Henkel trocken Wie der Euro die Sparer enteignet

Die neuerliche Leitzinssenkung durch die EZB kommt bei vielen Staaten – insbesondere im Süden Europas – gut an. Das Problem: Für Deutschland und seine Sparer ist der Zinssatz deutlich zu niedrig.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Die ökonomischen Schäden, die die Einheitswährung in den Länder der Eurozone anrichtet, wurden in „Henkel trocken“ immer wieder thematisiert. Dass der Euro für den Süden überbewertet ist, zeigen die anhaltende Rezession dort und die ins scheinbar Uferlose steigenden Arbeitslosenzahlen. Dass der Euro für den Norden unterbewertet ist, zeigt sich im steigenden Handelsbilanzüberschuss Deutschlands. Eine „one-size-fits-all“-Währung funktioniert in unterschiedlichen ökonomischen Situationen etwa so wie ein Jackett in einer Einheitsgröße. Dem Dünnen schlottert es um den Körper, den Dicken schnürt es ein.

Die neuerliche Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) lenkt die mediale Aufmerksamkeit auf einen weiteren schweren Nachteil der Einheitswährung: den durch den Euro bedingten Einheitszins. Nicht, dass das eine neue Erkenntnis wäre. Inzwischen weiß man, dass sich griechische Politiker ohne die – im Gefolge des Euro eingeführten – niedrigen Einheitszinssätze nie so hoch hätten verschulden können.

Auch die Immobilienblase in Spanien hätte mit einem höheren als dem einheitlich niedrigen Zinssatz der EZB kaum entstehen können. Dass die Politiker der Südländer ihre Reformbemühungen zum Zeitpunkt des Eintritts in die Eurozone einstellten, hat auch mit den fallenden Zinssätzen zu tun. Ohne mehr Zinsen in ihren Budgets bereitstellen zu müssen, konnten sie neue Schulden aufnehmen. Der französische Staatspräsident erklärte unlängst, dass die Zinsen der EZB für Frankreich „zu hoch“ seien. Es ist also kein Wunder, dass Politiker aus dem Süden der Eurozone einschließlich Frankreichs Mario Draghis neuerliche Zinssenkung bejubeln.

„Der Euro ist nackt“
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46 Kommentare zu "Henkel trocken: Wie der Euro die Sparer enteignet"

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  • Sehr geehrter Herr Spectateur,

    daß "EU-Brüssel" kein blindes Vertrauen beim Datenschutz verdient, das mag wohl sein - ist aber nicht der springende Punkt.

    Das Entscheidende ist, daß eine europäische Regierung die einzige ist, die zugleich

    1.) die FÄHIGKEIT hätte, die aufgedeckten Mißstände zu beheben und

    2.) uns Deutschen/ Europäern RECHENSCHAFT darüber schuldet, welchen Gebrauch sie von dieser Fähigkeit macht.

    Die AMERIKANISCHE Regierung (die natürlich die Fähigkeit hätte, ihr jetziges Fehlverhalten zu unterlassen) schuldet deutschen Bürgern keine Rechenschaft, und kann von ihnen nicht mit der Abwahldrohung unter Druck gesetzt werden.

    Die DEUTSCHE Regierung wiederherum, können wir zwar zur Rechenschaft ziehen, aber dafür fehlt ihr vollkommen die Fähigkeit zu wirksamen Gegenmaßnahmen. Rein DEUTSCHE Datenschutzstandards, die schon am Serverstandort/ Firmensitz Irland oder Polen nicht mehr gelten, sind wertlos. Bei einem Geheimdienst- oder Wirtschaftskrieg mit den USA sitzt DEUTSCHLAND hoffnungslos am kürzeren Hebel. Und die Vorstellung eines DEUTSCHEN Google, Facebook oder Microsoft ist lachhaft.

    Ganz anders die Möglichkeiten eines geeinten EUROPA. Einen EUROPÄISCHEN Datenschutzstandard kann auch das Silicon Valley - aus eigenem Geschäftsinteresse - nicht ignorieren. Einen Geheimdienst- oder Handelskrieg MIT EUROPA, muß auch die amerikanische Seite fürchten. Und EUROPÄISCHE Alternativen zu den amerikanischen Netzgiganten sind gut vorstellbar - warum soll Europäern bei Facebook, Google, Microsoft unmöglich sein, was ihnen bei Boeing - mit Airbus - bereits gelang?

    Auf die Bedrohung unserer Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstachtung, welche das US-amerikanische Verhalten darstellt, ist ein politisch geeintes Europa die einzige überzeugende Antwort.

