Henkel Trocken
Von Etikettenschwindlern und Ehrabschneidern

Die "Euromantiker" aus Regierung und Wirtschaft machen Kritiker gerne mundtot mit dem Satz: "Scheitert der Euro, scheitert Europa". Doch was sie uns als "Stabilitätsunion" verkaufen, ist eine Mogelpackung.
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Nicht nur die Bundesregierung, auch die Wirtschaftsverbände werden nicht müde, den Euro mit Europa gleichzusetzen.

1. Sie tun so, als wären unsere Exporte in europäische Nachbarländer auf den Euro zurückzuführen. Wir waren schon zu D-Mark-Zeiten Exportvizeweltmeister. Der freie Warenverkehr in der EU ist auf den Binnenmarkt zurückzuführen und hat mit dem Euro nichts zu tun. Wir exportieren ja auch in die zehn EU–Länder, die nicht der Euro-Zone angehören. Wenn dann der BDI noch mit dem Hinweis kommt, dass 40 Prozent unserer Exporte in die Euro-Zone gehen, verlangte es das Gebot der Wahrheit hinzuzufügen, dass dieser Anteil vor Einführung des Euro mit 45 Prozent noch höher lag.

2. Erst gestern Abend versuchte Kanzlerin Merkel Deutschlands Marsch von einer Währungsunion in eine Transfer- und Schuldenunion mit dem Etikett „Stabilitätsunion“ zu kaschieren. Nachdem die Politik alle Stabilitätsversprechen gebrochen und mit dem Kippen der „no-bail-out-Klausel“ die Brandmauer zwischen dem deutschen Steuerzahler und den Sozialpolitikern anderer Länder eingerissen hat, soll die Euro-Zone plötzlich stabil werden? Auf dieser Packung steht das Gegenteil von dem drauf, was drin ist.  

3. Da den Euromantikern die ökonomischen Argumente inzwischen abhanden gekommen sind, feuern sie immer öfter Salven aus dem Geschütz „Scheitert der Euro, scheitert Europa“ ab. Das Motiv ist klar. Durch das Schüren von Ängsten soll jede Diskussion über Alternativen zur Einheitseuropolitik abgewürgt und von der Tatsache ablenkt werden, dass sich der Euro inzwischen zu einem gefährlichen Spaltpilz entwickelt hat. Er schafft nicht nur einen neuen Graben zwischen den zukünftigen Geber- und den Nehmerländern in der Euro-Zone, er verbreitert auch den bestehenden Graben zwischen Euro-Zone und Nicht-Euro-Ländern.

4. Geradezu als widerlich empfinde ich es, wenn Gabriel, Trittin & Co. den Kritikern der Euro-Politik unterstellen, sie seien „antieuropäisch“ beziehungsweise „rechtspopulistisch“. Sie entlarven sich damit als charakterlose Ehrabschneider.

Wenn inzwischen 80 Prozent der Deutschen gegen die derzeitige Euro-Politik sind, liegt es nicht nur daran, dass sie Angst um ihr Geld haben. Sie durchschauen inzwischen auch, dass Politik und Verbände mit dem kostbaren Gut der Wahrheit immer sparsamer umgehen.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Kommentare zu " Henkel Trocken: Von Etikettenschwindlern und Ehrabschneidern"

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  • Henkel Trocken for President!!!
    Herzlichen Glückwunsch, liebes Handelsblatt zu diesem Kommentator.

  • Ich denke nicht das Jürgen Trittin ein charakterloser Ehrabschneider ist. Er hat einfach nicht in der Birne.
    Der deutsche Steuerzahler arbeitet von Januar bis Juni für seine Steuern. Nun soll er von Januar bis Juni für seine Steuern arbeiten und von Juli bis September für die Schulden der DOLCE VITA Staaten. Ich bin ernsthaft besorgt um die Demokratie in Europa.

  • Danke Herr Henkel, dass Sie dieses Gebäude der Volksverdummung ("scheitert der Euro....") aufdecken. Schlimm ist, dass die Opposition einschliesslich der Gewerkschaften, die doch das Einkommen der kleinen Leute schützen sollten, diesen ganzen Schuldensozialismus mitmachen.

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