Kleinleins Klartext
Eine Lanze für die Vermittler!

Verbraucherschützer und Versicherungsvermittler streiten wie die Kesselflicker. Schluss damit! Beide Seiten haben gemeinsame Interessen. Ein offener Brief von einem Verbraucherschützer.
  • 9

Liebe Vermittler,

Sie fühlen sich vom Verbraucherschutz oft missverstanden. Sie beklagen zuweilen, dass die Verbraucherschützer Sie diskreditieren oder gar garstig in den Schmutz ziehen. Dann verweisen Sie zum Beispiel auf das „Finanzhai“-Video von Herrn Nauhauser, den ich gut kenne und sehr schätze. Oder Sie ziehen Ausführungen von der Verbraucherzentrale Hamburg heran, in denen sich Frau Castello, die ich auch außerordentlich schätze, bitterlich über die Vermittler beklagt.

Ich kann es deshalb nicht verdenken, dass ich z. B. auf Vermittlerkongressen nicht mit Klatschen, sondern häufig mit Missbilligung begrüßt werde oder sogar erst einmal Buhrufe zu hören bekomme.

Es ist aber dringend an der Zeit, dass wir – Verbraucherschützer und Vermittler – uns etwas besser zuhören und versuchen, den anderen zu verstehen. Denn solange wir uns bitter bekriegen, stehen zumindest die Versicherungsunternehmen als Gewinner fest und auf der anderen Seite gehören zu den Verlierern auf jeden Fall die Verbraucher.

Natürlich gibt es nicht „den Vermittler“. Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied, ob ein hochqualifizierter Makler, der seit Jahrzehnten erfolgreich im Geschäft ist, seine Policen verkauft oder aber ob ein Nebenerwerbsvermittler mal im Kegelverein einen Riester-Vertrag platzieren möchte.

Was alle Vermittler aber eint, ist die Aufgabe Versicherungsverträge zu vermitteln. Und das Geschäftsmodell des Vermittlers sieht es nun einmal vor, dass dann auch tatsächlich Verträge geschlossen werden, denn auch ein Vermittler will und soll von seiner Arbeit leben können. Er muss deshalb darauf vertrauen, dass die Produkte der Versicherer gut genug sind, damit ein Vermittler sie auch guten Gewissens verkaufen kann.

Bei den Verbraucherschützern gibt es ebenso große Unterschiede: Wer zum Beispiel in einer Verbraucherzentrale neben Versicherungen und Altersvorsorge auch zu vielen anderen Finanzprodukte berät, hat ein anderes Profil als jemand, der sich überwiegend mit Verbraucherpolitik beschäftigt. Was alle Verbraucherschützer aber eint, ist die Aufgabe, mit besonders kritischem Blick die Versicherungsangebote zu analysieren.

Auch ist es ihre Aufgabe immer die Finger in die Wunden zu legen, wenn Missstände vorliegen. Damit die Verbraucherschützer auch Gehör finden, bedarf es oft einfacher, klarer und medienwirksamer Botschaften. Leise Töne, die es auch gibt, gehen leider meist unter. Deshalb muss man versuchen, sich zum Beispiel mit einem plakativen Video die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Das ist schon genug Arbeit für die Verbraucherschützer, zumal es nur wenige gibt. So ist es auch nicht die Aufgabe der Verbraucherschützer, bessere Alternativangebote zu entwickeln. Dies ist Aufgabe der Versicherungsunternehmen.

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Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Eine Lanze für die Vermittler!"

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  • Ein Gutes Wort zu rechten Zeit? Vielleicht etwas spät, aber ich habe Ihre Arbeit immer so verstand, wie Sie es nun hier geschrieben haben.
    Lassen Sie sich von Meinungen wie die von Herrn Haid- ein glühender Verfechter der Riester R Ente, egal wo und wie, Ristern ist immer gut - nicht irritieren.
    Es ist nicht die Aufgabe des Bundes d. V. Lösungen, sprich neue Produkte zu erfinden. Im Übrigen finden sich dazu in den Studien der F.-Ebert -Stiftung unter Ihrer massgeblichen fachlichen Darstellung genügend Hinweise.
    Auch Makler können keine Produkte für Kunden " stricken", wie eben die Verbraucherschützer das auch nicht können. Dies ist Aufgabe der Politik und der Anbieter.
    Ihre Arbeit als Vorstand d. Bundes d.V. schätze ich sehr positiv ein und hoffe, Sie kommen wieder dorthin, als Vorsitzender d. B. d. Versicherten.
    An alle Makler mein Apell:
    Habt Mut auch Produkte mal nicht zu empfehlen, wie zum Bsp. die untauglichen Rürup-Und Riester R Enten. Ich weis, dass dies ein Loche bei den Einnahmen reisst, aber das muss man durch andere Erträge kompensieren ( können).
    Der Kunde darf nicht der Dumme sein, nur weil Politik und Anbieter uns zu Verkaufseseln machen, wir aus egoistischen, sicher auch aus Überlebensgründen, jeden Mist anbieten- nur um selbst zu überleben.
    Egoisten und Lobbyisten gibt es schon genügend.
    Eberhard Stopp Versicherungsmakler

  • Zum einen finde ich es respektabel, dass Sie diesen offenen Brief geschrieben haben, Herr Kleinlein. Richtig beeindruckt hätte es mich, wenn Sie dies zu Vorstandszeiten beim BdV geschrieben hätten und nicht erst jetzt. Dann hätte dieser Brief eine Signalwirkung für alle Verbraucherschützer gehabt. Ich stimme Ihnen zu: Versicherungsmakler und Verbraucherschützer stehen auf der selben Seite, nämlich der des Kunden! Neben der Haftungsthematik, die Kollege Helberg anspricht, gibt es aber noch einen großen Unterschied, zwischen Verbraucherschutz und qualifizierten Vermittlern: Wir Versicherungsmakler kritisieren nicht nur, wenn etwas nicht passt, wir arbeiten auch an Lösungen im Sinne der Mandanten! Ich werde niemals vergessen, als Ihre Co-Autorin der "Sparstrumpf-DIW-Studie" gefragt wurde, was denn ihr alternativer Lösungsvorschlag ist: "Da kann ich nichts zu sagen, ich bin kein Berater". Wer klar von etwas abrät, erteilt auch einen Rat. So geht's eben nicht und nur kritisieren, hilft keinem Kunden. Nur Kosten in der Ansparphase anschauen und z.B.die Rentenphase zu vergessen, hilft auch nicht. Ihren Brief finde ich gut, entscheidend ist jetzt, wie Sie auf diesem Weg weiter gehen.

  • Den meines Erachtens besten Kommentar habe ich hier gelesen: http://www.helberg.info/blog/2013/04/liebe-verbraucherschuetzer-lieber-herr-kleinlein/ Klar und eindeutig. Respekt, Herr Helberg!

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