Beim nächsten Mal muss das Volk entscheiden!

« 2 / 2

Wir bekommen einen Anwalte für die Freiheit

Und hier? Erinnern wir uns: Der vorletzte Bundespräsident, Horst Köhler, wurde von Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle in der Wohnung des Letztgenannten ausgekungelt. Für die Bestimmung seines Nachfolgers war nicht mal mehr ein Treffen in einer Wohnung, einem Büro und einem Konferenzraum nötig. Angela Merkel erledigte das am Telefon. Resultat bekannt. Diesmal waren zwar ein paar Gespräche und SMS mehr nötig, da Frau Merkel auch Sigmar Gabriel und Jürgen Trittin einbeziehen musste.

Bundespräsident

Auch wenn mit Joachim Gauck, „Ende gut, alles gut“ ist, wird die Bestimmung des Staatsoberhaupts immer mehr zur Farce und einem Spektakel von wenigen Politikern, dem die Bürgerinnen und Bürger nur zuschauen dürfen. Spätestens in drei Wochen werden wir wieder Zeugen einer pathetischen Groteske. 600 Abgeordnete des Bundestages und die gleiche Anzahl von Parteien ausgesuchter „Vertreter des Volkes“ machen sich aus allen Richtungen der Republik auf die Reise, um im  Reichstag den nächsten Bundespräsidenten ohne Aussprache (!) „zu wählen“. Merkel und Gauck nannten das in der DDR „Zettel falten“.

Das Grundgesetz, 1948 innerhalb von zwei Wochen auf Herrenchiemsee unter alliierter Oberaufsicht zustande gekommen, sah die Direktwahl des Bundespräsidenten auch deshalb vor, weil man dem deutschen Volk misstraute. Das mag angesichts der Ereignisse von 1933 bis 1945 eine verständliche Vorsichtsmaßnahme gewesen sein, trotzdem ist die verbreitete Ansicht falsch, Hitler sei durch das Volk an die Macht gekommen. Das Ergebnis des verhängnisvollen 30. Januar 1933 war das Resultat der Kungelei von Parteien. Inzwischen sind über 70 Jahre ins Land gegangen.

Ausländische Politiker zweifeln schon lange nicht mehr an der demokratischen Reife der Deutschen. Inländische Politiker wollen uns mit bedeutungsschweren Hinweisen auf die vermeintliche Kollektivschuld das Recht auf die Wahl ihres Staatsoberhauptes weiter vorenthalten.  Nun führen die Parteien uns schon zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren das Stück  „Deutschland wählt den Bundespräsidenten“ vor.

Mit Joachim Gauck bekommen wir einen eloquenten Anwalt für die Freiheit. In einem unübersehbaren Meer von Propagandisten für die Gleichheit - bei uns: „soziale Gerechtigkeit“ - kann er ein Leuchtturm für die Freiheit werden. Wer wäre besser geeignet als er, sich für die Direktwahl seines Nachfolgers einzusetzen?

Hans-Olaf Henkel, geboren 1940 in Hamburg, ist Autor und Honorarprofessor an der Universität Mannheim. Bekannt wurde der langjährige IBM-Manager vor allem als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).


Kurz und schmerzhaft: alle Kolumnen


  • 21.02.2012, 21:01 Uhrpreuswilfried

    @PdV:
    Vernünftige Leute postulieren keine Unvernunft! Unvernünftig ist „Direkte Demokratie“ JETZT, weil sie ganz einfach unpraktikabel ist.

    Zu Zeiten der Germanen, so lernte ich mal, lebten diese in Großfamilien bzw. Sippen; sie waren auf diese Weise in zahlenmäßig überschaubaren Gruppen organisiert. Da konnte jeder Mann und jedes Weib in der Versammlung hören und reden, alle konnten ihre Meinungen den anderen mitteilen und alle konnten dann einen Entschluß fassen. Wie wollen Sie heute, lieber PdV, rund 60 Millionen Mitglieder der deutschen Volksgemeinschaft zu einem Beschluß hinführen?

    Mein Gedanke ist, daß durch die Mitwirkung der Mitglieder des Bundestages nur Persönlichkeiten in das „Schaulaufen für den Bundespräsidenten“ zugelassen werden, die jeder für sich den Ansprüchen für dieses Amt genügten, Weltverbesserer, Gurus, Spinner etc. sich erst gar nicht produzieren könnten. Aus der auf diese Weise zustande gekommenen Auswahl sollte dann das Wahlvolk den Ersten Bürger – der Kandidat mit den meisten Stimmen - und seinen Stellvertreter – der Kandidat mit den zweitmeisten Stimmen - aussuchen dürfen/können.

    Die Vorauswahl der Kandidaten befriedigt das Selbstverständnis der Parteien und die Auswahl aus den für präsidial befundenen Bewerbern beläßt dem Demos die letzte Entscheidung. Sie könnte ohne weiteres praktikabel organisiert werden.

  • 21.02.2012, 14:20 UhrAnonymer Benutzer: ParteiderVernunft

    Was wir brauchen ist Direkte Demokratie, und zwar JETZT!

  • 21.02.2012, 13:02 Uhrpreuswilfried

    Es ist nicht gut, daß die Handwerker der Macht (in den Parteizentralen) den Bundespräsidenten auskungeln, und daß nur einige hundert Auserwählte (in der Bundesversammlung) das Stimmrecht haben. Es ist Zeit, daß das Volk, d. h. alle wahlberechtigten Bürger an der Wahl beteiligt werden.

    Das kann geschehen, z.B.

    indem das Plenum im Reichstag eine bestimmte Anzahl* Persönlichkeiten als mögliche Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten benennt. Diese Liste der vom Deutschen Bundestag vorgewählten Kandidaten wird dem Wahlbürger vorgelegt. In einem bundesweiten Wahlakt kürt die Mehrheit der an der Wahl teilnehmenden Bürger den neuen Ersten Bürger unserer Republik. *z.B. eine Handvoll oder ein halbes Dutzend

    Die Vorwahl durch das Plenum gewährleistet, daß nur Persönlichkeiten an der Auswahl durch den Wahlbürger teilnehmen, die grundsätzlich für das Amt geeignet sind, die Entscheidung im Wahlgang aller Wahlbürger stellt sicher, daß keine parteitaktischen Kriterien den Ausschlag geben.

  • Kommentare
Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

Kommentar: Was traurige Bilder nicht erzählen

Was traurige Bilder nicht erzählen

Die ARD nimmt in einer Dokumentationsreihe die Arbeitsbedingungen bei prominenten Konzernen aufs Korn. Damit steigt die Chance auf Besserung der Firmen. Gemachte Fortschritte bleiben oft verdeckt.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

Otmar Issing: Keine Experimente mit der Inflation

Keine Experimente mit der Inflation

Um zu überleben muss die Währungsunion zum Gleichgewicht zurückfinden. Von Deutschland zu fordern, die eigene Wettbewerbsstärke zu verwässern, ist aberwitzig. Aber es gibt andere Lösungen.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.