Henkel trocken

Raus aus der Reuse!

Der Eurozone gehen die Argumente für den Erhalt der Gemeinschaftswährung aus – denn die Rettung wird immer nur teurer und teurer. Es ist höchste Zeit, Alternativen für die derzeitige Form des Euro auf den Tisch zu legen.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Zuerst begründeten die Euroretter das deutsche Engagement noch mit den ökonomischen Vorteilen, die der Euro vor allem Deutschland angeblich gebracht hätte. Dass in den ersten zehn Jahren seit Bestehen des Euro das Wachstum bei uns viel geringer war, als in den meisten anderen Ländern der Eurozone, verdrängten sie einfach. Sie setzten auch in unzulässiger Weise den Euro mit dem Binnenmarkt gleich. Und sie unterschlugen, dass vor der Einführung des Euro 46 Prozent unserer Exporte in die Länder der heutigen Eurozone gingen, heute aber nur noch 40 Prozent.

Angesichts des für jeden sichtbaren ökonomischen und sozialen Desasters durch diverse Euro-Rettungsaktionen vor allem im Süden Europas, wurden alsbald politische Begründungen nachgeschoben. Der Euro sichere den Frieden und ohne ihn würde Europa scheitern. Selbst die fanatischsten Euroromantiker müssen nun auch von dieser Argumentationslinie Abschied nehmen.

Nicht nur in Griechenland, auch anderswo hat man von den ständigen Belehrungen aus Deutschland die Nase voll. Selbst die deutsch-französischen Beziehungen sind auf dem tiefsten Punkt seit Jahrzehnten angelangt. Der Euro stiftet keinen Frieden, er sät Zwietracht innerhalb der Eurozone. Und er verbreitert zunehmend den Graben zwischen der Eurozone und den Nicht-Euroländern. Kaum eins der zehn Nicht-Euroländer in der EU macht Anstalten, diesem Club noch beizutreten.

Deshalb braucht es neue Argumente für den Erhalt des Einheitseuros. Und so nimmt es nicht Wunder, dass jetzt behauptet wird, alles andere als ein „weiter so“ führe ins Chaos und sei sowieso zu teuer. In der Tat, ein Austritt Griechenlands würde die deutschen Steuerzahler ca. 80 Milliarden Euro kosten. Vor einem Jahr wäre es noch halb so teuer gewesen. In einem Jahr würde es doppelt so viel kosten.

Währungsunion als Transferunion
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39 Kommentare zu "Henkel trocken: Raus aus der Reuse!"

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  • Es ist wirklich so. Ein Austritt oder eine Reform des Euro wird immer teuer. Es werden wirklich immer mehr Begründungen angebracht, die dafür herhalten sollen, dass wir den Euro in der jetzigen Form erhalten müssen. Nur alle Begründungen haben sich als falsch herausgestellt. Keiner will das Problem oder die Probleme sehen. Man steckt wirkich lieber den Kopf in den Sand und meint, dann sind die Probleme nicht mehr da. Leider wie gehabt, einfach falsch. Sobald man den Kopf wieder heraussteckt, sind die Probleme immer noch da, sie sind sogar noch größer geworden. Wie schreiben einige Autoren: Wenn das Papiergeld nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert werden, wird es sehr schlimm. Wann ist es soweit?

  • Sehr geehrter Herr Delinix,

    selbstverständlich nehme ich NICHT in Anspruch, für andere zu sprechen!

    Ich sage nur, daß nach MEINEM URTEIL,

    1. das Nord-Euro-Programm die EU schwächen oder zerstören würde,

    2. die Europäer – wegen ihres rapide schwindenden Gewichtes relativ zum Rest der Welt – mittelfristig auf eine stärkere EU zwingend angewiesen sind und

    3. deshalb – nochmals: NACH MEINEM URTEIL - das Nord-Euro-Programm unverantwortlich ist.

    Daß eine Mehrheit – oder überhaupt irgendwer – mein Urteil teilt, habe ich nicht behauptet. Deswegen schreibt man ja in Foren, um auf Gefahren aufmerksam zu machen, die einen selber umtreiben, und um um Mehrheiten zu werben.

