Kleinleins Klartext
Die Rente für Geringverdiener bringt nichts

Der beste Weg für eine vernünftige Altersvorsorge ist, für höhere Löhne zu sorgen. Eine Rente für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen belastet am Ende nur den Steuerzahler.
  • 22

Da haben sich die Politiker mal wieder ins Zeug gelegt: In der letzten Debatte vor der Sommerpause war die Rentenpolitik das Thema. Dabei lässt sich ein neuer Trend ausmachen. Für fleißige Geringverdiener sollen Lösungen gefunden werden!

Da wird dann eine „Sonderrente“ in Aussicht gestellt. Das Prinzip ist stets dasselbe, egal von welcher Partei die Idee herrührt: Geringverdienern, die lange Zeit in die gesetzliche Rente eingezahlt haben soll die Rente später etwas aufgestockt werden. Dann könnte zumindest etwas mehr rauskommen als in der Grundsicherung.

Das klingt ganz nett, und fast glaubt man schon, dass hier eine Lösung gefunden wäre! Schaut man sich aber die Realität genauer an, dann wird es sehr für die Betroffenen. Sie haben wenig Chance auf eine vernünftige Rente. Und bitter wird es auch für den Steuerzahler, der gleich vier Mal zur Kasse gebeten wird.

Nehmen wir zum Beispiel einen jungen Mann, Anfang 30, der nach einem missglückten Versuch als selbstständiger Versicherungsvermittler sein Glück als Angestellter sucht. Er ist Einzelhandelskaufmann und hat sich nun erfolgreich umgesehen. Eine größere Videothekenfirma bietet ihm einen Job an: 40 Stunden in einer Festanstellung. Das Gehalt ist jedoch mager: 870 Euro. Brutto. Da bleiben dann nur etwa 700 Euro netto übrig.

Zieht man davon noch die Miete mit Nebenkosten ab sowie Zusatzaufwendungen für den Job, dann bleiben ihm gerade mal knapp 300 Euro übrig. Das ist zu wenig. Deshalb gibt’s dann Geld vom Amt oben drauf als sogenannter „Hartz IV-Aufstocker“. Von denen gibt es schon über eine Million. Für das Aufstocken darf der Steuerzahler das erste Mal in die Tasche greifen.

In die gesetzliche Rente fließen aus der Anstellung monatlich gut 80 Euro. Das bringt ihm über das ganze Jahr etwa einen Drittel-Rentenpunkt. Würde er brav bis 67 diesen Job machen, dann hätte er nach den 37 Jahren etwa 12 Rentenpunkte angesammelt. Wenn er in Westdeutschland lebt, bringt ihm jeder Rentenpunkt sogar 28,70 Euro.

Insgesamt erwirbt er also Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rente von knapp 350 Euro. Zusammen mit dem, was er in der Ausbildung und bis zur Selbständigkeit erworben hat, kommt er dann auf etwa 410 Euro. Zu wenig, um die Grundsicherung zu erzielen.

 

Seite 1:

Die Rente für Geringverdiener bringt nichts

Seite 2:

Vier Mal hilft der Steuerzahler

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Die Rente für Geringverdiener bringt nichts"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gegen die Berufsfreiheit verstößt offensichtlich nicht, dass schon heute bestimmte Berufsgruppen ganz bestimmt Bedingungen erfüllen müssen. Nehmen wir nur mal Ärzte, die eine Haftpflichtversicherung haben müssen.

    Mein primäres Ziel ist, für alle Teilnehmer eines Marktes gleiche Voraussetzungen sicherzustellen. Es muss Schluss sein mit Marktteilnehmern, die einen wesentlichen Teil ihrer Kosten der Allgemeinheit aufbürden und sich so Subventionen erschleichen.

    Dazu gehören diejenigen, die kein vernünftiges Geschäftsmodell auf die Reihe kriegen und nur jammern, "der Markt" gebe keine vernünftigen Preise her. Und dann gibt es natürlich die "Lebenskünstler", die auf die beschriebene Art unsere Solidargemeinschaft ausplündern.

    Ich habe kein Problem mit Subventionen, die einen klaren gesellschaftlichen Zweck verfolgen - etwa wenn Bauern für die Landschaftspflege bezahlt werden und dabei kaum Einnahmen erzielen. Auch mit Kultursubventionen habe ich kein Problem.

    Aber jedes Mitglied unserer Solidargemeinschaft hat nach seinen Kräften zur Gemeinschaft beizutragen.

  • Herr Kleinlein, man kann nicht glauben, dass Sie jemals in einem Aktuariat gearbeitet haben. Denn dann wüssten Sie, dass die Verwaltung der Riester-Rente derart aufwendig ist, das ein Vertrag mit einer so geringen Rente ein Verlustgeschäft für eine Versicherungsgesellschaft bedeutet. Von wegen, die Versicherung profitiert!

  • @avobert, an sich gebe ich Ihnen durchaus recht. Wie immer hat aber jede Medaille zwei Seiten. Letztlich herrscht in Deutschland doch noch Berufswahlfreiheit, oder? Was ist mit den ganzen Künstlern, die auf selbständiger Basis arbeiten? Schauspieler (Theater, Ballet, Oper), Musiker, frei schaffende Künstler und alle weiteren Kultur Schaffenden? Die wenigsten kommen hier auf über 2000€,... Gleiches gilt vermutlich für Gastronomen, ausserhalb touristischer Anlaufstätten etc.
    Sollen die nun alle etwas anderes machen? Wenn Sie die Wahl hätten, dass zu machen was Sie am besten können oder ansonsten sich arbeitslos zu melden und ebenfalls in Altersarmut zu landen, was würden Sie tun?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%