Kleinleins Klartext
Angstgeschäfte und Angstpolitik

Heute stellen sich die Versicherer der Öffentlichkeit. Die Angst um die Renten der Bürger und die Solvenz der Unternehmen geht um. Das könnte die Politik dazu verleiten, die Branche unnötig weiter zu mästen.
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Eigentlich klingt „Versicherung“ gar nicht beunruhigend. Auch „Altersvorsorge“ kommt recht harmlos daher. Geht es aber um den Verkauf der Versicherungsprodukte, dann erhalten diese Begriffe einen nachhaltigen Angstfaktor. Spricht ein Vermittler das Wort „Unfallversicherung“ aus, so liegt die Betonung stark akzentuiert auf dem „Unfall“. Höre ich das, so werden meine Ängste vor einem solchen Ungemach akut. Ich denke nicht mehr an die Wohligkeit der „Sicherheit“, sondern an all das Schlimme, was mit einem Unfall daherkommt.

Die Werbung der Versicherungswirtschaft arbeitet oft mit diesen Negativassoziationen. Erst werden Ängste provoziert, um dann mit dem Versicherungsprodukt die vermeintliche Lösung zu präsentieren. Das geht soweit, dass auch die „Rentenlücke“ als unfallträchtiges Loch dargestellt wird, in das man fallen und sich dabei verletzen kann. Durch derartige Werbung führt sogar der Begriff „Altersvorsorge“ zu akuten Angstschweißausbrüchen.
Das so provozierte Geschäft mit der Angst ist von jeher eine tragende Säule des Versicherungsgeschäfts – Angstgeschäfte statt passgenauer Absicherung.

Auch Politiker sind nicht immun. Es ist zu befürchten, dass die Parlamentarier die gleichen Reflexe aufweisen. Nur dass unsere Abgeordneten keine Verträge unterzeichnen sollen. Vielmehr wünscht sich die Versicherungswirtschaft, dass sie bestimmte Gesetze beschließen sollen.

Das wird den Politikern nun durch ein echtes Angstszenario schmackhafter gemacht, das quer durch alle Medien ventiliert wird: Die Angst, dass ein Fünftel aller Versicherer bald pleite wäre, die Angst, dass viele Altersvorsorgeverträge bald keine Garantieverzinsung mehr bekommen, die Angst, dass die Steuergelder für Riester-, Rürup-Renten und die betriebliche Altersvorsorge umsonst ausgegeben worden wären ...

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Angstgeschäfte und Angstpolitik

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Angst macht Gesetz

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Angstgeschäfte und Angstpolitik"

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  • @ Rudi_Dutschke
    Ja genau, die Gier führt dazu, dass man so manchen guten Bekannten und mitunter sich selbst nicht wiedererkennt. Man muss sich schon fragen, was die Banken und Versicherer mit dem Geld so alles anstellen, wenn deren Vertreter bereit sind, sich für die Spareinlagen anderer krumm zumachen. Ebenso muss man sich aber auch fragen, warum wir unser Geld den Banken und Versicherern überhaupt geben. Ist es unsere eigene Gier auf einen beeindruckenden Kontoauszug oder sind wir tatsächlich zu blöd, mit unserem Geld selbst etwas Sinnvolles und Nützliches anzustellen? Wenn ja, dann ist es gut, wenn man uns das Geld nach allen Regeln der Kunst schnellstmöglich wegnimmt. Und offensichtlich sind wir dafür sogar dankbar, lassen wir doch die Vertreter immer wieder zur Tür herein und bringen wir unser Geld auch noch selbst zur Bank.

  • @ Suen
    Erstaunlich, dass in diesen Blog nach fast zwei Wochen noch Kommentare auflaufen. Zum Thema Altersvorsorge komme ich immer wieder zu der Erkenntnis, dass die beste Investition die ist, die man jeden Tag sieht. Man kann das Geld meines Erachtens nicht besser anlegen, als dass man damit seine eigenen Abhängigkeiten abbaut, ob nun eine Solaranlage den eigenen Energiebedarf reduziert oder ein Regenwassersammler den Wasserbedarf. Man kann den Kreis auch etwas weiter ziehen und zum Beispiel Wald für das benachbarte Sägewerk aufforsten oder Acker kaufen, an dessen Bewirtschaftung man im Idealfall im genossenschaftlichen Rahmen beteiligt ist. Damit ist man der Aktie auch schon wieder sehr nahe gekommen und es mag sein, dass in schlechten Zeiten Ihnen diese niemand auch nur für einen Cent abkaufen würde. Dazu sind Aktien aber eigentlich auch nicht gedacht, sondern viel mehr als Beglaubigung der Beteiligung an einer Gesellschaft. Um den Wert dieser Beteiligung einschätzen zu können braucht man die Börse auch nicht unbedingt. Schließlich haben die Produkte der Gesellschaft ihren inneren Wert. Auch wenn man sie zeitweise nicht gewinnbringend verkaufen kann, nützlich sind sie allemal, wenn es die richtigen sind. Somit kann man sie dann immer noch selbst nutzen.

  • Ja das ist alles richtig !. Egal was man macht am Ende wird man dann doch vom Staat zur kasse gebeten, es sei denn man springt von Steueroase zur nächsten, immer auf der Flucht oder Gier nach "Steuerfreiheit". Siehe Riester, die Einkommensteuer Geier warten schon auf den Tag wo die ersten fällig werden und man eine Einkommensteuer verlangen kann von 25% , danach noch schnell 25 % MwSt. und dann bleibt nur noch 50% übrig. Beim Barvermögen kann man wenigstens 100% bar in die Hand auszahlen wenn man eine polnischen Pfelgerin beschäftigt. "Die Lösung" habe ich noch nicht gefunden. "Gold", "Aktien" oder "Immobilien" sind sicherlich möglichkeiten Vermögen zu sicherun oder weiterzu bilden aber die Rechnung wird zum schluss gemacht und mal schauen was da übrigbleibt, wenn der Staat das Bankkonto durch Währungsreform vernichtet hat, die Immobilien Sozialisiert hat und die Aktien an Wert verlohren haben weil die Firmen durch die Politik gelitten haben.

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