  • at Alexander_Peter

    Wenn Sie sich mal zu Gemüte führen wollen, wer in diesem Lande in Europa die Freiheit des Bürgers wirklich bedroht, dann lesen Sie untige sehr bedrohliche Dokumente aus dem Hause des Scharfmachers und BIM Friedrich. Darin wird so weit gegangen, die Beweislast gegen den Bürger umzukehren. Er muss jetzt jederzeit beweisen, dass er KEIN Terrorist ist. Nicht etwa die Strafverfolgunsgbehören müssen diesen Beweis antreten, sondern jeder Bürger, stets und ständig. Das ist ein Exposé des blanken Horrors.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/wp-content/uploads/2013/11/Innenminister-Friedrichs-Forderungskatalog.pdf

    Was wir bei Herrn Schäuble bereits in der Steuerpolitik haben, bekommen wir jetzt nach dem Willen dieses CSU-Beißers Friedrich jetzt rechtsflächendeckend. Jeder Bürger gilt zunächst einmal als terrorverdächtig, bis er sich selbst entschuldet hat.
    Ja die Freiheit des deutschen Bürgers ist bedroht. Durch die Amis und horribile dictu durch den Bundesinnen- und sog. Verfassungsminister, der die Verfassung rumdreht, nach Belieben. Und EU-Brüssel ist keinen Deut besser mit Geheimpolizeien und Beobachtung eurokritischer Blogs. Googeln Sie mal Eugendforce. Und überlegen Sie mal, warum die Schweizerische Armee realitätsnahe Übungen abhält, um Armuts- und Revolutionsflüchlinge an seinen Grenzen nach F & I aufzufangen.
    Ja die Freiheit Europas ist bedroht, weil die Macher und blindwütig ideologisierten Weiterretter des EURO mit der Kernschmelze rechnen, mit der seit 2008 zu rechnen war. Dass sich die Frage aufdrängt, ob Herr Schäuble mit ausgeprägtem Altersstarrsinn wirklich glaubt, 570 Milliarde EURO, welche die Bundesbank bereits jetzt für den ClubMed die dolce far niente garantiert, könnten noch beliebig lange aufgestockt werden? Der Irrsin sprengt Deutschland und Europa. Und Draghi, der ausschließlich noch italienische Interessen in der EZB vertritt, ist wie der Zauberlehrling der den Besen nicht mehr zum Stillstand bringt, ist völlig unfähig.

  • "Freiheit und Rechtsstaat gibt es für Deutsche nur in einem politisch geeinten Europa."

    Jep.
    Und das ist nicht erst seit Ende des 2. Weltkrieges so.
    Und das nationale Eigentständigkeit bewahrt werden kann, sieht man sehr gut an Bayern. Diese Dinge werden sich auch nicht mehr umkehren, dafür ist Deutschland viel zu sehr auf den globalen Markt angewiesen.
    Eine vernünftige Deutschlandpolitik ist daher auch eine Europapolitik im Sinne der Bürgerrechte jedes einzelnen Staates im Kreis der Europäer.
    Zu Bürgerrechten gehört auch seine nationalen Interessen, Emotionen und Traditionen zu bewahren, und auf Füße zu stellen, die Rechtssicherheit garantieren. Und zwar nicht nur, oder gerade nicht für Monsantos, Währungszocker und feudalistische Spinner aus dem letzten Jahrtausend.

  • Sehe ich nicht so, Herr Peter.
    Dem deutschen Geheimdienst wurden doch gar keine Mittel zugestanden, die Bürgerrechte zu schützen. Sehen Sie sich mal die Budgets des amerikanischen oder des britischen Geheimdienstes (oder auch nur deren Gebäude) an und vergleichen sie dies mit dem Haushalt des deutschen. Die Bürgerrechte der Deutschen zu schützen, ist -im Gegensatz zu anderen Nationen- kein schützenswertes Gut. So sieht es für mich aus. Reagiert wurde erst, als oberste Stellen betroffen waren. Wie wird erst mit den Bürgerrechten umgegangen, wenn die Nationen untergegangen sind? Ich bin da nicht ganz so optimistisch wie Sie.

  • Seit 2/3 Jahren kämpft Henkel nun für die Auflösung des Euro. Daß nach einem solchen Jahrhundertdebakel, wie ihn das Scheitern der Gemeinschaftswährung für die EU bedeuten würde, jede weitere POLITISCHE Einigung Europas unmöglich werden würde, wird dabei von Henkel nicht bestritten. Im Gegenteil, darin besteht für ihn gerade der Charme des Ganzen: Er will heraus aus der „EUdSSR“-Knechtschaft und zurück zur „Freiheit“ der Nationalstaaten. Der deutsche Bürger, so verkündet Henkel, brauche gar kein politisch geeintes Europa, seine Freiheit sei im Gegenteil beim Nationalstaat viel besser aufgehoben. Dumm nur, daß seit Wochen täglich neue Beweise dafür ans Licht kommen, wie splitterfasernackt diese Henkel`schen Nationalisten-Illusionen sind.

