Kleinleins Klartext: Ich rechne mir die Welt, wie sie mir gefällt

Kleinleins Klartext
Ich rechne mir die Welt, wie sie mir gefällt

Das Motto von Pippi Langstrumpf passt auch auf zahlreiche Studien zur Altersvorsorge. Wer Politik machen möchte, trickst was das Zeug hält. Im aktuellen Zahlenstreit sieht der Verband der Versicherer schlecht aus.
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Mit Statistiken kann man Politik machen. Und da Statistiken immer aus Zahlen bestehen, wirken sie auch immer so seriös und wissenschaftlich fundiert. Nicht-Wissenschaftler verlässt dann oft der Mut, sich inhaltlich mit der Statistik auseinanderzusetzen. Diejenigen, die nachrechnen können, juckt es aber immer in den Fingern, mit einer „Gegenstatistik“ die „Wahrheit“ ans Licht zu bringen. Oft halten sich die Rechner dabei streng an die Devise von Pippi Langstrumpf: „Ich rechne mir die Welt, wie sie mir gefällt“.

Aktuell sieht man einen solchen „Rechenkrieg“ zwischen Herrn Prof. Dr. Oehler in Bamberg und dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Anlass ist eine Studie, die Herr Prof. Dr. Oehler für die Grünenfraktion erstellte. Er rechnet unter anderem vor, dass durch Falsch- und Fehlberatung jährlich 16 Milliarden Euro alleine bei Privatrenten und Kapitallebensversicherungen in den Sand gesetzt werden. Alles Quatsch, erklärt der Lobbyverband und erläutert, warum die Zahlen aus Franken um das 16-Fache überzeichnet seien.

Als Versicherungsmathematiker einerseits und Verbraucherpolitiker andererseits kenne ich einige Methoden, sich die Welt schön rechnen zu können. In dem derzeit laufenden Zwist lassen sich so einige auch nachzeichnen. Ein Beispiel: Der Umgang mit der Stornowahrscheinlichkeit.

Prof. Dr. Oehler rechnet zum Teil mit Stornowahrscheinlichkeiten von 6 Prozent bezogen auf die Versicherungssumme. Das lässt sich auch wissenschaftlich begründen, da solche Quoten in der Vergangenheit durchaus zu beobachten waren. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) spricht „nur“ von 3,5 Prozent und bezieht sich dabei auf die aktuellen Beobachtungen bezogen auf den Einzelvertrag – auch als Stückstornoquote bezeichnet.

Was man jetzt schon erkennt: Die beiden Werte sind nicht miteinander vergleichbar. Die Bezugsgrößen sind unterschiedlich (entweder je Versicherungssumme oder je Vertrag) und der Beobachtungszeitraum ist ebenfalls sehr unterschiedlich (ein über mehrere Jahre gehender Zeitraum oder aber nur das letzte Jahr). Wer sich an Pippi Langstrumpf orientiert, nimmt sich natürlich immer die Zahl, die den eigenen Zwecken am besten folgt. Das ist der Moment, in dem mit den Zahlen Politik gemacht wird: Herr Prof. Dr. Oehler wählt 6 Prozent, der GDV nur 3,5 Prozent.

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Der Patzer der Versicherer

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  • @EinAuktuar

    Erstens darf man Altersvorsorge nicht vorrangig unter Renditegesichtspunkten sehen. Viel wichtiger ist die garantiert lebenslange Rentenzahlung, die die Einkommenssituation im Alter viel besser berechenbar macht als das andere Sparformen können.

    Diese Sichtweise wäre vom Kunden aber volldumm.
    Eine Altersvorsorge, bei der meine Beiträge sich kaufkraftbezogen zum großen Teil verflüchtigen kann nicht empfehlenswert sein.
    Für mich ist schon wichtig, ob ich mir im Alter zusätzlich täglich 2 Butterstullen oder 1 Scheibe trocken Brot leisten kann. Apropo leisten, bei gleicher Leistung des Zahlers.

    Schönen Tag noch.

  • Unabhängig davon, welcher Auffassung zum Ansatz der Stornoquote man folgt ist die Aussage
    "Da Kündigung immer ein Renditekiller ist, sind Versicherungsprodukte daher für die Altersvorsorge ungeeignet."
    aus mehreren Gründen falsch.

    Erstens darf man Altersvorsorge nicht vorrangig unter Renditegesichtspunkten sehen. Viel wichtiger ist die garantiert lebenslange Rentenzahlung, die die Einkommenssituation im Alter viel besser berechenbar macht als das andere Sparformen können.

    Zweitens ist es für den Einzelnen unerheblich, wie sich die Masse verhält. Wer sich recht sicher ist, dass er seinen Vertrag durchhalten kann, der bekommt ja am Ende die garantierte Leistung plus Überschuss und damit auch eine gute Rendite.

    Drittens ist es zwar weder für den Kunden noch für den Versicherer gut, wenn der Kunde nach sehr kurzer Zeit storniert, da in diesem Fall der Aufwand für den Abschluss verloren geht. Bei einer Kündigung nach längerer Zeit ist die Situation dagegen eine völlig andere: die Abschlusskosten haben sich amortisiert und der Kunde erreicht auch bei Rückkauf eine vernünftige Rendite. Da die Lebensversicherung aber auf Langfristigkeit angelegt ist, kann man aber nicht erwarten, dass die Rendite bei Storno so hoch ist, wie wenn man den Vertrag durchhält.

    Auch in einer Meinungskolumne wäre etwas mehr Differenziertheit schön. Stammtischniveau kann man auch in der Kneipe haben…

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