Kleinleins Klartext

Sparen Sie sich den Konsumverzicht!

Viele Versicherer glauben etwas Gutes zu tun. Sie drängen die Bürger, auf viele schöne Dinge verzichten, um für das Alter zu sparen. Doch was passiert, wenn die treuen Kunden bemerken, dass ihre Entsagung vergeblich war?
24 Kommentare
Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Manchmal, wenn ich mich mit Vorständen von Lebensversicherern unterhalte, habe ich den Eindruck, ich hätte es mit selbsternannten Rettern unseres Sozialsystems zu tun. "Die Leute würden doch gar keine Altersvorsorge machen, wenn wir nicht unsere Vertriebe hätten!", höre ich da. "Besser die Geringverdiener riestern, als wenn sie gar nichts machen würden." Und ganz zentral ist der Begriff des "Konsumverzichts". "Man muss die erst mal dazu bringen Konsumverzicht zu leisten" – mit „die“ sind natürlich die Altersvorsorgeverweigerer gemeint.

Dabei wird stets ausgeblendet, was mit dem durch Verzicht frei gewordenen Geld passieren soll. Es ist meinen Gesprächspartnern in solchen Diskussionen meistens egal, ob eine Lebensversicherung, eine Riester-Rente oder ein Fondssparplan bespart wird. Hauptsache das Geld fließt zu einem Finanzdienstleister. Ob dieser dann gut mit dem Geld arbeitet, ist oft zweitrangig. Hauptsache es wird gespart. Streng nach der Devise (und schlecht gereimt):

Auch wenn die Zinsen fließen nicht,
das Ziel ist der Konsumverzicht.

Woher dieser Wunsch zum unkontrollierten Sparen kommt, darüber kann man nur spekulieren. Zum einen könnte man die protestantische Ethik als eine der Urwurzeln des Sparwillens ansehen. Max Webers Auseinandersetzung mit der protestantischen Ethik und dem Kapitalismus ist hier ein erster Ansatz. Aus diesem Blickwinkel ist Konsumverzicht und Sparen gewissermaßen eine heilige Pflicht.

Zum anderen wäre es auch möglich, dass die Finanzdienstleister - mit den Versicherern an der Spitze - eine geschickte Propagandamaschinerie ins Rollen gebracht haben, um an die Spargelder heranzukommen. Die Monstranz des Konsumverzichts flankiert das Dogma der kapitalgedeckten Altersvorsorge ja aufs Allerbeste.

Glaube an das Gute
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24 Kommentare zu "Kleinleins Klartext: Sparen Sie sich den Konsumverzicht!"

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  • Doch, man kann Konsumerlebnisse akkumulieren, um sie sich fürs Rentenalter aufzuheben, indem man z.B. zu seinem zu seinem Edelmetallhändler geht, und ein paar schöne "güldene" Münzen kauft.
    Man hat ein nettes Einkaufserlebnis und tut was fürs Alter.
    Hingegen, "Was sagt dir dein Versich´rungswicht?
    Dein Ziel sei der Konsumverzicht".

  • @Licuala
    Jeder Kapitalaufbau beruht darauf, dass nicht mehr direkt von der Hand in den Mund produziert wird, sondern auf immer indirektere Weise

    Sie haben da was falsch verstanden.
    In diesem Artikel geht es nicht um Kapitalaufbau oder Erhalt, sondern um Kapital- und Kaufkraftverbrennung.

    Schönen Tag noch,

  • @Stb

    Der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung ist zum großen Teil der Verpflichtung der Bundesregierung unter Kohl geschuldet. Damals hat man der Rentenversicherung riesige Summen an artfremden Leistungen aufs Auge gedrückt und die Finanzierung den nächsten Generationen aufgebürdet.
    Ich weis, man spricht nicht gerne über diese Verpflichtung.

    Schönen Tag noch

  • @ihr:

    Warum die deutschen Riester-Sparer griechische Beamte zahlen?

    Ganz einfach: Die Riester-Beiträge werden in Staatsanleihen angelegt. Gleichzeitig erfolgt ein Lock-In der Sparer (sie kommen bis zur Auszahlung nicht mehr an die Einlagen ran). Der Staat bringt nun via EZB die Zinsen unterhalb der Inflationsrate und entschuldet auf diesem Wege sich und all die anderen Pleite-Staaten - mit Ihrem Riester-Geld!

    Wer profitiert von der üppigen Behebbarkeit von Staatsanleihen? Richtig, die Pleitestaaten, die sonst nichts mehr bekommen würden. Und davon profitieren unter anderem Hunderttausende grichische Beamte!

