Henkel trocken
Raus aus der Reuse!

Der Eurozone gehen die Argumente für den Erhalt der Gemeinschaftswährung aus – denn die Rettung wird immer nur teurer und teurer. Es ist höchste Zeit, Alternativen für die derzeitige Form des Euro auf den Tisch zu legen.
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Zuerst begründeten die Euroretter das deutsche Engagement noch mit den ökonomischen Vorteilen, die der Euro vor allem Deutschland angeblich gebracht hätte. Dass in den ersten zehn Jahren seit Bestehen des Euro das Wachstum bei uns viel geringer war, als in den meisten anderen Ländern der Eurozone, verdrängten sie einfach. Sie setzten auch in unzulässiger Weise den Euro mit dem Binnenmarkt gleich. Und sie unterschlugen, dass vor der Einführung des Euro 46 Prozent unserer Exporte in die Länder der heutigen Eurozone gingen, heute aber nur noch 40 Prozent.

Angesichts des für jeden sichtbaren ökonomischen und sozialen Desasters durch diverse Euro-Rettungsaktionen vor allem im Süden Europas, wurden alsbald politische Begründungen nachgeschoben. Der Euro sichere den Frieden und ohne ihn würde Europa scheitern. Selbst die fanatischsten Euroromantiker müssen nun auch von dieser Argumentationslinie Abschied nehmen.

Nicht nur in Griechenland, auch anderswo hat man von den ständigen Belehrungen aus Deutschland die Nase voll. Selbst die deutsch-französischen Beziehungen sind auf dem tiefsten Punkt seit Jahrzehnten angelangt. Der Euro stiftet keinen Frieden, er sät Zwietracht innerhalb der Eurozone. Und er verbreitert zunehmend den Graben zwischen der Eurozone und den Nicht-Euroländern. Kaum eins der zehn Nicht-Euroländer in der EU macht Anstalten, diesem Club noch beizutreten.

Deshalb braucht es neue Argumente für den Erhalt des Einheitseuros. Und so nimmt es nicht Wunder, dass jetzt behauptet wird, alles andere als ein „weiter so“ führe ins Chaos und sei sowieso zu teuer. In der Tat, ein Austritt Griechenlands würde die deutschen Steuerzahler ca. 80 Milliarden Euro kosten. Vor einem Jahr wäre es noch halb so teuer gewesen. In einem Jahr würde es doppelt so viel kosten.

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Währungsunion als Transferunion

Kommentare zu " Henkel trocken: Raus aus der Reuse!"

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  • Es ist wirklich so. Ein Austritt oder eine Reform des Euro wird immer teuer. Es werden wirklich immer mehr Begründungen angebracht, die dafür herhalten sollen, dass wir den Euro in der jetzigen Form erhalten müssen. Nur alle Begründungen haben sich als falsch herausgestellt. Keiner will das Problem oder die Probleme sehen. Man steckt wirkich lieber den Kopf in den Sand und meint, dann sind die Probleme nicht mehr da. Leider wie gehabt, einfach falsch. Sobald man den Kopf wieder heraussteckt, sind die Probleme immer noch da, sie sind sogar noch größer geworden. Wie schreiben einige Autoren: Wenn das Papiergeld nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert werden, wird es sehr schlimm. Wann ist es soweit?

  • Sehr geehrter Herr Delinix,

    selbstverständlich nehme ich NICHT in Anspruch, für andere zu sprechen!

    Ich sage nur, daß nach MEINEM URTEIL,

    1. das Nord-Euro-Programm die EU schwächen oder zerstören würde,

    2. die Europäer – wegen ihres rapide schwindenden Gewichtes relativ zum Rest der Welt – mittelfristig auf eine stärkere EU zwingend angewiesen sind und

    3. deshalb – nochmals: NACH MEINEM URTEIL - das Nord-Euro-Programm unverantwortlich ist.

    Daß eine Mehrheit – oder überhaupt irgendwer – mein Urteil teilt, habe ich nicht behauptet. Deswegen schreibt man ja in Foren, um auf Gefahren aufmerksam zu machen, die einen selber umtreiben, und um um Mehrheiten zu werben.

    Dazu, weshalb ich eine stärkere EU in Zukunft für unentbehrlich halte finden sie im Forum der letzten Woche meine Argumente unter dem Titel "Europäische Realität". Da sehen Sie dann auch, daß mangelnder "Abstand" zum Klein-Klein des Tagesgeschehens keiner meiner Fehler ist.

  • Teil 2
    Ich empfehle Ihnen, dieses Thema - z.B. die €-Rettung und das Verhältnis zw. D und F - einmal mit Ausländern zu besprechen. Sie werden überrascht sein, zu welchen Ergebnissen man kommen kann, wenn man NICHT im deutschen Schuldbewusstsein gefangen ist, sondern die Sache ganz unvoreingenommen von außen betrachten kann. Ich erlebe das dauernd und stelle überrascht fest, dass andere die sog. deutsch-französische Freundschaft vor allem nach den Geschehnissen rund um die €-Einführung nicht so idealistisch beurteilen wie Sie das tun und wie wir alle in D es gelernt haben.
    Leisten Sie sich mal den Luxus und nehmen Sie ein wenig Abstand - es tut sich eine wunderbare und interessante Welt der Vielfalt auf, in der AUCH Platz für die Ansicht eines Herrn Henkel ist.

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