    Dazu, weshalb ich eine stärkere EU in Zukunft für unentbehrlich halte finden sie im Forum der letzten Woche meine Argumente unter dem Titel "Europäische Realität". Da sehen Sie dann auch, daß mangelnder "Abstand" zum Klein-Klein des Tagesgeschehens keiner meiner Fehler ist.

  • Teil 2
    Ich empfehle Ihnen, dieses Thema - z.B. die €-Rettung und das Verhältnis zw. D und F - einmal mit Ausländern zu besprechen. Sie werden überrascht sein, zu welchen Ergebnissen man kommen kann, wenn man NICHT im deutschen Schuldbewusstsein gefangen ist, sondern die Sache ganz unvoreingenommen von außen betrachten kann. Ich erlebe das dauernd und stelle überrascht fest, dass andere die sog. deutsch-französische Freundschaft vor allem nach den Geschehnissen rund um die €-Einführung nicht so idealistisch beurteilen wie Sie das tun und wie wir alle in D es gelernt haben.
    Leisten Sie sich mal den Luxus und nehmen Sie ein wenig Abstand - es tut sich eine wunderbare und interessante Welt der Vielfalt auf, in der AUCH Platz für die Ansicht eines Herrn Henkel ist.

  • Sehr geehrter Herr Peters,

    wer beurteilt denn, ob es ein "für die Zukunft aller Europäer, einschließlich der Deutschen, völlig verderbliche(s), unverantwortliche(s) politische(s) Programm" ist? Sie?
    Meinen Sie nicht, es sei vielleicht ein ganz klein wenig vermessen, gleich im Namen ALLER Deutschen und ALLER Europäer zu sprechen? Glauben Sie nicht, dass man die betroffenen Menschen zur Abwechslung einmal befragen sollte - auf die Gefahr hin, dass diese Befragung dann doch nicht IHRE bzw.die Meinung der z.Zt. handelnden Politiker widerspiegelt?
    Es ist nun mal das Wesen der Demokratie, dass man befragt und danach sich nach dem Mehrheitswillen richtet. Und die Mehrheit möchte doch offenbar diese Form der EU-Politik und diese Form der €-Rettung gar nicht. Das sagen die Umfrageergebnisse.
    Man setzt sich aber einfach darüber hinweg. Und Sie tun das auch.
    Oder sind Sie auch - wie die meisten Politiker - der Meinung, dass das Volk nur dann eine gute und kluge Meinung hat, wenn sich diese Meinung zufällig mit der eigenen deckt und den eigenen Interessen dient?
    Wenn jemand gut argumentiert - so wie es Herr Henkel tut,
    dann sollten Sie sich besser damit auseinandersetzen, anstatt Allgemeinplätze herunter zu beten, die sich anhören wie Parteiprogramme. Es ist ziemlich platt, den Kontrahenten einfach als eine Art Kriegstreiber zu bezeichnen und mit ihm alle, die sich mit den Gedanken dieses Kontrahenten identifizieren.
    Ende Teil 1

  • Sehr geehrter Herr Fleetenkieker,

    seien Sie mir nicht böse, aber, da Sie anscheinend nicht vorhaben, sich mit meinen "verbreiteten Argumenten" irgendwie auseinanderzusetzen, und ich mich für Henkel-biographische Studien nicht zuständig fühle, kann ich Ihnen inhaltlich zu Ihrem - netten - Anschreiben auch nichts sagen.

    Ich versichere Ihnen aber: Ich hege weder gegen Sie noch Ihren Freund "seit Kindheitstagen" unfreundliche Gefühle. Meine Abneigung richtet sich nicht gegen einen Menschen, sondern gegen das von ihm vertretene für die Zukunft aller Europäer, einschließlich der Deutschen, völlig verderbliche, unverantwortliche politische Programm.

    Ansonsten wünsche ich Ihnen - und ihm - einen schönen Hamburger Spätsommertag.