    Ja, die Freiheit Europas und des europäischen Bürgers ist bedroht. Und damit wir uns nicht mißverstehen, wir reden jetzt von der echten Freiheit. Also nicht von dem neoliberalen „Grundrecht“ auf ungehemmtes Geschäftemachen, sondern z.B. von der Freiheit einer Gesellschaft in der Außenpolitik ihren Werten zu folgen - oder der Freiheit des Bürgers verfassungsmäßige Rechte zu haben, die von der eigenen Regierung sogar geschützt werden.

    Die Snowden-Affäre demonstriert schlagend, daß wir als DEUTSCHE Bürger heute eine solche Freiheit nicht haben und auch nie wieder haben werden. Der deutsche Staat hat nicht die MACHT seine Bürger vor den aufgedeckten Übergriffen zu schützen, wie er sich auch ansonsten in grundsätzlichen Fragen nicht ernsthaft einem Land vom Gewicht der USA widersetzen kann. Weshalb die Regierung diese Dinge am liebsten auch gar nicht wissen will. Das „Europa der Vaterländer“, welches Henkel propagiert, ist in Wahrheit das Europa der würdelosen Kollaborations-Clowns, ein Europa, das bei Angriffskriegen, Folterlagern, ungerichtlichen Liquidierungen und der unrechtmäßigen Bespitzelung der eigenen Bürger zum furchtsamen Komplizen wird.

    Freiheit und Rechtsstaat gibt es für Deutsche nur in einem politisch geeinten Europa.

  • Zitat : „Der Euro ist nackt“

    - der € ist auch keine Währung, sondern ein politisch kastriertes Tauschmittel !

  • Herr Henkel hat Recht.
    Der EURO ist eine einzige Katastrophe für Europa.
    Mit nationalen Währungen würde es den Südländern und Frankreich besser gehen. Die deutsche Leistungsbilanz wäre anhähernd ausgeglichen, die deutsche Exportquote niedriger.
    Aber was tun die Franzosen bzw. erleiden die Franzosen nicht alles, damit auch mal ein Franzose Präsident der zweitwichtigsten Währung der Welt sein kann und die Bundesbank entmachtet ist. Denn allein darum ging es Franzosen bzw. ihren Führern doch.

  • Henkel-11-11-13- Wenn Herr Schäuble weitere Strophen an seinen Eurogesang hängt, wird sein Lied auch nicht besser.-Legt man die Entwicklung Europas in den letzten Jahren zugrunde,kann man den Lobgesang von Herrn Coeuré (EZB)nicht ernst nehmen. In der Europa - Politik steckt zu viel Euphemismus. Besser wäre es, wieder zur realistischen Beurteilung zurück zu kehren, um das Vertrauen der Bürger wieder zu gewinnen; dann hätte Europa eine echte Chance. -Heinrich Seibert,Ing.

  • "Vorstände von Versicherungen bejammern, dass es ihnen immer schwerer fällt, Zinserträge zu erwirtschaften, mit denen sie auskömmliche Pensionen zahlen können. Vertreter der Banken beklagen, dass ihre Kunden trotz niedriger Inflationsrate „kalt enteignet“ werden".

    Es macht Freude, diesen Henkel-Kommentar über die Unaufrichtigkeit der als Griechenlandretter verkleideten Banken- (Ackermann!) und Versicherungslobby (Achleitner und 'Chefvolkswirt Heise)zu lesen. Nachdem sie durch die "Griechnland-Rettung" 2010 ihre Schäfchen ins Trockene gebracht - sprich erfolgreich auf den deutschen Steuerzahler abgewälzt haben - wollen sie jetzt die Nachteile für sich abermals von der Politik ausgeglichen haben. Dabei verstecken sie sich erneut hinter dem Allgemeinwohl und ziehen sie die Kleider der deutschen Sparer an und mobilisieren Medien und Politik mit dem Schlagwort der Enteignung des Sparers.
    Im Zusammenhang mit Zinsentscheidungen der Notenbanken von Enteignung zu sprechen ist nicht nur populistischer Unfug sondern der gezielte Versuch, den Anleihegläubigern
    (und das sind sicher nicht mehr als 5% aller Sparer) erneut Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit zu verschaffen.
    Insofern befördert Herr Henkel mit der Überschrift leider auch das unsoziale Geschäft von Banken und Versicherungen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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