Henkel trocken

Wie die Freien Wähler die Euro-Politik aufmischen

Der Unmut der Deutschen über die Euro-Rettungspolitik wächst stetig. Bisher interessieren sich dafür zwar nur die Freien Wähler. Doch was sich jetzt schon wieder zeigt: Konkurrenz belebt das Geschäft.
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Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Hans-Olaf Henkel – Henkel Trocken. Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor

Seit sich die Freien Wähler gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) positionierten und sich entschlossen haben, 2013 bundesweit anzutreten, gibt es auch in Deutschland eine in einem Landesparlament (Bayern) vertretene demokratische Partei, die gegen den Euro-Rettungswahnsinn zu Felde zieht.

Alle Umfragen zeigen, dass sich eine wachsende Mehrheit der Bürger durch die Rettungspolitik bedroht fühlt. Da die im Bundestag vertretenen Parteien diese Sorgen ignorieren, müssten die Freien Wähler mit ihrem Alleinstellungsmerkmal in der Euro-Politik gute Chancen haben, die deutsche Parteienlandschaft aufzumischen. Ob sie es besser als die Piraten können, hängt davon ab, ob es ihnen gelingt, ein schlüssiges Parteiprogramm zu entwerfen und glaubwürdige Spitzenleute zu rekrutieren.

In Bayern zeigt sich schon jetzt, dass die Freien Wähler die Euro-Politik beeinflussen.

Nur eine Woche nachdem die CSU-Fraktion im Bundestag fast geschlossen für den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) stimmte, kündigte die bayerische Landesregierung eine Klage gegen bundesdeutschen Länderfinanzausgleich an. Komisch, keinem unserer in ihrer unverbrüchlichen Treue zum Euro ergebenen Journalisten ist aufgefallen, dass diese Ankündigung vom Votum der CSU für den ESM ablenken sollte. Der bayerische Anteil an den ESM-Risiken macht ein Vielfaches von dem aus, was dieses Bundesland nach Meinung seiner Politiker zu viel in den deutschen Länderfinanzausgleich einzahlt. Anstatt sich, wie ihr Bundestagsabgeordneter Gauweiler vor dem Bundesverfassungsgericht, mit dem „Drachen ESM“ anzulegen, jagen Seehofer, Söder, Dobrindt & Co. den Hasen „Länderfinanzausgleich“.

Konkurrenz belebt das Geschäft
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31 Kommentare zu "Henkel trocken: Wie die Freien Wähler die Euro-Politik aufmischen"

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  • Wenn schon im Parteiprogramm der "freien Wähler" unter Punkt "Europa" zu lesen ist:
    "Wir FREIEN WÄHLER sind proeuropäisch und Befürworter des europäischen Einigungsprozesses. Nur dieser garantiert uns Sicherheit und Frieden, Freiheit und Mobilität, wirtschaftlichen Wohlstand und Raum zur Selbstverwirklichung"

    weiß man doch als Deutscher, was dies bedeutet: wir akzeptieren die bestehenden Machtverhältnisse, und möchten lediglich ein paar Schräubchen hier und da nachziehen, aber notwendige Änderungen zum Selbsterhalt (wie EU-Austritt) kämen überhaupt nicht in Frage.
    Damit ist dieses Partei genauso ein Spielball der Eliten wie jede andere (andernfalls wären sie auch schon längst verboten bzw. für "radikal" erklärt). Nochdazu bedienen die Freien Wähler sich genauso der globalistischen Verdrehungstaktik, alles Leid auf die Selbstständigkeit der Völker zurückzuführen und nicht auf die Wahnsinnigen "weltbürgerlichen" Bankiers.

    Ebenso vermisse ich die Forderung, die Zentralbanken zu verstaatlichen (d.h. eine deutsche Zentralbank für Deutschland unter Herrschaft des Volkes), andernfalls kann eine Volksherrschaft gar nicht bestehen.

