Henkel trocken
Warum Ökonomen zum Augenarzt gehen

Politiker und Euro-kritische Ökonomen werden so schnell keine Freunde. Die Forderung, AfD-Mitglieder aus dem Wissenschaftlichen Beirat des Wirtschaftsministeriums auszuschließen, geht aber entschieden zu weit.

Wenn ein Politiker etwas Unwahres sagt, kann es drei Ursachen haben:

1. Der Politiker irrt sich. Ein klassisches Beispiel dafür ist das Versprechen Helmut Kohls, im Osten Deutschlands „blühende Landschaften“ zu schaffen. Mal ganz davon abgesehen, dass es den meisten Menschen im Osten Deutschlands besser geht als zu Zeiten der DDR, wurde die wirtschaftliche Entwicklung nicht nur von ihm falsch eingeschätzt. Auch die meisten Ökonomen, ich selbst eingeschlossen, beurteilten die wirtschaftliche Entwicklung im Osten nicht richtig.

2. Der Politiker behauptet Falsches, weil er sich angewöhnt hat, mit einer erwartungsgesteuerten Wahrnehmung durchs Leben zu gehen. Hier schon von „Lüge“ zu sprechen, wäre solange nicht angemessen, wie die Person selbst an das Falsche glaubt. Beispiele sind die Ankündigungen der Bundesregierung, dass der erste Euro-Rettungsschirm auslaufen und nicht verlängert wird. Oder ihre zahlreichen Versprechen, dass die Rettungsaktionen den deutschen Steuerzahler nichts kosten würden. Oder die unzähligen, von der Realität meist widerlegten Ankündigungen über Reformerfolge im Süden der Eurozone – es sei denn, die Politiker, die diese Versprechen abgaben, haben sich vorher selbst belogen . Schon Friedrich Nietzsches stellte fest, dass der Phantast die Wahrheit vor sich selbst verleugnet, der Lügner vor anderen.

3. Der Politiker lügt bewusst. Im Dritten Reich gab es davon haufenweise. Zum Beispiel: „Seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen!“. Die DDR konnte nur mit der Verbreitung von Lügen existieren („Niemand hat die Absicht…“). Auch in der Politik der Bundesrepublik gab es viele Lügengeschichten. Wenn aufgedeckt, bedeuteten sie meist das Ende der Karriere des Lügners. Für den damaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel („Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort…“) hatte sie schlimmere Konsequenzen. Und wenn heute jemand vom „Lügenbaron“ spricht, denkt man nicht nur an Münchhausen.

Das Gute an der Demokratie ist, dass diejenigen, die Irrtümer, Phantasien und Lügen verbreitet haben, irgendwann bloßgestellt und zur Verantwortung gezogen werden. Allerdings, bisher blieben die Politiker, Banker und Verbandsvertreter, die den Einheitseuro nur noch mit bequemen Unwahrheiten am Leben erhalten konnten, unbehelligt. Damit das so bleibt, verfolgen sie umso härter diejenigen, die unbequeme Wahrheiten aussprechen.

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