Henkel trocken
Nicht nur in Spanien: Banken verstaatlichen!

Die EZB und Vertreter der Euro-Gruppe beraten über Direkthilfen an spanische Banken. Wird die nächste von Schäuble und Co. gezogene „Rote Linie“ überschritten? Die bisherigen Nutznießer sind in Frankreich zu finden.
  • 39

Selbst die größten Euromantiker müsste diese Nachricht schockiert haben: Die Europäische Zentralbank (EZB) und Vertreter der Euro-Gruppe beraten „heimlich“ über Direkthilfen an notleidende spanische Banken. Damit wäre nicht nur der letzte Damm gebrochen und eine weitere von Schäuble und Co. gezogene „Rote Linie“ überschritten, dann müsste der deutsche Steuerzahler marode ausländische Banken direkt alimentieren.

Die bisher versandten Euro-Carepakete enthielten vor allem Geschenke an französische Banken. Wer sich fragt, warum Kanzlerin Merkel im Mai 2010 ihre anfängliche Position („Griechenland muss die Euro-Zone verlassen“) aufgegeben hat, findet die Antwort im kollektiven Druck des ehemaligen Präsidenten Sarkozy, seiner damaligen Finanzministerin, Lagarde, des damaligen Präsidenten des Internationalen Währungsfonds (IWF) Strauss-Kahn und des ehemaligen Präsidenten der EZB, Trichet: Alles Franzosen! Erst später merkten die Deutschen, dass sie nicht den Euro, auch nicht Griechenland, sondern vor allem französische Banken retteten. Die Franzosen sind in den Südländern am stärksten engagiert, die Deutschen haben dafür die größten Bürgschaften auf den Tisch gelegt.

Nun fällt der Weg aus der Krise auch deshalb schwer, weil sich drei Probleme auf einmal auftürmen. Da sind, erstens, die unbewältigten Langzeitfolgen der Finanzkrise; Banken stehen auf immer noch wackeligen Beinen. Zweitens sind zu viele Euro-Länder überschuldet, drittens hat sich der Euro von einer „one-size-fits-all“ zu einer „one-size-fits-none“-Währung entwickelt. Der Einheitszins war zu hoch für den Norden, zu niedrig für den Süden. Ohne Euro hätte die spanische Immobilienblase gar nicht erst entstehen können.

Seite 1:

Nicht nur in Spanien: Banken verstaatlichen!

Seite 2:

Der Finanzsektor muss an die Kette gelegt werden

Kommentare zu " Henkel trocken: Nicht nur in Spanien: Banken verstaatlichen!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Erst später merkten die Deutschen, dass sie nicht den Euro, auch nicht Griechenland, sondern vor allem französische Banken retteten."

    Herr Henkel, alle WElt wusste wie die franzosen positioniert waren und es noch sind, wer die Nutznieser des Euro sind (sein wollten) und das Frankreich hier gezielt Deutschland schwaechen will (siehe Aussagen von Atali et al) Alles offen nachzulesen, aber deutsche Politiker, Medien und Wirtschaftsvertreter haben die Katastrophe mitgemacht und der Waehler ist zu traege - es ist wie 33, wir gehen offenen auges in den Untergang

  • So könnte man die Bankenkrise lösen und zu den betreffenden Staaten zurückführen. Die spanische Immobilienblase wäre kleiner geblieben, sicher nicht ausgeblieben, denn sie wurde nicht unwesentlich von den Nordeuropäern befeuert. Nicht gelöst sind allerdings weiterhin die Handlesungleichgewichte und die Strukturellen Defizite wie zB in Deutschland die vollkommen aus dem Ruder laufenden Pensionen

  • Die oben beschriebenen Maßnahmen gehen zwar in die richtige Richtung, doktern aber nur an einer tieferliegenden Krankheit herum. Der Euro als Festwechselkurssystem kann in einer Wirtschaftszone mit regionalen Leistungsbilanzüberschüssen und -Defiziten nur funktionieren, wenn diese Defizite durch Transfers gedeckt werden. Das geschieht derzeit auch unbemerkt von der Öffentlichkeit über das Target 2 System der Notenbanken. Deutschland (die Bundesbank) baut monatlich seine Forderungenen gegenüber den Defizitländern in der Größenordnung von 50 Mrd. Euro aus und würde bei einem Austritt aus dem Euroverbund eine massive Abwertung dieser Forderungen hinnehmen müssen. Egal wie man das Eurokapitel beendet - für Deutschland wird die Rechnung extrem hoch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%