Kurz und schmerzhaft

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Kleinleins Klartext: Ganz gezielt gewürfelt

Die Versicherungsmathematik ist komplex. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist das System besonders kompliziert. Aber wenn man genauer hinschaut, muss man konstatieren: Eigentlich wird bei der Kalkulation gewürfelt.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.
Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Als Versicherungsmathematiker bin ich immer begeistert, wenn komplizierte Sachverhalte in komplexen mathematischen Modellen dargestellt werden. Je kniffliger das Ganze ist, desto eher bin ich von der Eleganz eines schönen Modells angetan. Ich gehöre auch zu denen, die gerne die "Logelei" einer großen Wochenzeitschrift lösen und zum Frühstück knobel ich fast immer an einem Sudoku.

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In der Versicherungsmathematik gibt es auch Produkte, die besonders komplex kalkuliert werden. Die Risikolebensversicherung gehört nicht dazu. Bei diesem reinen Risikoprodukt gilt es in der Kalkulation nur zu beachten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die versicherte Person in einem bestimmten Vertragsjahr verstirbt. Früher konnte man dabei wenigstens noch zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Heute bleibt eigentlich nur noch die Möglichkeit den Rauchern eine höhere Prämie zu kalkulieren - natürlich zusätzlich zu den individuellen Zuschlägen.

In der Berufsunfähigkeitsversicherung ist das schon viel komplizierter. Hier muss der Versicherungsmathematiker und Aktuar nicht nur beachten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die versicherte Person verstirbt. Er muss auch berücksichtigen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Person berufsunfähig wird, wenn sie vorher noch gesund war. Und schließlich darf er auch nicht aus dem Blick verlieren, dass eine Person, die einmal berufsunfähig geworden ist, womöglich wieder gesundet und in das reguläre Berufsleben zurück findet.

Zwar hat der Unisex auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung dafür gesorgt, dass die Aktuare nicht mehr zwischen Männern und Frauen unterscheiden dürfen. Dafür haben sich die Versicherungsmathematiker aber ein kompliziertes System von unterschiedlichen Berufsbewertungen ausgedacht. Bei Ermittlung von Zu- und Abschlägen kommt es also darauf an, ob jemand zum Beispiel von Beruf Lehrerin ist, dann bekommt sie einen sehr hohen Zuschlag .Wenn die versicherte Person Einzelhandelsverkäufer ist, liegt der Zuschlag üblicherweise im Mittelfeld, aber nur wenn sie keine Spirituosen verkauft, falls doch erhöht sich der Zuschlag.

Die großen Unterschiede begründen die Versicherungsmathematiker damit, dass sie umfangreiche Erfahrungen mit den einzelnen Berufsgruppen hätten und deshalb alles sehr genau statistisch erfassen könnten. Auf den ersten Blick scheint das sehr schlüssig. Es könnte ja sein, dass die Versicherungswirtschaft über Rückversicherer alle Daten poolt und dann ein sehr genaues Bild über die Berufsunfähigkeitswahrscheinlichkeiten zeichnen kann.

  • 08.02.2013, 08:20 UhrSteffenBenecke

    Mir fällt auf Anhieb keine Teilzeitkraft, erst recht nicht gewerblich tätig, ein, die sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet. Ich bin Versicherungsmakler. Wir betreuen gut 1500 Kunden und sprechen mit diesen grundsätzlich auch über das Berufsunfähigkeitsrisiko. Steffen Benecke

  • 07.02.2013, 13:20 Uhrbugsbonny

    Die Lösung liegt beim Kunden: wer nur Teilzeit arbeitet verdient auch weniger und hat also im Falle der Berufsunfähigkeit auch einen geringeren Verdienstausfall. Also sollte der Kunde eine wesentlich gernigere Deckung abschließen und damit verbunden die geringeren Prämien bezahlen und davon profitieren, dass Versicherer bei geringen Monatsrenten eine laxere Schadenprüfung einleiten.

Kolumnen Autoren

Hans-Peter Siebenhaar - Medien-Kommissar

Handelsblatt-Redakteur mit den Schwerpunkten Medien und Telekommunikation. In seinem neuen Buch „Die Nimmersatten. Die Wahrheit über ARD und ZDF“ rechnet er mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab.

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Herbert Walter - Finanzlotse

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Wolfram Weimer - What’s right?

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Michael Steinbrecher ist Journalist, Fernsehmoderator und seit 2009 Professor für Fernseh- und crossmedialen Journalismus am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Von 1992 bis Mitte 2013 hat er das ZDF-Sportstudio moderiert und war für das ZDF als Moderator bei zahlreichen Sport-Großereignissen wie Fußballwelt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen vor Ort.

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