  • In einer Welt, in der fast alle nur noch auf Pump leben und dem vorgezogenem Konsum frönen, drückt Kleinleins Empfehlung "Sparen Sie sich den Konsumverzicht!" nur das allgegenwärtige Lebensmotto aus. Wäre die Menschheit diesem Motto von Beginn an gefolgt, lebten wir noch immer unter Steinzeitniveau. Um aus der Spirale der Armut zu gelangen, musste schon Robinson seinen Konsum an Fisch einschränken, um sich einen Tag nicht mit dem Fang neuen Fischs sondern mit der Verbesserung seiner Fangmittel beschäftigen. Konsumverzicht stellt eine schwierige Aufgabe dar, die nur wenige höhere Tiere zustande bringen und bei Weitem nicht alle Menschen. Jeder Kapitalaufbau beruht darauf, dass nicht mehr direkt von der Hand in den Mund produziert wird, sondern auf immer indirektere Weise. Die Vorleistungen reichen bei einem Wachstum der Kapitalstruktur immer weiter zurück. Wer meint, dass Armut das Sparen und daher die Kapitalbildung unmöglich macht und dass es zynisch ist, einem Armen das Sparen zu empfehlen, vergisst, dass es niemals eine menschliche Entwicklung gegeben hätte. Nur durch die kulturelle Leistung, nicht alles, was wir der Natur abringen, sofort aufzubrauchen, sondern Vorräte aufzubauen, kluge Produktionsumwege einzulegen, mutig Neues zu wagen und die knappen Güter zu riskieren sowie die wachsenden, filigranen Strukturen des so entstehenden Kapitals zu hüten und nachhaltig zu bewirtschaften, führt zur Verbesserung der Lebensverhältnisse. Wer auf Kosten anderer lebt, tut sich leicht, über die materiellen Bedingungen menschlichen Überlebens hinwegzusehen. Kleinleins Empfehlung führt zurück in die Steinzeit. Man kann sicherlich darüber streiten, ob man für den Aufbau einer Altersvorsorge überteuerte Versicherungsprodukte benötigt, aber Konsumverzicht ist der Anfang von allem.

  • @ Adam Schmitz
    "zu Gunsten griechischer Beamter". Erklären sie mir bitte mal diese Weg!
    Rentenzahler bezahlen die Renten der Zwangsarbeiter des zweiten Weltkriegs, weil nur sie daran verdient haben - deshalb erfolgt dort keine Steuerfinanzierung. Aber die grieschichen Beamten, wie werden die aus der Rentenklasse bezahlt?

  • Der einzige Grund, nicht in den Moloch der gesetzlichen und privaten Rentenversicherungen einzuzahlen, ist für mich, daß es sicher ist, daß die Papiergeldwährungen crashen werden.

    Ob meine außerhalb der üblichen Absicherungen getroffene Vorsorge überlebt, ist wie jede Investition in diesen Zeiten, nicht sicher. Dabei ist es gleich, ob es sich um Edelmetalle, Grund + Boden in der EU oder ein Investment in eine Kokosplantage in der Karibik handelt.

    Ich möchte die Sicherheit, daß ich dem Staat, der mich getreten, gerupft und geschunden hat, zumindest eine klitzekleine Retourkutsche in Form von Not-Hartz IV o.ä. rausreißen kann, wenn der Laden irgendwann komplett hoch geht.

    Gänzlich leer ausgehen lassen kann die verlauste und verlogene Polit-Mafia die Bürger nicht, wenn sie selbst komfortabel überleben will.

  • Kann man es nicht viel kompakter formulieren?

    Der Bürger soll heute auf Konsum verzichten damit die Versicherungen mitsamt Ihrer Drückerkolonnen heute konsumieren können.

    Wenn die Rendite ausbleibt oder gar das eingezahlte Kapital an Substanz verliert springt mal wieder der Steuerzahler ein.

  • Konsumverzicht und Sparen ist nicht falsch, sondern richtig. Aber Riesterrente und KLV sind mehr als Konsumverzicht. Es sind zuallerst Verbindlichkeiten, die man jahrzehntelang erfüllen muss. Man kann und muss(!) Geld sparen, ohne Verbindlichkeiten einzugehen. Wer das Geld auf dem Tagesgeldkonto parkt, geht keine Verbindlichkeiten ein. Wer Aktien kauft, bekommt nicht nur eine starke Rendite, sondern hält in seinen Händen eine Ware, die höchstwahrscheinlich problemlos wieder los wird, wenn er liquide Mittel benötigt. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann die Aktie auch mit Gewinn verkauft werden.

    Ich bin seit drei Jahren am Aktienmarkt und meine Dividenden werden in diesem Jahr (ich erwarte noch Zahlungen) über 1500 € netto betragen. Hätte ich mit 27 eine Riesterrente abgschlossen, hätte ich vierzig Jahre warten müssen, bis endlich mal etwas zurückfließt.

  • @ Rentenluege
    Vielleicht sollten Sie die Frage mal anders herum stellen: Wozu zahlt jemand in eine gesetzliche Rentenversicherung ein? Wie wäre es damit: Weil er nicht frei ist! Und wer ist das? Genau, derjenige der durch einen Arbeits-, Anstellungs- oder Besoldungsvertrag gebunden ist und sich deshalb auf einen entsprechenden Schutz durch den Gesetzgeber beruft. Zu Recht fordert der dafür auch Gegenleistungen.
    Wenn Sie sich wie andere davon frei machen wollen, dann machen Sie keine solchen Verträge. Wenn nicht, dann lassen Sie wenigstens denen ihre Freiheit, die eigenverantwortlich leben wollen.

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