Henkel trocken: Schattenboxen mit der EZB

Henkel trocken
Schattenboxen mit der EZB

Wir sind Zeuge einer Showveranstaltung mit der Bundesbank und der EZB im Ring. Bundesbankchef Weidmann markiert den starken Mann. Doch die Ringrichter stehen auf Seiten der Nehmerländer - und werden den Kampf gewinnen.
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Ich weiß noch, wie ich als Heranwachsender zum ersten Mal einem Kampf zugesehen habe, der gar keiner war. „Catch-As-Catch-Can“ hieß die Disziplin damals noch und wurde in einem Zirkuszelt auf St. Pauli dargeboten. Heute kann man diese sogenannte Sportart unter dem Begriff „Wrestling“ auf irgendwelchen Fernsehkanälen verfolgen. Was mich schon damals wunderte und ich heute immer noch nicht verstehe: es gibt Zuschauer, die glauben, dass die Kontrahenten wirklich aufeinander losgehen.

Dabei ist es doch für die meisten offensichtlich, dass der mit einer Ledermaske verkleidete „Würger“ seinen Gegner nicht bis zur Ohnmacht würgt und der am ganzen Körper tätowierte „Knochenbrecher“ seinem am Boden liegenden Kontrahenten nicht mit aller Wucht ins Gesicht tritt.

Nicht nur das Abstimmverhalten der Bundesbank in der EZB und die öffentlichen Einlassungen ihres Präsidenten, auch dass unsere Medien dieses Schattenboxen nicht durchschauen, erinnert mich an „Wrestling“.

Axel Weber, der damalige Präsident der Bundesbank, legte sein Amt nieder, weil er bei der Entscheidung für den regelwidrigen Aufkauf von Staatsanleihen aus Griechenland und Portugal von den Vertretern der Nehmerländer überstimmt wurde. Niemand nahm ihm seine dafür genannten persönlichen Gründe ab. Damals durchschauten alle das Manöver.

Als auch Jürgen Stark, damaliger Chefvolkswirt der EZB, aus persönlichen Gründen zurücktrat, meinten die Kommentatoren ebenso einhellig, er sei wegen des Aufkaufs spanischer und italienischer Anleihen zurückgetreten.

Ich hatte schon damals meine Zweifel. Hätte er dann nicht, wie Weber, schon beim Aufkauf der portugiesischen und griechischen Papiere diese Konsequenz ziehen müssen? Plausibler erschien mir ein anderer Grund: Kanzlerin Merkel hat ihm den Teppich unter den Füßen weggezogen. Kurz nachdem er in der EZB wacker gegen die Mehrheit der Nehmerländer stimmte, hat Kanzlerin Merkel die (Mehrheits-) Entscheidung der EZB öffentlich begrüßt. Ich glaube, Jürgen Stark lag das Schattenboxen einfach nicht.

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Kommentare zu " Henkel trocken: Schattenboxen mit der EZB"

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  • Wenn Herr Henkel Recht hat und das ist so, steht uns etwas bevor, was wir als Steuerzahler bezahlen müssen. Alles ist wirklich ein Schattenboxen vergleichbar. Wir werden hereingelegt und belogen. Im Nachhinein will es niemand gewesen sein. Ich empfehle jeden das Buch "Inside Occupy" von David Graeber. Es kann ja Leute geben, die das lesen und mich für diese Empfehlung angreifen. Sei es drum.
    Rudolf Thalmann, Bruchhausen-Vilsen

  • Ich glaube, dass Herr Henkel mit seiner Analogie falsch liegt. Endgültig kann dies aber erst dann beantwortet werden, wenn die Situation eintritt, in der zu entscheiden ist, ob die Bundesbank die von Thilo Sarrazin vorgeschlagene Strategie einschlagen soll:

    "S.: Wir entscheiden jetzt wie ein Feldherr, dessen ursprünglicher Schlachtplan gescheitert ist. Und der jetzt, da die Hälfte seiner Truppen gefallen ist und der anderen Hälfte die Einkreisung droht, seinen Fehler erkennt.

    F.:Was tut der Feldherr?

    S.: Er versucht den geordneten Rückzug. Nach Clausewitz ist der geordnete Rückzug aber die schwierigste militärische Operation.

    F.: Also ein Rückzug aus dem Euro?

    S.: Nein, der Weg zurück zu geordneten Abläufen. Für uns wäre - um im Bild zu bleiben - dies die Festungslinie: Befolgen der Regeln nach dem Vertrag von Maastricht. Erstens No-Bailout. Zweitens: Zwar muss die Zentralbank Handlungsspielraum haben. Aber wenn sich verfestigt, dass zugunsten anderer Ziele, die mit dem Auftrag der Zentralbank nichts zu tun haben, die Preisstabilität gefährdet wird, dann könnte man sagen, wir stellen unsere Mitwirkung in den Gremien der EZB ein."

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/im-gespraech-thilo-sarrazin-genug-druckerschwaerze-fuer-papiergeld-gab-es-immer-11757944.html

  • Alles nichts neues, Herr Henkel !
    Sehen Sie sich manchmal die Kommentare in t-online an, sie werden sich wundern, daß die Leute die ganze Nummer durchschauen,auch wenn sie noch so einfach gestrickt sind! So gewitzt ist unsere ehemalige Propagandabeauftragte der FDJ nun auch nicht. Sie müßten nur noch eins ergänzen : warum die Medien das nicht schnallen, wie Sie meinen, was ist der Grund ? Die können doch nicht dümmer sein als der einfache kleine Kommentarschreiber(der Leser) ! Liest man manche Artikelschreiber(bzw die großen Kommentareschreiber)oder das Dümmlichkeiten der Redaktionen selbst, zB t-online, dann muß man zu einem sehr negativen Schluß kommen. Eine abstoßende Pomadigkeit gepaart mit Unreife(ähnlich der einiger spätpubertierender Studenten der 68er), dann glaubt man nicht, daß die ein Studium abgeschlossen haben sollten ! Vorallem wird von denen wohl unterstellt, die Leser bzw jene die widersprechen, seien Idioten. Es ist ein schwaches Bild für den Journalismus, seinen Ausbildungsstätten, und/oder läßt eine korrupte Beziehung zwischen Medien u Politik vermuten ! Nimmt man es genau, dann sind Sie und wir in gewisser Weise auch Schattenboxer, weil wir auch nur quasseln und nichts konstruktives unternehmen.Burkhard Laatsch Dipl. Ing

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