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Henkel trocken: Wie aus dem Euro ein Franc wurde!

Warum Deutschland haushoch gegen Frankreich verloren hätte, wenn beide Staaten in einem Turnier um ihre jeweiligen Interessen in der Euro-Politik Schach gespielt hätten.

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor
Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

In Deutschland wird den Kritikern der heutigen Euro-Politik Chauvinismus und Nationalismus unterstellt. Dabei trifft das eher auf die Franzosen zu, die sich seit Beginn der Euro-Krise mal mit eleganter Diplomatie, mal mit brutalem Ellenbogen in der Euro-Politik immer gegen die Deutschen durchgesetzt haben.

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Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe dort elf Jahre gelebt, genieße seit 30 Jahren im Urlaub mein normannisches Manoir aus dem 16. Jahrhundert, aber die einseitige Aufgabe der Interessen deutscher Steuerzahler zugunsten der französischen, geht mir zunehmend gegen den Strich.

Das französische Triumvirat, bestehend aus dem Staatspräsidenten Sarkozy, dem EZB-Präsidenten Trichet und den Präsidenten des IWF, erst Strauss-Kahn, dann Lagarde, gibt immer wieder die Leitlinien der Euro-Rettung vor, die Deutschen exekutieren. Schlimmer noch, niemand scheint es zu bemerken. Nehmen wir mal an, Deutschland und Frankreich hätten in einem Turnier um ihre jeweiligen Interessen in der Euro-Politik Schach gespielt. So wäre der Spielstand heute:  

 

Merkel: „Griechenland muss die Euro-Zone verlassen!“, Sarkozy: „Il faut absolument de l’aide pour les grecs.“           

                                                                      0 : 1

Merkel: „Defizitsündern muss das Stimmrecht entzogen werden!“, Sarkozy: „Je suis contre!“ 

                                                                      0 : 2    

Merkel: „Dann wenigstens einen Automatismus ohne politische Einflussnahme!“, Sarkozy: „Pas besoin.“ 

                                                                     0 : 3

Merkel (früher auch Kohl und Schröder): „Keine europäische Wirtschaftsregierung!“, Sarkozy: „Vous plaisantez?“

                                                                      0 : 4    

Merkel: „Keine Finanztransaktionssteuer!“, Sarkozy: „Moi je le veux!“  

                                                                      0 : 5

Weber: „Keine Staatsanleihen von Griechenland und Portugal in die EZB!“, Trichet: „Si Monsieur“ 

                                                                     0 : 6    

Merkel: „Ein Deutscher an die Spitze der EZB!“, Sarkozy und Berlusconi: „Mario Draghi est le meilleur choix“

                                                                     0 : 7

Stark:   „Keine Staatsanleihen von Spanien und Italien in die EZB!“, Trichet: „Si Monsieur“                      

                                                                     0 : 8

 

Seit Kanzlerin Angela Merkel und ihr Minister Wolfgang Schäuble dem Kippen der „no-bail-out-clause“, also der Brandmauer zwischen dem deutschen Steuerzahler und den Sozialpolitikern im Süden zugestimmt haben, sind sie nicht mehr in der Lage, unsere Interessen zu vertreten. Das Neueste kommt in einer raffinierten Verpackung daher: Mme Lagarde, Präsidentin des IWF, schlägt nun eine Rekapitalisierung der Banken vor.

Ich fordere schon lange als ersten Schritt zu einer alternativen Euro-Politik eine solche Bankenkonsolidierung, allerdings zusammen mit einer realistischen Neubewertung der Aktiva und dann auf nationaler Basis. Um seine Banken vor dem Umkippen zu bewahren, hätte das für Frankreich die Verstaatlichung seiner Banken und eine ungeheure Belastung des Staatshaushaltes zur Folge. Klar, dass Mme Lagarde das lieber („solidarisch“) mit kräftiger Beteiligung deutscher Steuerzahler über den nun zu beschließenden EFSF finanzieren möchte. Honi soit qui mal y pense! Dann stünde es 0:9!

Wann merken Merkel und Schäuble eigentlich, dass wir weniger für Griechenland oder für den Euro als für die französischen Banken bürgen? Ich bin wahrlich kein Anhänger von Verschwörungstheorien, aber mir wird langsam klar, dass die im Internet kursierenden Gerüchte, Mitterand hätte im Zusammenhang mit der Aufgabe der D-Mark von einem „Versailler Vertrag mit friedlichen Mitteln“ gesprochen, stimmen könnten. Übrigens, am 3. Oktober 2010 zahlte Deutschland 200 Millionen Euro als Abschlusszahlung aus dem Versailler Vertrag. Sollte das doch nicht die letzte Rate gewesen sein?  

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Honorarprofessor an der Universität Mannheim, ehemaliger Chef der IBM Europa mit Sitz in Paris, Offizier der französischen Ehrenlegion. Bekannt wurde er vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).


Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen


  • 20.10.2011, 12:05 UhrAnonymer Benutzer: MonaSiri

    Nach so einer Partei von Leuten, die , ohne historische Entwicklungen und Fehlentwicklungen aus dem Auge zu verlieren, dennoch verantwortungsvoll für unser Land HEUTE handeln , und nicht mehrheitlich Wolkenkuckucksheim-Ideen subventionieren, ohne das sogenannte "Volk" einmal wirklich dazu zu befragen, suche ich auch schon lange. Meine Stimme wäre dabei.

  • 19.10.2011, 19:19 UhrAnonymer Benutzer: Vernunftbuerger

    Meine auch und die von zahllosen anderen, die ich kenne!

  • 19.10.2011, 17:41 UhrAnonymer Benutzer: cashca

    Herr Henkel hat vollkommen recht.
    zitat:
    Wann merken Merkel und Schäuble eigentlich, dass wir weniger für Griechenland oder für den Euro als für die französischen Banken bürgen? Ich bin wahrlich kein Anhänger von Verschwörungstheorien, aber mir wird langsam klar, dass die im Internet kursierenden Gerüchte,.......
    ----
    Ja, wann merken die was? Wahrscheinlich nie, oder sie sind treue Diener -für wen auch immer.
    Sind wir Deutsche so dumm,
    oder sind wir zu feige und zu bequem, uns entsprechend zu informieren, was da abgeht, dann gehört es uns nicht anders. Sollen sie uns doch ausziehen bis auf die Unterhose, vielleicht wachen sie dann auf.
    Mit dieser Kanzlerin und dem alten engstirnigen Mann Schäuble werden wir noch die eine oder andere Überraschung erleben. Das Volk hat sie gewählt.Die Geister die sie riefen....!

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