Henkel trocken
Weiter so, FDP!

Die FDP hat verloren, doch ihre Meinung ist unverzichtbar, glaubt Hans-Olaf Henkel.
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Führende Ökonomen zeigen immer wieder "Wege aus der Eurokrise" auf - so auch im Handelsblatt vom Wochenende. Sie reichen von  „mehr Zähne für den Stabilitätspakt“ bis hin zu „weniger politischen Einfluss auf die EZB nehmen“.

Die Antwort auf die Frage, warum die Politik in Zukunft höhere Hürden nehmen sollte, wo sie doch schon die niedrigeren gerissen hat, bleiben sie alle schuldig. Die Diskussion über echte Alternativen zur Politik des Einheitseuros bleibt hierzulande weiterhin ein Tabu. Erst nachdem FDP-Chef Rösler eine Insolvenz für Griechenland in Betracht gezogen hat, gab es einen „Aufruf gegen Denkverbote“ einiger Ökonomen.

Aber auch sie denken nicht weit genug. Sollte den Griechen einen Teil ihrer Schulden erlassen werden („haircut“), sie aber weiterhin in der Eurozone verbleiben, würde das sie und andere nur dazu verleiten, wieder neue Schulden zu machen. Griechenlands Wirtschaft würde dadurch nicht wettbewerbsfähiger: Es hat noch nie eine Umschuldung ohne Abwertung gegeben. Eine Abwertung ist aber in einer „one-size-fits-all“-Währung nicht möglich. Die Griechen müssten für den nächsten „haircut“ bald wieder zum Friseur.

Wenn die FDP-Führung das Berliner Wahlergebnis als Ablehnung einer alternativen Euro-Politik interpretiert, begeht sie einen katastrophalen Fehler. Dann wäre es wirklich Zeit für eine neue Partei.

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor am Lehrstuhl Internationales Management der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Kommentare zu " Henkel trocken: Weiter so, FDP! "

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  • Man muss immer wieder feststellen, dass Henkels und Hankels kluge und klare Gedanken wirkliche Lösungen sind statt dem delusionären Festhalten an einer verirrten politischen Ideologie um jeden wirtschaftlichen und finanziellen Preis.

    Europa wird finanziell und wirtschaftlich wieder schnell gesunden, wenn wirtschaftspolitischer Realismus, wieder einkehrt, der Krebs der betrügerischen Wertschöpfung aus dem Nichts, die anarchisch sich auswirkende Deregulation der Bankenwelt und die Geschäfte mit vollkommen virtuellen 'Finanzprodukten' beseitigt wird und man endlich zurückfindet zu einem soliden System, in dem die Finanzwelt wieder der Wirtschaft und diese dem Volk und seinen Zukunftsinteressen dient und nicht umgekehrt! Dann sind wir von diesem Krebs geheilt!

    Wissen um diese Inhalte einer neuen Ordnungspolitik sind bereits 50% des Weges, der nächste Schritt ist dessen Umsetzung!!

  • HI Olaf (unter uns)
    mal was anderes..
    der Zeichner Ihres Antlitzes leidet wohl genauso unter Realitätsverlust wie Sie.
    Früher waren Sie ein Macher, heute sind Sie leider nur
    noch (wie zuviele) ein TV-Quotenbringer.

  • Der Euro ist, als wäre eine 100.000 Einwohner Stadt zum Erziehungsberechtigten eines Kindes ernannt worden und jeder macht mit dem armen Kind, was für ihn das beste ist. So etwas kann nicht funktionieren.

    Der Euro wurde und wird von Befürwortern Herausforderung und Chance genannt. Die Einheitswährung für ein Sammelsurium aus so grundsätzlich unterschiedlichen, souveränen Nationen ist und bleibt jedoch der gescheiterte Versuch, einen Sack Flöhe zu hüten. Nationale Interessen werden immer vor den Interessen des Kollektivs rangieren. Insbesondere in der Not ist jedem das Hemd näher als die Jacke. Die verantwortlichen Politiker in den einzelnen Mitgliedsstaaten buhlen zudem nicht um Wählerstimmen außerhalb ihrer Staatsgrenzen.

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