Henkel trocken: Widerstand gegen den Meinungsterror

Henkel trocken
Widerstand gegen den Meinungsterror

Widerstand gegen den Euro ist in Deutschland verpönt. Gerade deswegen dürfen Menschen wie Thilo Sarrazin nicht fehlen. Er spricht öffentlich aus, was in Vorstandsetagen höchstens unter vier Augen gesagt wird.

Vor kurzem wurde Thilo Sarrazin mit dem Deutschen Mittelstandspreis ausgezeichnet. Es ist üblich, dass der vorherige Preisträger die Laudatio auf den neuen hält. Diese Aufgabe wäre Sarrazins Vorgänger, Günther Verheugen, zugefallen. Der lehnte ab. Es gibt wohl kaum ein besseres Beispiel für die heuchlerische Diskussionskultur in Deutschland als dieses.

Der Verfasser dieser Zeilen kennt das aus eigener Erfahrung. Thematisiert man wie Sarrazin in seinem neuen Buch („Europa braucht den Euro nicht“) die verheerenden Auswirkungen des Euro auf die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone und auf das gedeihliche Zusammenleben in Europa, gilt man schnell als antieuropäisch, chauvinistisch oder geschichtsvergessen.

Sarrazin hat dargelegt, dass Deutschland nicht zu den Profiteuren des Euro gehört. Unter vier Augen sagen das fast alle Verantwortlichen in deutschen Vorstandsetagen. Öffentlich sagen ihre Verbandsvertreter das Gegenteil, obwohl Deutschlands Konjunktur in den ersten 10 Jahren der Einheitswährung weit hinter der in den meisten anderen Ländern herhinkte und der Anteil deutscher Exporte in die Eurozone seit Einführung des Euro ständig zurückging.

Verbandsfunktionäre behaupten zwar zu Recht, dass Deutschland immer noch 60% seiner Exporte ins europäische Ausland schickt, tun aber so, als ob dies dem Euro zu verdanken wäre. Wenn unsere Wirtschaftsführer dauernd den Euro mit dem europäischen Binnenmarkt auf eine Stufe stellen, darf man sich nicht wundern, dass unsere Politiker den Euro auch mit Europa gleichsetzen.

Genau das ist gerade wieder im Bundestag geschehen, um dem in Sachen Ökonomie meist unwissenden Volk das neueste Rettungspaket für Griechenland zu verkaufen.

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Widerständler und ihre Beschützer

Kommentare zu " Henkel trocken: Widerstand gegen den Meinungsterror"

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  • Sarrazin sieht sich inhaltlich bei den Profitextremisten um Schäffler. Hier Zitate aus seinem Interview mit dem Focus-Online:
    "Das Problem ist, dass in Fragen Europas Grüne, SPD und CDU/CSU ohne Weiteres zur europäischen Einheitspartei fusionieren könnten, das würde gar nicht weiter auffallen. Und die FDP zerfällt in einen Minderheitenflügel, für den der Name Schäffler steht, und einen Mehrheitsflügel, der auch zu dieser Einheitspartei gehört [...] Ich glaube, dass es besser ist, wenn die eurokritischen Kräfte – Sarrazin in der SPD, Gauweiler in der Union, Frank Schäffler in der FDP – dort wirken, wo sie auch verankert sind. Das ist vielleicht nicht allzu wirksam, aber wirksamer als die Gründung einer neuen Splitterpartei"
    Focus online 21.11.2012)

  • Also richtig ist, Sarrazin ist sozialdemokratisches Urgestein und seit Jahrzehnten Mitglied der SPD.Ob er heute nur aus taktischen Gründen noch Mitglied der SPD ist, scheint eher unwahrscheinlich. Was soll das für eine Taktik sei? Hinter einer Taktik steht immer eine Strategie und die ist nicht erkennbar.
    Es scheint eher eine Art Anhänglichkeit zu sein an jahrzehnte lange Gewohnheit oder eine Art Widerborstigkeit sich nicht einfach rauswerfen zu lassen.
    Übrigens ist ja auch sein Rauswurf mit Gründen gescheitert, was ebenfalls Einiges verdeutlicht nämlich dass es mit den Vorwürfen in Richtung Sarrazin nicht weit her sein kann.

  • Das ist mir bekannt. Klaus von Dohnanyi und Thilo Sarrazin sind ja auch Sozialdemokraten bzw. Mitglieder in der SPD. Sarrazin positioniert sich ja eher beim rechtslibertären Schäffler-Flügel der FDP und ist nur aus taktischen Gründen Mitglied der SPD.

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