen ihr Volk, von dem sie Unheil abwenden sollten. Mir fällt kein anderes Land in der EU ein, das so bescheuert gegen die eigenen Interessen arbeitet. Bitte den Stecker ziehen!
    Aus Reuters Deutschland am 23.5.12 http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE84M05G20120523
    SCHÄUBLE: VERTRÄGE ERLAUBEN KEINE GEMEINSAMEN ANLEIHEN
    ….. . Deutschland pocht auf den EU-Vertrag, der vorsieht, dass kein Staat für die Schulden eines anderen einstehen darf. "Es ist ja gegen die europäischen Verträge. Wir haben klare vertragliche Regelungen", betonte Schäuble.
    Herr Schäuble/Fr. Merkel, dann bleiben Sie doch endlich vertragstreu und bestehen auf der Einhaltung der No-Bailout-Klausel!
    Bis jetzt waren alle ihre Vorhersagen falsch, oder Lug und Trug? Ist erst Schluss, wenn das Volksvermögen dem Eurowahn geopfert ist? Am 17.3.2010 titelte die Welt: „Griechenland will keinen Cent aus Deutschland“. Genauso wenig wollte Irland und Portugal einen Cent. Niemals wird Italien, Spanien oder Frankreich Geld von uns wollen. Schon gar nicht deren Banken.
    Im HB erschien heute unter Politik ein Artikel: Spanien will seine Banken ohne EU-Hilfe retten. Vielleicht kauft die EZB genügend spanische Staatsanleihen, und Spanien rettet seine Banken dann selber. Es wird immer nur von einer Tasche in die andere gelogen, und mit neuen Tricks gearbeitet.
    Die neueste „Idee“ zum raschen Inkrafttreten des ESM zur Staaten-/Bankenrettung:
    Die Bundesregierung erklärt offiziell gegenüber dem Bundesrat, dass der ESM nichts mit der EU zu tun hat: “Beim ESM handelt es sich nicht um ein EU-Vorhaben gemäß Artikel 23 GG, sondern um einen völkerrechtlichen Vertrag, der bewusst außerhalb der EU konzipiert wurde.”
    http://buendnis-buergerwille.de/index.php?id=190

  • ideal gedacht, ja, aber real hab ich in meinem leben zu viele exzellente menschen mit einfacher ausbildung oder keiner erlebt. kreativität ist die tatsächliche quelle der exzellenz. und ein solcher vorschlag kollidiert frontal mit einem unserer wichtigsten und vornehmsten grundrechten - dem passiven wahlreccht eines jeden bürgers in ein öffentliches amt. das aktive wahlrecht erhalten wir ja mit 18, dass passive wahlrecht....

    und allgemein noch

    herr henkel! prima! jetzt ihr vorschlag auch hier. wahrscheinlich ist ein derartiges vorgehen die vernüftigste vorgehensweise, um chaotische ereignisse und phasen mit dem zugehörigen schmerz zu minimieren. dies wäre zugleich eine möglichkeit das vertrauen der menschen in der eurozone wieder herzustellen. die manipulation der märkte - für mich in schillerscher manier und radikaler aufrichtigkeit exzellent zu verfolgen auf der seite zerohedge - ist so gigantisch. der finanzsektor mit seiner irwitzigen verteilung und allokation der (volks)wirtschaftlichen gewinne - negative rückkopplung auf die realwirtschaft usw. häuser die kein mensch braucht usw. macht einfach keinen sinn und hat das vertrauen zerstört. verstattlichen und aufräumen und neuausrichten macht einfach sinn. wenn das so weiter geht gehen ja alle entwickler und designer und techniker ........menschen in die innere unproduktivität. das leistungsprinzip is da neu auszutarieren. ich denke die menschen in europa sind da scho weiter als die regierungen.

  • @ EuroAPO - meine volle Zustimmung zu jedem einzelnen Ihrer Saetze!

  • @ Olaf Henkel - Ich bitte allerdings zu bedenken, dass die HRE NACH ihrer Verstaatlichung weiterhin Milliardensummen nach Griechenland getragen hat. Die HRE wurde missbrauechlich als Instrument der "Griechenlandrettung" eingesetzt.

  • Wir sind in einer sehr umfangreichen Krise, welche am vorläufigen Ende einer politischen Entwicklung steht, die durch kriminelle Geldschöpfer-Eliten zu verantworten ist. Der Monetarismus ist am Ende, seine geldschöpfenden Oligarchen (Großbanken, Aristokraten, Konspirationen) müssen zusammen mit ihren Thinktanks und sonstigen Korruptionsapparaten vollständig entmachtet werden.

    Das Trennbankensystem muß reatabliert und für eine Zukunft ohne oder nur geringem Wachstum aufgrund von peak oil & peak everything (siehe Richard Heinberg) angepaßt werden.

    Deutschland soll endlich wieder ein souveräner Staat mit einer demokratischen Verfassung werden. Die faschistischen Weltregierungspläne der Bilderberger Hochfinanz (Globalisierung) müssen beendet werden. Globalistische Organisationen im Dienste der kriminellen Hochfinanz wie z.B. die UNO, müssen aufgelöst werden, genauso wie die NATO, die kein Verteidigungsbündnis ist, sondern eine imperiale Streitmacht der Oligarchie.

    Der Besatzungszustand Deutschlands muß beendet werden. Die völkerrechtswidrigen Kriege der Hochfinanz der letzten 100 Jahre müssen am Vorbild der Nürnberger Prozesse aufgearbeitet werden. Der Monetarismus muß durch ein transparentes Kreditsystem im Sinne Franklin D. Roosevelts ersetzt werden.

  • Richtig, nämlich verdammt viel Freizeit zuletzt.

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