    Freundliche Grüße über den politischen Graben, Ihr

    Alexander Peters

  • Sehr geehrter Herr Delinix,

    daß wir wegen "Abstimmungsproblemen" unter einer "Vielzahl" von Mitgliedsländern in einen Nachteil gegenüber dem Dollar geraten, der von unseren besseren Fiskaldaten her nicht gerechtfertigt ist, war doch genau mein Argument. Die Krise wird verursacht von finanzPOLITISCHEN Mängeln - von zu verzettelten Entscheidungsstrukturen - und nicht von einer finanzWIRTSCHAFTLICHEN Ausweglosigkeit der Lage - die nicht vorliegt. Dann soll man die Krise auch POLITISCH beantworten - durch Straffung/ Europäisierung der Fiskalpolitik - und nicht mit einem WIRTSCHAFTLICHEN Narrenritt, wie einem einseitigen, deutschen Währungsseparatismus.

  • @netshadow: Mit der D-Mark würde das Ölkaufen sogar sehr viel Spaß machen, weil es deutlich preisgünstiger für Deutschland wäre als heute. Eine starke Währung wie sie die D-Mark wäre macht Importe billiger, was nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Verbraucher entlasten würde, z.B. bei den Sprit- und Energiekosten. Infolgedessen stiege die Binnenkaufkraft. Preiswerte Importe würden aber auch die bei einer aufgewerteten D-Mark steigenden Exportpreise im Zaum halten. Schließlich basieren über 40 Prozent der deutschen Ausfuhren auf zuvor importierten Vorprodukten. Außerdem verkauft Deutschland keine Massenwaren ins Ausland, sondern High-Tech-Produkte, die weniger preisreagibel sind.

    Natürlich würde die Rückkehr zur D-Mark Kosten mit sich bringen. Aber diese Nachteile wären nur kurzfristiger Natur. Mittelfristig würde Deutschland gestärkt aus der Abschaffung des Euro hervorgehen. Verlierer wären die Banken, die einen nicht großen Teil ihrer Euro-Forderungen abschreiben müssten. Deshalb trommeln deren Vertreter ja auch so vehement für den Erhalt der Währungsunion und gegen die Rückkehr zur D-Mark.

  • Nachtrag: Meine erste Zeile ist leider verloren gegangen:
    AW: A-Peters

  • Verfolge Ihre Beiträge immer mit Interesse, enthalten sie doch verbreitete Argumente, die nicht leichtfertig vom Tisch zu wischen sind. Aber überzeugen konnten sie mich bislang nicht. Wer von einem fliegenden Teppich herab argumentiert und auch nicht davor zurückscheut, persönliche Angriffe und Unterstellungen als Argumentationshilfe zu benutzen, dem kann ich nur mit Misstrauen begegnen. Zumal Ihnen offensichtlich die Binsenwahrheit aller ökonomischer Voraussagungen, „und hier, dieser Satz steht fest, kommt es anders als man glaubt,---“ oder so ähnlich, nicht bekannt zu sein scheint.
    Ihr Widersacher, Olaf Henkel, den ich seit Kindheitstagen kenne, und den sie hier bekämpfen, ist ein beneidenswert erfahrener Weltbürger, dessen Stimme man hören sollte, auch wenn ich mit seinen Vorschlägen zur Lösung der Eurokrise durchaus nicht einverstanden bin. Seine sachlichen Argumente haben Substanz und sind kaum widerlegbar, jedenfalls für diejenigen, die lange in anderen Ländern dieser Erde beruflich tätig waren und dabei einen praktischen Erfahrungsschatz gesammelt haben.
    Freue mich, dass das Handelsblatt unter „Henkel trocken“ ihm ein Forum zur Verfügung stellt. Jeden Montag immer wieder spannend, was er zu sagen hat und dann die Lesermeinungen zu verfolgen. Hoffen wir alle darauf, dass wir aus diesem sich anbahnenden Desaster einigermaßen ungeschoren davon kommen.

  • Die EU und der Euro sind tot; nur Narren glauben, dass hier noch was gerettet werden kann. Mittlerweile kann ich dem viel Positives abgewinnen. Denn wenn der deutsche Staat von all der Retterei pleite ist, dann haben die ganzen Ökospinner mit ihrem Klima- und sonstigen Wahnvorstellungen keine Chance mehr. Das Volk wird sie zum Teufel jagen, weil es dann nur noch ums nackte Überleben geht.

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