Kleinleins Klartext
Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge

Kleine Unternehmen haben keine Lobby. Jetzt möchte ihnen die Politik auch noch mehr betriebliche Altersvorsorge aufhalsen. Dann dürfte es einige Probleme geben - für Mitarbeiter wie auch für Führungskräfte.
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Betriebswirte wissen was KMUs sind. Es handelt sich um sogenannte „Kleine und Mittlere Unternehmen“, also um genau die Unternehmen, die zu klein sind um eine große Lobby zu haben. Es sind aber auch die Unternehmen, die in Wahlkampfzeiten als „Mitte der Gesellschaft“ bezeichnet werden.

Sie gelten als die wichtigsten Arbeitgeber, ohne die Deutschland wirtschaftlich im Abseits steht. Aus Sicht der Politik sind sie wichtig, weil sie zu klein sind, um sich vor dem Zahlen der Steuern drücken zu können, wie viele ganz große Unternehmen.

Die Politik hofft aber auf das Engagement der KMUs in Sachen Altersvorsorge. Denn sie sollen nach Plänen der einen oder anderen Partei zukünftig auch stärker die betriebliche Altersvorsorge (bAV) stärken. Wie es der Name schon sagt, wird diese „zweite Säule der Altersvorsorge“ in den Arbeitsbetrieben praktiziert.

Der Arbeitgeber ist dabei Dreh- und Angelpunkt: Er entscheidet welche Art der betrieblichen Altersvorsorge praktiziert werden soll, er entscheidet auch, welche Tarife den Mitarbeitern offen stehen sollen. Auch für diese Entscheidungen muss der Arbeitgeber gerade stehen. Zudem ist er sogar gesetzlich verpflichtet, eine betriebliche Altersvorsorge für seine Mitarbeiter vorzuhalten.

Größere Unternehmen können dabei die verschiedensten Möglichkeiten der bAV nutzen: Pensionsfonds, Unterstützungskasse, Pensionskasse (reguliert oder dereguliert), Direktzusage oder Direktversicherung stehen zur Auswahl. Für KMUs ist das schon schwieriger, denn die Umsetzung der meisten dieser Lösungen ist aufwändig und kompliziert. Vernünftig umsetzen lässt sich meist nur eine Direktversicherung.

So eine Direktversicherung sieht auch erst einmal recht einfach aus. Es handelt sich um einen Vertrag, der sich nur gering von einem „normalen“ Versicherungsvertrag unterscheidet. Einziger Unterschied: Der Arbeitgeber ist der Versicherungsnehmer. Und als Versicherungsnehmer hat er die Entscheidung zu fällen, welchen Tarif er denn wählt. Und da kann er massive Fehler machen!

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Heimtückische Haftungsfallen

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Kein Helfer in der Not

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Die Risiken der betrieblichen Altersvorsorge"

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  • Weiteres Problem ist die Übertragung bei Ausscheiden aus dem Unternehmen. Was viele nicht wissen, dass sie bei einem Arbeitgeberwechsel nur Anspruch auf Übertragung des Guthaben hätten.
    Niedriger Garantiezins und manchmal auch veränderte Kalkulation der Lebenserwartung könnten die Folge einer Übertragung sein.
    Auch die "Schönrechnung" durch Steuererspanis bzw. auch Sozialabgabenersparnis hebt sich im Ruhestand häufig durch die nachträgliche Besteuerung und Kranken-Pflegeversicheurngsplicht wieder auf.
    "Normal" sparen war früher so ist heute auch nicht verkehrt.

  • Ich bin mir da nicht so sicher, dass ein Umlageverfahren wirklich der einzig richtige Weg ist. Heute leben 81 Mio. Menschen in Deutschland und ca. 50 Mio sind erwerbtätig. Im Jahre 2050 wird die Zahl der Einwohner auf 70 Mio. prognostiziert und die der Erwerbstätigen nur noch auf 35 Mio. In den letzten 20 Jahren wuchs die Produktivität um durchschnittlicht 1,5 % pro Jahr.

    Kurze Quizfrage: Glaube Sie wirklich, dass die Produktivität ausreicht um diese für ein Umlageverfahren äußerst prikären Entwicklungen aufzu fangen? Ich glaube nicht daran.

    Und die von Ihnen Beschriebenen Maßnahmen dürften bei weitem nicht ausreichen, um dafür zu sorgen das die gesetzliche Rente künftig ausreichen wird um den Ruhestand sorgenfrei genießen zu könen.

  • Es gibt zahlreiche Möglichkeiten der bAV. Interessant hierbei ist, dass bei vielen Tests, unter anderem von Stiftung Warentest oder Ökotest, siehe hier: http://www.altersvorsorgetest.com/betriebliche-altersvorsorge-test/ teilweise bis zu 50 Anbieter die Teilnahme und Erwähnung abgelehnt haben. Das ist doch schon sehr fraglich. Und gerade bei einer der effektivsten AV-Formen wünsche ich mir doch mehr Kontrolle durch den Staat oder die Versicherungskammer. Gerade wenn es um faire Vertragsbedingungen und Leistungen geht! Alle reden von Altersarmut und niedrigen Renten. Dabei ist es doch so einfach die zusätzlichen privaten Renten einer gewissen Kontrolle zu unterziehen. Das würde auch das Vertrauen der Leute in solche Anlageformen wieder deutlich steigern und den Verdruss, wenn es um AV geht, ein wenig senken.

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