Kleinleins Klartext
Nichts gelernt in Sachen Transparenz...

…aber dazu gelernt bei der Intransparenz. Dieses traurige Fazit muss man leider ziehen, wenn man eine Blick in die Bedingungen der Allianz für das lautstark beworbene neue Vorsorgeprodukt „Perspektive“ wirft.
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Es gibt bestimmte Schlagwörter, die fast jede Diskussionsrunde zum Thema Versicherung bereichern: Möchte ein Versicherer unpopuläres Verhalten begründen, so wird das ominöse „Kollektiv“ beschworen. „Solvency II“ ist die große Herausforderung, auf die sich besonders die deutsche Lebensversicherung vorbereiten müsse. Und „Transparenz“ möchte ja jeder, aber leider, leider zwinge die Regulierungswut die Versicherer dazu, die Kunden mit intransparenten und überflüssigen Informationen zu versorgen.

„Transparenz“ ist also seit vielen Jahren ein zentraler Streitpunkt zwischen Versicherern und Verbrauchern. Spätestens seit Mai 2001 musste die Branche auch schmerzhaft lernen, dass die Transparenz von Versicherungsverträgen ein Thema für die höchsten Gerichte ist. Fehlt Transparenz, dann können sich die Versicherer auf einmal auf bestimmte Regelungen nicht mehr berufen. 2001 waren es zum Beispiel Klauseln zum Rückkaufswert, die der BGH kassierte.

Haben die Versicherer danach angefangen, mit transparenten Klauseln zu arbeiten? Nein! Seit 2001 spielt die Versicherungsbranche ein Hase-und-Igel-Rennen mit den Verbrauchern. Die Gerichte sind stets immer ein paar Jahre hintendran, wenn es darum geht, die intransparenten Klauseln zu kassieren. Bis dahin sind aber neue Tarife am Markt, gegen deren Klauseln die Verbraucherschützer neu klagen müssen.

Intransparenz ist sehr vielfältig. In einem gerade laufenden Verfahren der Verbraucherzentrale Hamburg und des BdV geht es gegen die Allianz. Streitpunkt: Intransparente Regeln zur Überschussbeteiligung. Der Kunde muss sich nämlich über sieben Stationen durch die Vertragsunterlagen und den Geschäftsbericht kämpfen, um zu erkennen, ob er Kostenüberschüsse bekommt oder nicht. Der bisherige Richterspruch (nicht rechtskräftig, Berufung ist eingelegt) gibt den Verbraucherschützern recht: Die Klausel ist intransparent.

Hat die Allianz daraus gelernt und beim neuen Tarif „Perspektive“ auf diese Regelung verzichtet? Keine Ahnung! Denn dazu müsste man die genaue Überschussdeklaration kennen. Die wird aber erst im Frühjahr 2014 veröffentlicht. Transparent ist das nicht.

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Die Verwirrung ist groß

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Nichts gelernt in Sachen Transparenz..."

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  • Auch hier sieht ma - nicht nur im Bereich Überwachungs-Skandal oder Datenschutz- und Verbraucherskandale - dass stets nur eine Seite lernt:

    Intransparenz vor Transparenz.

    Hier müssen gesetzliche Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die intransparenten Personen zur Transparenz gewungen werden. Insbesondere die Versicherungs- und Bankenbranche hat jahrelang vorgemacht, dass Selbstkontrollen und Beschwichtigungen nur eines zu Ziel haben: Keine Kontrolle und möglichst wenig Informationen an Kunden und Presse.

    Bezogen auf den Garantiezins kann man nur hoffen, dass Kunden nicht hineinfallena auf dieses Produkt. Es ist der Versuch, der in anderen Branchen funktioniert - nach dem Motto: Gemeinsam ein Produkt einführen und das alte abschaffen - denn welchen Vorteil hat ein Garantiezins?

    Nur einen Vorteil sehe ich: Die Versicherung kann auch weniger Zinsen zahlen.

    Vorteil beim Kunden? Fehlanzeige.

    P.S.: Dabei verdienen gerade die Versicherungen gut, z.B. trotz Hochwasserschadens (bzw. -rekord) ein neuer Rekordgewinn. Praktisch, wenn Kunden unmündig hinterherlaufen und Politiker keine Rahmen schaffen.

  • Wenn im Gesetz doch steht, dass der Kunde bei Beendigung der Ansparphase an den Bewertungsreserven zu beteiligen ist, weshalb soll er dann bei der Allianz befürchten müssen, erst nach seinem Tod an den Bewertungsreserven beteiligt zu werden? Zumal ihm die Allianz in dem von Herrn Kleinlein so genau studiertem persönlichem Vorschlag zusichert, die Rente berechne sich aus dem "zum Rentenbeginn vorhandenen Gesamtkapital". Und weiter: "Das Gesamtkapital setzt sich zusammen aus
    dem zum Rentenbeginn vorhandenen Deckungskapital des Bausteins Altersvorsorge inkl. Kapitalbonus,
    dem Schlussüberschussanteil und der Beteiligung an den Bewertungsreserven."

    Dem Versicherungskunden wäre schwer geholfen, wenn er nicht durch solche Experten wie Herrn Kleinlein verwirrt werden würde. Einerseits Transparenz einfordern, aber selbst die größte Verwirrung stiften. Wie schon im letzten sogenannten "Klartext" zum Garantiezins.

  • Lieber Herr Kleinlein, seit wann endet denn eine Rentenversicherung mit dem Tod? Meine jedenfalls endet nur bei vorzeitigem Ableben, sonst aber mit Ablauf, und der ist an meinem 65. Geburtstag. Auch Sie sollten sich mal die Verbraucherbrille putzen...

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