Henkel Trocken

Von Etikettenschwindlern und Ehrabschneidern

Die "Euromantiker" aus Regierung und Wirtschaft machen Kritiker gerne mundtot mit dem Satz: "Scheitert der Euro, scheitert Europa". Doch was sie uns als "Stabilitätsunion" verkaufen, ist eine Mogelpackung.
26 Kommentare
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Nicht nur die Bundesregierung, auch die Wirtschaftsverbände werden nicht müde, den Euro mit Europa gleichzusetzen.

1. Sie tun so, als wären unsere Exporte in europäische Nachbarländer auf den Euro zurückzuführen. Wir waren schon zu D-Mark-Zeiten Exportvizeweltmeister. Der freie Warenverkehr in der EU ist auf den Binnenmarkt zurückzuführen und hat mit dem Euro nichts zu tun. Wir exportieren ja auch in die zehn EU–Länder, die nicht der Euro-Zone angehören. Wenn dann der BDI noch mit dem Hinweis kommt, dass 40 Prozent unserer Exporte in die Euro-Zone gehen, verlangte es das Gebot der Wahrheit hinzuzufügen, dass dieser Anteil vor Einführung des Euro mit 45 Prozent noch höher lag.

2. Erst gestern Abend versuchte Kanzlerin Merkel Deutschlands Marsch von einer Währungsunion in eine Transfer- und Schuldenunion mit dem Etikett „Stabilitätsunion“ zu kaschieren. Nachdem die Politik alle Stabilitätsversprechen gebrochen und mit dem Kippen der „no-bail-out-Klausel“ die Brandmauer zwischen dem deutschen Steuerzahler und den Sozialpolitikern anderer Länder eingerissen hat, soll die Euro-Zone plötzlich stabil werden? Auf dieser Packung steht das Gegenteil von dem drauf, was drin ist.  

3. Da den Euromantikern die ökonomischen Argumente inzwischen abhanden gekommen sind, feuern sie immer öfter Salven aus dem Geschütz „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ ab. Das Motiv ist klar. Durch das Schüren von Ängsten soll jede Diskussion über Alternativen zur Einheitseuropolitik abgewürgt und von der Tatsache ablenkt werden, dass sich der Euro inzwischen zu einem gefährlichen Spaltpilz entwickelt hat. Er schafft nicht nur einen neuen Graben zwischen den zukünftigen Geber- und den Nehmerländern in der Euro-Zone, er verbreitert auch den bestehenden Graben zwischen Euro-Zone und Nicht-Euro-Ländern.

4. Geradezu als widerlich empfinde ich es, wenn Gabriel, Trittin & Co. den Kritikern der Euro-Politik unterstellen, sie seien „antieuropäisch“ beziehungsweise „rechtspopulistisch“. Sie entlarven sich damit als charakterlose Ehrabschneider.

Wenn inzwischen 80 Prozent der Deutschen gegen die derzeitige Euro-Politik sind, liegt es nicht nur daran, dass sie Angst um ihr Geld haben. Sie durchschauen inzwischen auch, dass Politik und Verbände mit dem kostbaren Gut der Wahrheit immer sparsamer umgehen.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

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26 Kommentare zu "Henkel Trocken: Von Etikettenschwindlern und Ehrabschneidern"

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  • Henkel Trocken for President!!!
    Herzlichen Glückwunsch, liebes Handelsblatt zu diesem Kommentator.

  • Ich denke nicht das Jürgen Trittin ein charakterloser Ehrabschneider ist. Er hat einfach nicht in der Birne.
    Der deutsche Steuerzahler arbeitet von Januar bis Juni für seine Steuern. Nun soll er von Januar bis Juni für seine Steuern arbeiten und von Juli bis September für die Schulden der DOLCE VITA Staaten. Ich bin ernsthaft besorgt um die Demokratie in Europa.

  • Danke Herr Henkel, dass Sie dieses Gebäude der Volksverdummung ("scheitert der Euro....") aufdecken. Schlimm ist, dass die Opposition einschliesslich der Gewerkschaften, die doch das Einkommen der kleinen Leute schützen sollten, diesen ganzen Schuldensozialismus mitmachen.

  • Sie schreiben "Leider fehlt bei den meisten Politikern der wirtschaftliche Weitblick."

    Das sehe ich nicht so: "Leider" ist absolut falsch". Denn Politiker haben grundsätzlich kaum Wissen, geschweige denn dieses Spezielle. Politiker werden sowas, weil sie in anderen Berufen versagen würden. Das sollte der Wähler allerdings wissen!

    Bei den Fröschen wird der König, der am lautesten quakt.
    Bei den Menschen ...

