Kurz und schmerzhaft

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Henkel trocken: Was die Wahl in Katalonien mit dem Euro zu tun hat

Für viele Politiker scheint das einzig adäquate Mittel gegen die Krise ein „Mehr an Europa“ zu sein. In ihrem kaum zu bremsenden Harmonisierungswahn übersehen sie aber die Sehnsucht der Bürger nach mehr Eigenständigkeit.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Seltsam! Da behaupten unsere Euroretter, dass ein „Zuwenig an Europa“ die Ursache für die Eurokrise sei und verschreiben uns deshalb ein „Mehr an Europa“. Zentralismus, Harmonisierung und Schuldensolidarität seien angesagt; Subsidiarität, Wettbewerb und Eigenverantwortung wären abzumelden.

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Gestern stimmten die Katalanen für ein „Weniger an Spanien“. Sie wollen mehr Eigenständigkeit für Katalonien, die meisten von ihnen sogar die völlige Unabhängigkeit von Spanien. Ähnliches kannten die Spanier schon aus dem Baskenland. Dass die Gewaltbereiten unter den Basken heute friedfertig sind, heißt noch lange nicht, dass die Mehrheit mit ihrer Lage im zentralistischen Spanien zufrieden ist. Das Gegenteil ist der Fall.

Euro in der Krise

Demnächst wird eine große Anzahl von Schotten in einem Referendum bekunden, „raus aus dem Vereinigten Königreich“ zu wollen. Neuerdings demonstrieren auch immer mehr Korsen für ein „Los von Frankreich“. Dass viele Flamen und Wallonen sich in einem gemeinsamen Belgien immer noch nicht wohlfühlen, wissen wir schon lange.

Kein Wunder, dass auch außerhalb der Eurozone die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger keine Lust verspürt, sich in einem Euro-Zentralstaat wiederzufinden. Und natürlich weinen weder Tschechen noch Slowaken ihrem alten Bundestaat eine Träne nach, von den Bürgern und Bürgerinnen der untergegangenen UDSSR und von Jugoslawien ganz zu schweigen. Auch im fernen Quebec haben sich die Wähler und Wählerinnen vor kurzem für eine Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen, die ihnen mehr Unabhängigkeit vom kanadischen Bundestaat versprochen hat.

Es ist nur natürlich, dass sich Menschen bei zunehmender Globalisierung und immer schnellerem technischem Fortschritt nach Ankern, nach Boden unter den Füßen und nach nationaler, regionaler und lokaler Identität sehnen.

Für unsere Europapolitiker sollte das heißen: Sie müssen sich weniger mit ihren Visionen („Vaterland Europa“) als mit denen der Bürgerinnen und Bürger beschäftigen und sich für ein „Europa der Regionen und der Vaterländer“ einsetzen. Es ist schon grotesk, wenn deutsche Politiker einerseits die kommunale Identität durch neue Autokennzeichen fördern, andererseits nichts dabei finden, diese Identität durch nicht zu bremsenden europäischen Harmonisierungswahn zu zerstören.

Leser von „Henkel trocken“ wissen, welche verheerende Auswirkungen der Euro auf die Wirtschaft in der Eurozone und auf das gedeihliche Zusammenleben in Europa hat. Die Ergebnisse der Wahlen von Katalonien erinnern daran, dass eine zentralistische und auf Harmonisierung ausgerichtete Politik von den Bürgerinnen und Bürgern Europas zunehmend als menschfeindlich empfunden wird. Diese Politik beschädigt die kulturelle Vielfalt auf dem Kontinent und zerstört damit das Wesen Europas!

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

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Wahlen in Katalonien: „Wir haben unser Ziel nicht erreicht“

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  • 01.12.2012, 20:40 UhrAlexander_Peters

    Sehr geehrter Herr Zglinski,

    Ihren Kommentar unterstütze ich. Sie machen den springenden Punkt knapp und sauber sichtbar.

  • 30.11.2012, 14:25 UhrJan.Zglinski

    Die Katalanen wollen ein "weniger an Spanien", das sollte uns zu einem "weniger an Europa" bewegen. Ein wegen seiner Einfachheit sehr eingängliches Argument. Was der Autor vergisst, ist, dass die katalanischen Demonstranten "Catalunya, nou estat d'Europa" ("Katalonien, neuer Staat Europas") als Slogan ihrer Unabhängigkeitsbewegung auserkoren haben. Űbersetzt in die Logik des Artikels: ein weniger an Spanien ohne ein weniger an Europa. Ein ähnlicher Trend ist übrigens auch in Schottland zu beobachten. Unabhängigkeit vom Nationalstaat bedeutet also nicht zwangsweise Abkehr von Europa. Die politische Realität unseres Kontinents im 21. Jahrhundert ist komplexer.

  • 27.11.2012, 13:55 Uhrsomander

    Texas, Schottland und jetzt Katalonien.
    Merkt ihr nicht, was hier passiert?
    Weil es zu einer vorschnellen Auflösung des EU-Monsters führen würde:
    - wurden Länder, die sich in Referenden klar gegen die EU gewendet haben, gezwungen doch noch mitzumachen (F, NL, IRL)
    - wurden in Länder Milliarden verbraten, um sie in die EU zu locken.
    - werden in den Medien die brutalsten Szenen Griechenlands und Spaniens (die Polizei?einsätze) unterdrückt
    - insb. deutsche Eurokritiker und Initiativen völlig unterdrückt und verpönt (wg. der Vergangenheit)
    - wird seit der ESM Verarschiedung so getan, als wäre alles wieder normal und die Krise überwunden
    - hört man Politiker, die was für die Deutschen tun wollen (Rente, Betr.geld), ohne genau zu sagen, wen man mit Deutsche meint

    Jetzt soll ich glauben, daß man die Separationprozesse mal eben toleriert und offen diskutiert? Als ob das kein Feuer für die EUROkraten wäre.
    Nein, Freunde, hier geht es nicht um die EU und deren Bestand, zumindest nicht primär.
    Das Monster EU wurde wegen Deutschland geschaffen. Dem bösen bösen Deutschland. Was man will! ist die Separationsbestrebungen Bayerns anzuheizen, um unser Land auseinander zu reißen!!! Um uns 300 Jahre zurückzuwerfen.
    Ich bin überzeugt, kein lebender und kein toter Deutscher könnte so hassen!!!

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