Kleinleins Klartext
Die Mär von der betrieblichen Altersvorsorge

Im Wahlkampf feiern die Parteien die betriebliche Altersvorsorge als Wunderlösung für die Rentenlücke. Das Unwissen der Politik ist aber erschreckend. Warum die wenigsten Policen beim Arbeitgeber etwas taugen.
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Jetzt sind die Parteien gefordert, ihre Politikkonzepte für die Bundestagswahl vorzulegen. Noch ist nicht klar, welches die zentralen Themen des Wahlkampfs sein werden. Die Diskussion um die „Lebensleistungsrente“ lässt aber vermuten, dass die Altersvorsorge gute Chancen hat, ein zentrales Wahlkampfthema zu werden.

Die Konzepte, mit denen die Parteien ins Rennen gehen, sind dabei sehr unterschiedlich. Das Thema, das viele Politiker über die Parteigrenzen hinweg, eint, ist, dass eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) erfolgen, soll. Dabei fehlt zuweilen eine nüchterne Bewertung der bAV.

Die betriebliche Altersvorsorge wird zum Teil geradezu als Wunderlösung angesehen. So kann man etwa bei einer großen Volkspartei lesen, dass die betriebliche Altersvorsorge, „die beste Form der privaten und zugleich kollektiven Altersversorgung“ sei. Es scheint also so zu sein, dass bei der betrieblichen Vorsorge zwar privat angespart wird, dann aber (anders als bei der normalen privaten Altersvorsorge) auch stets ein zusätzliches „kollektives“ Element hinzutritt, das allein aus der bAV herrührt.

Aus versicherungsmathematischer Sicht ist es möglich, ein solches „kollektives“ Element in die Kalkulation einzubeziehen und die Angebote dadurch günstiger zu machen. Das geht etwa dadurch, dass die Kalkulationsannahmen eine niedrigere Lebenserwartung unterstellen als bei einem privaten nicht-bAV-Vertrag. Für diese niedrigeren Lebenserwartungen gibt es auch gesonderte Sterbetafeln, die so genannten „Heubeck-Tafeln“. Wenn es darum geht, die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter bilanziell zu bewerten, dann müssen sogar diese Tafeln angesetzt werden.

Es gibt aber nur sehr wenige Anbieter, die mit diesen günstigeren Sterbetafeln kalkulieren. Normalerweise rechnen die Aktuare die Angebote der betrieblichen Altersvorsorge genau nach den gleichen Tafeln wie sonst auch die privaten Angebote. Von einer Verbesserung der bAV aufgrund eines „kollektiven Elements“ ist hier also keine Spur.

Und auch die oft beschworenen Kostenvorteile sind (wenn überhaupt) auch nur sehr schwach ausgeprägt und dementsprechend schwach eingepreist. Weil es aber immer sehr schwer ist, verschiedene Angebote zu vergleichen, merkt das kaum jemand. Da kann es dann schon vorkommen, dass eine Gewerkschaft ein bestimmtes Angebot besonders gut findet und ihren Mitgliedern einen Abschluss nahelegt, obgleich das Angebot eigentlich genau das gleiche ist, das es auch für Privatpersonen gibt.

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Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Die Mär von der betrieblichen Altersvorsorge"

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  • Dass unsere Politiker von nichts Ahnung haben, das wissen wir doch inzwischen.
    Umso schlimmer, wenn sie sich in alles einmischen und uns das dann als Heilsbringer verkaufen

  • fakt ist, die gesetzliche rente ist unsicher aufgrund der bevölkerungsentwicklung. mit welchen produkten die bürger sparen ist eigentlich wurscht. sie tun es ja doch nicht weil am ende des geldes noch so viel monat übrig ist!
    und zum thema vergleichen kann ich nur sagen: ja eine gute beratung lohnt immer und sollte auch entsprechend honoriert werden. oft wird aber der eindruck dem verbraucher vermittelt diese sachen bis zum erbrechen auszureizen. ob es nun 10€ mehr oder weniger rente gibt ist doch ganz egal. die leute schließen einen riester vertrag mit 5€ monatsbeitrag ab und sind der meinung, die versorgungssituation im alter geregelt zu haben. träumt weiter... 10% vom netto sind plicht, es darf gerne noch etwas mehr sein. aber hand aufs herz, wer von uns macht das???

  • Jede Branche hat Ihren, Kleinlein oder Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer. Das Üble sind die vermeintlich seriösen Medien, die jedem selbst ernannten Fachmann, Ihre teils sinnbefreiten Beiträge, verbreiten lassen.

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