    Ich kann dieses verdammte Gerede von Europa nicht mehr hören!
    Europa ist nur ein Kontinent, mehr nicht!

    Es gibt weder eine europäische Sprache, ein europäisches Volk, noch eine europäische Kultur! Ein Vereintes Europa kann nie mehrsprachig funktionieren, man muss sich auf eine Sprache (englisch) einigen, um sich zu verständigen und verwalten; dies Bedeutet die Aufgabe der Eigenen, damit die Selbstzerstörung.


    Und ich sehe mich als Deutscher!

  • Sehr geehrter Herr
    danke vorweg für Ihre Stellungnahme auf meinen Beitrag. Immer schwierig, mit einem Kontrahenten eine ergiebige Diskussion zu beginnen, ohne dass das dann in gegenseitigen Ohrfeigen endet.- In einem Punkt scheinen wir uns einig zu sein: Es geht uns beiden darum, die friedliche Zusammenarbeit der europäischen Staaten zu erhalten, wenn möglich zu fördern, nur über die rechten Wege dorthin sind wir absolut unterschiedlicher Meinung.
    Ich kann Ihnen weiterhin den Vorwurf nicht ersparen, dass Sie schlichtweg keine Ahnung von dem politischen und ökonomischen Gedankengebäudes Olaf Henkels haben. Für Sie ist er das Schreckgespenst eines gewissenlosen Neoliberalen. Wenn Sie sich der Mühe unterziehen würden, seine zahlreichen Schriften zu lesen, so werden Sie bei ihm einer der scharfsichtigsten Kritiker des vulgären Neoliberalismus finden, der aus seiner langen Praxis in einem sehr großen Unternehmen dieser Welt seine Erfahrungen gesammelt hat, und daraus seine Schlüsse zieht. Er ist in erster Linie ein Mann praktischer Erfahrungen und zieht daraus seine Lehren, neben theoretischer Erkenntnisse der Ökonomie nun im hohen Alter. Dass er darüber hinaus in der Lage ist, seine Gedanken und Vorstellungen sprachlich überzeugend zum Ausdruck zu bringen, macht das Lesen seiner Schriften zu einem Vergnügen, nicht zuletzt hier, unter „Henkel trocken“.
    Aus dem letzten Absatz Ihres Beitrages entnehme ich, dass Sie die Hoffnung hegen, alles soll so bleiben wie es ist. Absolut vergeblich: PANTA RHEI.

  • „Fehlt nur noch, dass das Bundesverfassungsgericht einen Tsunami auslöst.“

    Ja Herr Henkel, hoffentlich ist der Tsunami hoch genug um die Abgeordneten in Brüssel mit samt ihren angebetetem Euro wegzuspülen. Somit wäre auch das undemokratische Schuldensystem endlich erledigt und die Wirtschaft kann in die Zukunft vernünftig und entspannt planen. Der Euro ist für die europäische Bevölkerung ein elendiger Alptraum geworden.

    Die Eurofanatiker wünschen sich die „Vereinigten Staaten von Europa“ mit dem Euro als Weltwährung. Nur wurde die Bevölkerung nicht gefragt. Der Adolf wollte auch die Weltherrschaft erobern. Wieso werden die Kulturen, die Demokratien und die Wirtschaft in den EU-Staaten nicht in Ruhe gelassen?

    Das Volk in Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Frankreich kann sich keine weiteren Sparmaßnahmen gefallen lassen. Die Bevölkerung wurde von den Politikern „ausgezogen“, das Volk hat nichts mehr zu verlieren. Bald droht der Kampf auf den Straßen. Wenn die Menschen nichts mehr zu Essen haben ist das Leben sinnlos geworden. So wird der Terrorismus geboren. Danach folgt die heuchlerische Frage, wieso?

