Kleinleins Klartext
Ein Nachruf auf die Lebensversicherung

Nicht nur Kunden verlieren den Glauben an das Sparprodukt, sondern auch die Verbände und Gesellschaften, die keine fairen Überschüsse mehr anrechnen möchten. Wir gedenken der Deutschen Lebensversicherung.
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Abschiede fallen stets schwer, besonders wenn man sich aneinander gewöhnt hat, wenn man lange Zeit, gar schon ein Leben lang miteinander verbracht hat. So ging es mir stets mit dem Glauben an die Deutsche Lebensversicherung. Es erfüllt mich mit Trauer zu sehen, dass wir uns nun verabschieden sollen.

Zuweilen erkennt man eine enge Verbindung erst dann, wenn sie endet. So ist es auch jetzt mit dem Glauben an die Deutsche Lebensversicherung. Über viele Jahrzehnte konnten wir uns stets sicher sein, dass zumindest die Versicherungsunternehmen selbst und auch die Versicherungslobby die Fahne der Lebensversicherung hoch halten. Dass die Manager in den Unternehmen und die Einflüsterer an der Seite der Politik stets ein klares Bekenntnis hatten, das hieß: „Ja, wir glauben an das System der Deutschen Lebensversicherung“.

Aber die Fahnen flattern nicht mehr stolz im Wind, die Fahnen stehen auf halbmast. Sie zeigen uns, dass selbst Versicherer und Lobbyisten den Glauben an die Deutsche Lebensversicherung verloren haben.

Was ist geschehen? Neben allen Streitereien gab es eine klare Vereinbarung zwischen den Versicherern und ihren Kunden: Die Versicherer garantieren den Kunden nur wenig, um dann über die Überschussbeteiligung einen fairen Ausgleich zu schaffen.

Die Tarife wurden stets so übervorsichtig kalkuliert, dass aus allen drei Gewinnquellen saftige Überschüsse zu erwarten waren: Die Versicherer setzten einen so niedrigen Kalkulationszins an, dass sie sicher waren, diesen stets zu übertreffen und Zinsüberschüsse zu erwirtschaften. Die Versicherer setzten je nach Risiko solche Sterblichkeiten an, dass sie sicher waren, dass bei Risikotarifen in Wirklichkeit weniger Kunden sterben und bei Rententarifen erheblich mehr Kunden sterben. So waren sich die Versicherer stetiger Risikogewinne sicher. Und sie setzten Kosten an, die auch die tatsächlichen Kosten übersteigen sollen, sodass stets Kostenüberschüsse zu erwarten waren.

Glaubenskern der Deutschen Lebensversicherung war stets, dass die Kunden fair an diesen Überschüssen beteiligt werden sollten.

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Ein Nachruf auf die Lebensversicherung"

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  • @Bosch: Es war hoffentlich nicht ernst gemeint, dass Sie ein Produkt mit garantierter Verzinsung und Aktien in 1 Topf werfen?? Schonmal davon gehört, dass Aktien auch fallen können?

    @walstreet: Interessante Frage, wie ist es möglich, dass LV-Unternehmen die Gewinne erhöhen können. Relativ einfach: Sie haben früher viel viel mehr an die Kunden weiter gegeben als nach Mindestzuführungsverordnung nötig gewesen wäre, also deutlich über 90%. Jetzt müssen sie aber dank Regulierung unter Solvency II mehr Eigenkapital bilden für Notfälle, behalten also mehr Gewinne (zulasten der Kunden) ein. Man darf aber nicht vergessen, dass der Gesetzgeber/EU sie dazu nötigt....

  • NOCHMAL: nur Dumme wählen die Lebensversicherung, Schlaue die Allianz und Talanx Aktien. Gerne auch die Rück aus MUC.

    Schön, wenn die dumme Tante Erna die LV subventioniert und sich der Aktionär freut. Das geht aber erfahrungsgemäß nur begrenzt gut. Spätestens nach einer RTL Show merkt auch der allerletzte dumme LV-Besitzer seinen Irrtum.

  • Dann sollten Sie, um der ganzheitlichen Betrachtung zu genügen, auch die Auszahlungspolitik der Versicherungsbranche gegenüber ihren Anteilseignern berücksichtigen. Anscheinend ist es möglich, auch im Bereich der LV die Gewinne zu erhöhen und stabile/steigende Dividenden auszuzahlen.
    Ihre Gleichung stimmt irgendwo nicht

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