Kleinleins Klartext
Der Teufelskreis der Altersvorsorge

Inflation beutelt die deutschen Sparer. Politik und Finanzdienstleister lassen die Anleger bei ihrer Altersvorsorge im Stich. In einem scheinbar endlosen Kreislauf bedienen sie sich an dem Vermögen der Bürger.
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Wer Altersvorsorge betreiben möchte, hat es derzeit schwer. Die Angebote der Versicherer, der Banken und der Fondsgesellschaften versprechen nicht viel und garantieren noch weniger. Wenn ich zum Beispiel heute 100 Euro – etwas mehr als der Gegenwert einer vollen Tankfüllung - in eine gängige Altersvorsorge stecke, dann wird mir oft nur garantiert, dass ich in 30 Jahren gerade diese 100 Euro zurückerhalte. Wenn „die Märkte gut laufen“, oder die „Überschussbeteiligung wieder steigt“, können aus den 100 Euro nach Aussagen der Finanzdienstleiter womöglich sogar 150 Euro oder 180 Euro werden. Das klingt erst einmal gar nicht so schlecht, ist aber dennoch katastrophal.

Das Problem ist die Inflation. Sie führt dazu, dass ich die Tankfüllung in 30 Jahren nur noch für etwa 200 Euro bekomme, also zum doppelten Preis. Dies führt in Folge dazu, dass ich – auch wenn es gut läuft – mit dem Sparergebnis in 30 Jahren den Tank nicht mehr voll bekomme. Ich verzichte also heute auf eine volle Tankfüllung, obwohl ich später mit dem „Ersparten“ den Tank nicht mal mehr vollständig füllen kann.

Durch die Inflation - derzeit gerade mal um die 2,5 Prozent – und eine miese Umlaufrendite wird also erfolgreiches Sparen verhindert. Das Geld, das ich heute habe, wird durch Sparen weniger wert. Schuld daran ist die Inflation, die höher ist, als das was ich als vernünftige Sparrendite derzeit erzielen kann.

Liest man die Nachrichten und Kommentare, dann erscheint es oft so, dass die im Vergleich zu den Sparzinsen hohe Inflation eine „Naturgewalt“ wäre, ein Nebeneffekt der Wirtschaftskrise, ein Ereignis, das wie ein Tsunami oder ein Erdbeben über uns kommt. Man müsse nun die Zähne zusammenbeißen, den Gürtel enger schnallen und brav sparen und damit die Krise überwinden. Was die Kommentatoren dieser Gebetsmühlen-Parole aber verschweigen: Man muss dann auch gleichzeitig noch das Hirn ausschalten.

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Politik und Finanzindustrie vereint gegen die Bürger

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Der Teufelskreis der Altersvorsorge"

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  • Das ist in dernTat die Frage und ich verstehe dann nicht de gemachte Zensur.

    In der Kommentierung mag da auch einmal ein falsches Wort fallen, das man sonst weder sagen noch schreiben würde. Das passiert, wenn man engagiert denkt.

    Aber was ist jetzt schlimmer, das Geld wie beschrieben einzustreichen oder mal so zu schreiben wie es das Herz verlangt. Die Pressefreiheit ist ein Gut, dass nicht davon lebt die Schwachstellen unter den Teppich zu kehren sondern sie zu pointieren.

  • 2. Teil: Jeder muss sich halt informieren über die Rahmenbedingungen und dann für sich entscheiden was er will und was nicht, aber dann auch im Alter den Preis dafür zahlen. Genau hier scheiden sich aber die Geister.

    Verbraucherschützer und Funktionäre irgendwelche Bünde, die alle samt von der Unsicherheit der Bürger leben und diese auch permanent schüren sollte man kein Gehör schenken, wohl aber sein Gehirn benutzen und regelmäßig Entscheidungen prüfen lassen und das Ergebnis mit eigenem Verstand bewerten.

    Für die Deutschen gilt das Sprichwort: "Er steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden" (wie eine Deutsche Eiche) als bodenständig und sicher; die Chinesen sagen dagegen: "Wer mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, kommt nicht vorwärts!" Wer handelt und dabei Fehler macht, diese jedoch regelmäßig feststellt und korregiert, der wird kommt dem Ziel was er sich dadurch auch regelmäßig bewußt macht auf jeden Fall näher als diejenigen, die keine Entscheidungen treffen oder nur einmal halbherzig sich dazu überreden lassen. In diesem Sinne wünsche ich Allen Erfolg :)

  • Eine Altersvorsorge die den Sparen nichts kostet sind leider ebenso Fiktion, wie der Gedanke, Entscheidungen in Gelddingen einmal zu tätigen und dann nicht mehr zu überdenken oder zu revidieren.

    Das Hauptproblem sehe ich hier nicht in der sich zu langsam durchzusetztenen Tatsache, für Alter überwiegend selbst vorsorgen zu müssen, sondern in der fehlen Kenntnis und nachhaltigen Kontrolle bzw. Überarbeitung seiner Entscheidungen. Leider ist das vorherschende Provisionssstem bei Banken und Versicherungen und auch Bausparkassen nicht geeignet, regelmäßig Entscheidungen kostengünstig anzupassen. So muss der Normalverdiener auf den gutbezahlten Rat von Finanzberatern auf Honorarbasis verzichten bzw. kann die Leistung nicht bezahlen oder versteht letztendlich nicht deren tatsächlichen Wert, der Bürger mit Geldvermögen bzw. hohem Einkommen dagegen kann sich guten Rat auch gutes Geld kosten lassen und er läßt in seinem Sinne entscheiden, denn handeln nach eigenen Emotionen kosten in der Anlageentscheidung oft das meiste Geld. Dennoch besteht für ca. 50 % der Menschen im Alter eine nicht mehr abzuwendende Altersarmut, im Prinzip gilt für diese Mennschen die Erkenntnis: Genieße heute und hoffe später auf Almosen, denn die Hälfte der Bevölkerung kann man schlecht verhungern lassen und darauf spekulieren leider die Politiker und auch die betroffenen Menschen.

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