Kurz und schmerzhaft

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Kleinleins Klartext: Die „Tischlein-Deck-Dich-Garantie“ der Riester-Rente

Bei der Beschreibung der privaten Altersvorsorge verwenden Wissenschaft und Versicherer märchenhafte Vergleiche. Nachteile der Produkte werden verschleiert. Warum Sparer im Alter kein Schlaraffenland erwarten dürfen.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.
Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Diesmal ist es nicht meine Schuld, dass die Kolumne einen Titel hat, der der Märchenwelt entlehnt ist. Es liegt vielmehr an Jochen Ruß, einem Lieblingsexperten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dieser hat jüngst dem GDV ein Interview gegeben um die Riester-Rente zu verteidigen. Bei meiner Recherche stieß ich auch auf ein anderes Interview, das Herr Ruß jüngst dem „VPV Makler Talk“ gegeben hat. Dort preist Herr Ruß die sogenannte „Tischlein-Deck-Dich-Garantie“ der Riester-Rente an.

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Sowohl der GDV als auch Herr Ruß selbst sehen es als wichtig an, endlich richtig zu stellen, dass die Riester-Rente ein ganz großartiges Projekt sei. Dabei stellt Herr Ruß in seinem Interview für den GDV ganz richtig dar, dass für einen konkreten Kunden immer die persönliche Rendite zu betrachten ist, „die dieser Kunde auch wirklich erzielt – inklusive der Effekte der staatlichen Förderung.“ Da hat er Recht!

Er hat aber Unrecht, wenn er unterstellt, dass die von ihm kritisierten Studien diese Art der Renditebetrachtung im Auge hatten. Das Thema in der DIW-Studie und der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung war die Frage, wie rentabel denn die Riester-Rente aus Sicht des Staates bzw. des Steuerzahlers ist, also wie rentabel die Riester-Rente für uns als Gesellschaft ist. Und da kommt man auf ganz andere Ergebnisse, die doch sehr ernüchternd sind. Dann rentiert sich die Riester-Rente nicht mehr so gut, wie von den Herren behauptet.

Herr Ruß oder auch der GDV wissen, dass die angesprochenen Studien etwas anderes untersuchten als die „persönliche Rendite“. Schade, dass sie das weiterhin ignorieren, obwohl ich oft genug darüber mit ihnen gesprochen habe. Aber beiden Herren gelingt es leider auch an anderen Stellen nicht immer sachlich exakt zu argumentieren.

Da wird zum Beispiel von beiden behauptet, es gäbe ein Gesetz, das dafür sorgen würde, dass die Kunden den größten Teil der Überschüsse wieder zurückbekämen. Hintergrund dabei ist, dass durch überhöhte Annahmen zur Lebenserwartung immer Risikogewinne entstehen, wenn ein Kunde dann doch früher verstirbt.

  • 09.05.2013, 18:46 UhrGrusi

    Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis so umsehe, wird es für den Staat sowieso doppelt teuer. In meinem Bekanntenkreis riestern und rüruppen nur Personen mit hohem Einkommen. An diese gehen die staatlichen Zulagen bzw. an deren Versicherungen.

    Zeitgleich müssen neben der Riesterförderung an Nichtbedürftige aber auch die Renten für die Geringverdiener, Nichtarbeitenden, Langzeitarbeitslosen etc. aufgebracht werden. Also zeitgleich mehr GRUSI-Empfänger. Im Endeffekt zahlt man dann doppelt -- an die Versicherungen bzw. die Zulagen und muss dennoch Armutsrentner finanzieren.

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