Henkel trocken
Nur wer umkehrt, kommt aus der Sackgasse

Mit der angeblich alternativlosen Euro-Rettungspolitik haben Politiker, Wirtschaftsführer und Medien uns Deutsche immer tiefer in die Sackgasse geführt. Einen Ausweg gibt es nur, wenn man umdreht.
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Nach der FDP schlägt nun auch die CSU eurokritische Töne an. Sie wollen den Euro in jedem Fall behalten, ihn aber nicht mehr in jedem Fall retten. Damit die Leser von „Henkel trocken“ diesen Schwindel besser durchschauen, hier eine Zusammenfassung der Kernthesen, die der Verfasser seit 2010, dem Zeitpunkt des ersten Rettungspaketes für Griechenland, immer wieder vertreten hat. Wenn ich Sie überzeugen kann, dann verweisen Sie auf diese Argumente, wenn Sie selbst über den Euro im Bekanntenkreis diskutieren!

Erstens: Der Euro wird immer wieder „gerettet“ werden! Das freiwillige oder erzwungene Ausscheiden eines Landes wäre nur unter dem Bekenntnis der Politiker möglich, vorher einen großen Fehler begangen zu haben. Um das zu vermeiden, begehen sie immer neue Fehler. Zwar stellte das renommierte Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW)  der bisherigen Eurorettungspolitik für Griechenland soeben ein vernichtendes Zeugnis aus; das wird die Bundesregierung jedoch nicht davon abhalten, bald ein weiteres Rettungspaket in Richtung Athen zu versenden.

Zweitens: Die Beschädigung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist Voraussetzung der Eurorettung! Um den Euro zu retten, müssen die eklatanten Produktivitätsunterschiede zwischen dem Süden und dem Norden einigermaßen angeglichen werden. Da das durch die angestrebten Reformen im Süden nur teilweise gelingt, muss der Norden entsprechend unproduktiver werden. Genau das wird schlussendlich das Ergebnis der immer lauter werdenden Kritik der deutschen Handelsbilanzüberschüsse, der Aufforderungen zur Erhöhung deutscher Arbeitskosten und von Vorschlägen sein, die Arbeitslosenversicherungen in der Eurozone zusammen zu führen oder Sparkontoeinlagen europaweit zu sichern.. Scheinbar paradox: die zu erwartenden Mehrkosten der deutschen Energiewende treffen zwar die globale Wettbewerbsfähigkeit unserer energieintensiven Industrie, helfen aber, die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone zu glätten und damit dem Euro.

Drittens: Um den Euro zu retten, bedarf es sowohl einem „Mehr an Europa“ als auch einem „Mehr an Sozialismus“! Die mit der Eurorettung verbundene Zentralisierung, Harmonisierung und Sozialisierung der Staatsschulden führt zwangsläufig zu mehr Staat und damit einer Schwächung der Konkurrenzfähigkeit der Länder in der Eurozone im Vergleich zu jenen, die weiterhin auf Subsidiarität, Wettbewerb und Eigenverantwortung setzen.

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  • Nein Herr Henkel, es gibt doch noch die andere Alternative aus der Sackgasse zu kommen.
    Diese ist ganz einfach, man macht die Augen zu und gibt Vollgas. Entweder dort steht nur ein Zaun oder eine Holzhüte, und man fährt sein Vehikel und das Hindernis zu Schrott, oder am Ende ist ein Abgrund oder ein massives Gebäude dann überlebt man es nicht. In allen dre Fällen hat man dann die Sackgasse verlassen. Aber, da gebe ich Ihnen Recht, der einfachste und vielversprechendste Weg ist der Rückwärtsgang. Aber leider nur dann wenn die anderen Deppen die hinter einem in die Sackgasse gefahren sind auch den Rückwärtsgang einlegen und sich nicht für eine der vorherigen Optionen entscheiden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • DIE SACKGASSE

    "Mehr Staat", "Mehr Europa", - für Hans-Olaf Henkel sind das Schreckensformeln, vom denen er sich den ganz großen Lesergrusel erhofft. Doch gruselig ist wohl eher das Gegenteil. "Mehr Markt" - von der Art, der wir Lehmann und Folgen verdanken? "Mehr Deutschland" - von der Sorte, dem beim Gedanken an eine Einreise Snowdens der regierungsamtliche Angstschweiß vor den Washingtoner "Freunden" ausbricht!? Müßte, wer schon Geld für Schweizer Steuerbetrugs-CDs ausgibt, nicht eigentlich das Zehnfache zahlen für Informationen zur Zerstörung des verfassungsmäßigen Postgeheimnisses und zu einer Ausspionierung der Regierungsspitze, wie sie seit Brandt/ Guillaume nicht da war? Um Gewißheit zu erlangen; um Nachahmer zu ermutigen. Stattdessen ein kaum verhülltes, "Pst, Pst", und, "Bleib bloß in Moskau", wie es einer Kolonie würdig wäre.

    Der ohnmächtige Nationalstaat, der seine Bürger schutzlos den Übergriffen von verwilderten Finanzmärkten und Großmächten ausliefert - und den Henkel als Alternative zum politisch geeinten Europa anpreist - er ist in Wahrheit die "Sackgasse", in die man sich nicht weiter verrennen sollte.

    Nur ein politisch geeintes Europa kann
    - den europäischen Sozialstaat erhalten,
    - etwas für den Klimaschutz erreichen,
    - wirksam Finanzmärkte regulieren,
    - eine Alternative zum rechtsfreien Raum des amerikanischen Internets schaffen.

    Nur ein politisch geeintes Europa kann die fundamentalen Interessen seiner Bürger wahren und ihnen ihre Freiheit erhalten.

    Und weil das so ist, kann man als Europäer zu der Endlosschleife Henkel´scher Agitation nur mit den Schultern zucken. Selbst wenn der Euro als Währung so schlecht wäre, wie er ihn zu machen sucht: Man kann auch mit einer mittelmäßigen Währung frei sein. Aber man kann nicht frei sein, als wehrloser Hinterhof-Kleinstaat im Schatten einer Großmacht. Niemand möchte zwischen Peseta und Pinochet wählen müßen, aber wenn man es müßte: Welcher Demokrat würde "Pinochet" nehmen?

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