  • Wenn die Piraten ohne Konzept 10% bekommen,können das die Freien Wähler auch.Zweistellig meine ich, wenn sie in ganz Deutschland antreten würden.
    Was sich die EU und deutsche Politiker mit dem Euro erlaubt haben zeugt klar von Unfähigkeit. Seit Anfang der Krise wird es immer schlimmer und da gibt es Personen, auch in diesem Forum, die sich noch immer Gutes von der Politik und der EU und der deutschen Politik versprechen .Ja sind Sie denn blind und taub, oder waren Sie länger weit weg?

  • @Alexander_Peters
    Ihr Zitat:
    ...mal eben mit dem engstem Verbündeten der letzten Jahrzehnte brechen, Frankreich tödlich demütigen, und Europa entlang des Rheins spalten...
    Ich selbst war ein sehr großer Freund der Franzosen, war ihnen wesentlich näher, als den Amerikanern. Letzteren war ich zutiefst dankbar für ihren Umgang mit Deuschland nach dem WW II, meine Mutter war auf 2 PRO-USA-Demonstrationen (ich war damals noch Kind/Jugendlicher) in Berlin, und ich bin pro-amerikanisch erzogen worden.
    Die Politik der USA haben langsam aber sicher dafür gesorgt, dass ich zunehmend USA-kritischer wurde und Freunde in anderen Nationen suchte.
    Wie gesagt, diese vermutete ich, aufgrund der Gemeinsamkeiten, bei den Franzosen (ich lernte in der Hoffnung auf diese Freundschaft sogar französisch).
    Mit Zuspitzung der Eurokrise stellte sich aber immer mehr heraus, dass die SELBSTERNANNTE "GRANDE NATION" ihr wahres Gesicht zeigte, gipfelnd in der Wahl ihres neuen Präsidenten Hollande.
    Fazit: In den Franzosen sehe ich heute keine Freunde mehr, sondern Parasiten, die sich das Harmoniebedürfnis der deutschen Nachkriegsgenerationen zu Nutze machten, um diese zu übervorteilen.
    Gruß aus Berlin
    Fake_bug

  • Die CSU war einst eine Partei mit klaren Konturen.Leider
    kann man heute nur schwer eine klare Linie feststellen.Mit widersprüchlichen Aussagen kann man die Bürger nicht überzeugen.ESM betreffend jagt die CSU in der Tat den Hasen und blendet die Gefahr des feuerspeienden Drachen aus. Die freien Wähler sind eine Partei der Mitte und werden auch von CDU und CSU Wählern Stimmen auf sich vereinen können. - Das wäre ein Gewinn für unser Land und unsere Demokratie. Heinrich Seibert, Ing.

  • Die Zeiten sind nun mal vorbei wo eine Partei nur eine Meinung hatte. Heute, aus welchen Gründen auch immer, bellt jeder wie ihm der Schnabel gewachsen ist, nach dem Motto, findet der Wähler einen Satz der ihm gefällt dann ignoriert er die Worte der anderen Mitsnacker - und so kriegen wir ein maximiertes Wählerpotential !

  • @Aleksander Peters, 2.

    Dass Problem dieser um "Bevölkerbeziehungen Besorgten" ist, dass diese Vertreter sich bis dato in überhäufigem Maße in den Reihen der Deutschen finden. Wir sind die Deppen, um bloss des lieben Friedens Willen uns seit Jahrzehnten als Schnulli am Verhandlungstisch übervorteilen lassen - während die 'Partner' ihren unverfohrenen Egoismus zelebrieren!

    Warum müssen den immer nur WIR DEN DEPPEN-MICHEL geben, immer WIR nachgeben und die Beziehungen zu den anderen kitten? Warum dürfen nicht endlich mal DIE ANDEREN sich um die Beziehungen ZU UNS sorgen und uns von solch anmaßend-übergriffiger Interessenkollision frei halten?

    Es ist einfach nur entwürdigend und beleidigend, wie wir Deutschen für die dekadente Haushaltsführung der anderen wie selbstverständlich beansprucht werden.