    Es wird Zeit, daß wir Politiker nicht mehr als Mogelpackung per Liste wählen müssen, es wird Zeit, daß Koalitionen vom Volk genehmigt werden müssen (Hitler kam nur durch eine Koalition zum Ermächtigungsgesetz!). Es wird Zeit daß Abgeordnete die gegen das GG handeln sanktioniert werden (siehe www.verfassung-achten.de), es wird Zeit für Volksabstimmungen auf Bundesebene, es wird Zeit für "1 Mensch, 1 Stimme", also auch für Kinder, bei Kleinkindern stellvertretend durch die Eltern, es wird Zeit nicht nur mit "Zwangs-JA" sondern auch mit "Nein" zu bestimmten Kandidaten stimmen zu dürfen. Es wird Zeit die 5%-Hürde aufzugeben (bequemer ist diese nur für die Regierung) u.v.a.m

    Demokratie soll eine überlegene Staatsform sein?
    Hat sie sich seit der Antike durchgesetzt?
    Sicher wäre es eine "gute" Staatsform, - wenn das Volk sie wirklich befürwortet!

  • Genau so ist es.

    Und die Politiker dummschwätzen bloß, um selber wichtig und mächtig zu bleiben. Das Problem ist: es merken immer mehr Mitglieder des teilweise ja stimmberechtigten Volkes. Und dann wundert man sich über Politikverdrossenheit, Piraten u.ä.

  • @ meantares,
    damit existieren keine "Vereinigten Staaten von Europa", also keine Zentralregierung.
    Möglich bleibt ein "Staatenverbund von Europa" ohne Zentralregierung.
    Eine gemeinsame Währung ist auch dann möglich, wenn die damalieg Umrechnungsfaktoren zur Regulierung beibehalten worden wären, oder aktuell wieder eingeführt würden. Nur dann könnte die Kaufkraft eines einzelnen Landes, so wie bei der Einführung, realistisch und zu jeder Zeit gewichtet werden.
    Gegenüber einer Währungsschlange (jedes Land mit eigener Währung, wie vor der EURO Einführung) wäre der Vorteil einer gemeinsamen Währung gegeben und Regularien zur Anpassung an die Realität weiterhin vorhanden.
    Genau das wollen die Banken und damit die Politik aber nicht.

  • Herr Henkel, vielen Dank für Ihren Artikel!
    Leider werden einzelne Kommentare, Talkshowauftritte oder auch Bücher an dem bestehenden System wenig ändern, daher meine Bitte: gründen Sie eine neue, demokratische Volkspartei.
    Sie wären vermutlich überrascht, wieviele Stimmen Sie erhalten. Wir Wähler sind dieser eigennützigen, selbstgefälligen und korrupten Parlamentarier dermassen überdrüssig! Es ist einfach deprimierend, wenn man sieht, wie unsere Demokratie langsam zugrunde geht und wie wir von systemkonformen Medien und lobbygesteuerten "Experten" schamlos belogen werden.
    Bitte helfen Sie uns!



  • "Hecht",Sie haben ja so Recht mit Ihrer Meinung-total
    undemokratisch ist das. Die EUdssr läßt immer mehr grüßen.
    Leider werden damit die Kräfte der Steuerzahler zersplittert.
    Das ist so von den Eliten gewollt.
    Viele Leute werden nicht mehr wählen gehen,manche werden die
    NDP strategisch wählen,der Rest wird auf die Schalmeientöne
    der Verräterparteien hereinfallen. Um die Kräfte zu bündeln,
    wäre darum eine "Henkel"-Partei außerordentlich wichtig!LG

  • Die ganze Europa-/Euro-Politik ist mittlerweile auf Lug,Be-
    trug und grundlegende Vertragsbrüche aufgebaut. Es hat bisher noch NIEMALS und NIRGENS funktioniert, daß eine gemeinsame Währung VOR einer politischen Einigung eingeführt werden konnte.
    Diese Binsenweisheit wird seit Jahren systematisch nicht
    beachtet. Nicht die Kritiker dieses finanzpolitischen Irrsin sind die "schlechten" Europäer, sondern die abge-
    hobenen und mittlerweile ratlosen Phantasten, die neue
    Gräben und Gegnerschaften schaffen, die uns um Jahrzehnte wieder für ein realistisches Annähern in Europa zurück-
    werfen!
    Ich bedaure auch sehr die dümmlichen und einseitigen Stel-
    lungnahmen wichtiger und einflußreicher deutscher Industrie- und Wirtschaftsverbände. Gerade sie müssen an
    einer realistischen und erfolgreichen Europapolitik für
    ihre Mitgliedsunternehmen interessiert sein. Je länger die
    Hängepartie dauert und die Aussicht auf die nichtverein-
    barte und nicht gewollte Transferunion wächst, umso eher
    und dramatischer wird die deutsche Wirtschaft negativ betroffen sein.
    Sollten Gabriel und der rote grüne Trittin das wollen?
    Krisenzeiten sind immer gute Zeiten für Leute, deren "Ge-
    schäftsmodell" darin besteht, Leistung anderer Leute in
    Form von Steuergeldern umzuverteilen. Nur, die bisher so vertraute deutsche Kasse ist dann auch leer!

  • Herzliche Grüße vom Aktionsbündnis Direkte Demokratie Stuttgart:

    http://eurodemostuttgart.wordpress.com/

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