  • Sehr geehrter Herr Fleetenkieker,

    1. "Zu Unrecht in die neoliberale Ecke gestellt" - Der Dauereinsatz Herrn Henkels für neoliberale Rezepte war in allen Talkshows der Schröder-Ära zu bewundern. Für wie vergeßlich halten Sie denn das deutsche Fernsehpublikum?

    2. "Geld", "Feindschaft zwischen Staaten", "Trauer". - Es ist wahr, daß die Nerven der Völker blank liegen, daß die Situation gefährlich ist, und daß man darüber Trauer empfinden muß. Nur findet die "Trauer" in Herrn Henkels Fall eine seltsame Ausdrucksform: Diese Kolumnen haben erkennbar die Wirkung, Haß auf Nachbarvölker zu schüren - und nicht zu dämpfen - wie man es bei einem um die Völkerbeziehungen Besorgten doch eigentlich erwarten sollte. Um das zu erkennen, muß sich nur den den ganzen nationalistischen, Südeuropäer-feindlichen Schmutz ansehen, den diese Kolumnen bei Henkels Forum-Fans zum Vorschein bringen.

    3. "Großmachtträume", "über Nacht". - Ich hege keine Großmachtträume und ich will nichts "über Nacht" erreichen. Im Moment will ich überhaupt nichts Neues: Im Moment will ich vor allem, daß das seit Adenauer Erreichte bewahrt wird. Will, daß man nicht in einer hysterischen, nationalistischen Wallung durch eine unbedachte Handlung - wie es die einseitige Auflösung der Währungsunion durch Deutschland wäre - das Werk von Jahrzehnten zerstört. Die Lage ist kritisch - und in kritischer Lage sollte man die Nerven behalten und nicht Zornesgefühlen - auf wen auch immer - ungezügelten, freien Lauf lassen.

  • Sie kennen ja den Olaf Henkel herzlich wenig, wenn Sie ihn in die Ecke der neoliberalen, nationalistischen, europafeindlichen Protagonisten stellen. Richtig ist, dass Henkel sich während seiner Tätigkeit als BDI-Vorsitzender für die Einführung des Euros stark gemacht hat, und das nun als den größten Fehler seiner beruflichen Karriere bezeichnet. Er begründet das mit einer absolut überzeugenden Analyse der Problematik von Währungsgemeinschaften, schwerwiegenden Fehlern der Politik, die mit ihren Auswirkungen damals nicht bedacht wurden: Als Folge sehen wir nun das Ergebnis: Anstatt der beabsichtigten weiteren Annäherung der Staaten Europas mit der Gemeinschaftswährung zu dienen, stehen wir nun vor der Tatsache, dass mit dem Streit über Geld wieder offene Feindschaft zwischen den Staaten ausbricht. „Wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf“, diese gemeine Binsenwahrheit erleben wir nun täglich.
    Das große Engagement Henkels in diesen Streitfragen zur Währungsgemeinschaft resultiert einzig und allein aus seinem bohrenden Ärger und der Trauer über diese Entwicklung der nun wieder in Frage gestellten friedlichen Annäherung der europäischen Staaten, die ja nach den großen Katastrophen des letzten Jahrhunderts bis vor kurzem eine großartige Erfolgsgeschichte war. Wer durfte denn auf diesem Kontinent schon einmal mehr als 60 friedliche Jahre erleben?
    Großmachtträume von einem wirtschaftlich und politisch vereinten Europa sind gefährliche Illusionen, der man sich nur in kleinsten Schritten annähern kann, wer davon träumt, das über Nacht zu erreichen, sollte nach Helmut Schmidts Rat, einen Arzt aufsuchen.
    Als mehr oder weniger Beteiligter an dieser Geschichte, sähe ich als vernünftigsten Ausweg eine regulierte Rückkehr zu den Nationalwährungen an, den einmal begangenen Fehler einzugestehen, das Lehrgeld zu bezahlen und nicht darauf zu warten, dass die allmächtigen Märkte dann eine schlimmere Entscheidung erzwingen.

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