Kleinleins Klartext
Warum Aktionäre die Feinde der Verbraucher sind

Gewinne für die Aktionäre von Versicherungen sind nur möglich, wenn weniger Überschüsse an die Kunden gehen. Perfide ist dabei, dass auch Gewinne aus den staatlich geförderten Verträgen den Aktionären zugehen.
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Deutschland ist ein Land der Vereine. Knapp 600.000 Vereine gibt es nach Zählung Mitte 2013, Tendenz steigend. Darunter auch eine Reihe von so genannten Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit. Dabei handelt es sich um Versicherungsunternehmen, die als Verein geführt werden. Alles gehört dann den Vereinsmitgliedern, es gibt neben den Vereinsmitgliedern erst mal niemanden, der vom Versicherungsgeschäft profitieren will.

Abgekürzt wird ein solcher Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mit „VVaG“. Man beachte das „kleine A“ - im Gegensatz zur „AG“, zur Aktiengesellschaft mit dem „großen A“. Bei letzteren gibt es die Aktionäre, die durch ihr Investment in den Versicherer Gewinn machen wollen.

Ein Beispiel für eine solche AG ist die Allianz Lebensversicherungs AG. Die hat eigentlich nur einen ernsthaften Aktionär, die Muttergesellschaft. Aber auch die Mutter (und Großmutter) möchte viel Gewinn machen und ist als Versicherungskonzern wiederum ihren eigenen Aktionären „verpflichtet“.

Die Pflicht einer Aktiengesellschaft gegenüber den Anteilseignern besteht darin, möglichst viel Gewinn zu machen und möglichst hohe Dividenden auszuschütten. So wie dieser Tage beobachtet, als die Allianz eine spürbare Steigerung der diesjährigen Ausschüttungen ankündigte.

Das ist schon bemerkenswert: Die Kunden der Allianz sollen sich - bei geringen Überschüssen - in Gleichmut üben, und gleichzeitig werden die Aktionäre immer besser bedient. Und zusätzlich geriert sich der Versicherer – wie die anderen Unternehmen auch – als Wahrer der sozialstaatlichen Tugenden. Die Verbraucher sollten doch bitteschön stetig Altersvorsorge betreiben und fleißig in ihre Riester-, Rürup- oder Basisrenten einzahlen. Und man solle doch glücklich sein, dass die Versicherungswirtschaft diese großartigen Altersvorsorgeangebote überhaupt vertreibt.

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„Der Aktionär gewinnt!“

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  • In dem Beitrag kommt mir die Rolle der BaFin zu kurz. Letztlich kann man sie doch als staatlich organisierte Lobbyistenvereinigung verstehen.

    Ist es nicht an der Zeit die BaFin dem Ministerium für Verbraucherschutz zu unterstellen und eine zaghafte Korrektur einzuleiten?

    Ansonsten fehlt mir die Diskussion bzw. Regelung um die Enteigung der Versicherten nach § 153 VVG. Diese Regelung ist in keinster Weise mit dem Grundsatz der Rechtssicherheit in Deutschland subsummierbar. Es sei denn, man argumentiert, dass es moralisch unmöglich ist, seitens des Versicherten bei Ablauf der Versicherung auch noch einen Auszahlungsbetrag zu erwarten.

  • Vielleicht sollten dann die Versicherten darüber nachdenken, sich direkt an der AG zu beteiligen. Der mit Abstand beste Weg, um an den Gewinnzuwächsen teilzunehmen. Im Übrigen ist die Aktie - als Beteiligung am Volkskapital - langfristig die einzig sinnvolle Art und Weise der Altersvorsorge. Leider kehren die Deutschen, wie wir heute wieder der Presse entnehmen durften, der Aktie den Rücken und überlassen anderen die Gewinne. Und dann kommt auch noch der Staat und will als erstes auf Aktien eine Finanztransaktionssteuer einführen. Ist doch alles irgendwie unlogisch, oder vielleicht doch nicht?!

  • Herr Kleinlein, als Versicherungsmakler schätze ich Ihre Kommentare durchaus sehr, zeigen sie mit dem Finger doch immer wieder auf relevante Defizite der Versicherungsbranche. Diesmal ist mir die Darstellung aber zu einseitig. Wenn dem so wäre, daß die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) so vorteilhaft wären, müßten sie sich doch im Wettbewerb durchsetzen. Ich selbst kann da keine eindeutig signifikanten rechtsformbedingten Vorteile gegenüber den AGs erkennen, weder bei Überschussbeteiligungen noch in der wichtigen Produktinnovation (ceteris paribus). Vielmehr ist es doch so, daß viele VVaG's einfach eingeschlafen sind, weil sie keine "gierigen" Aktionäre dazu drängeln, wettbewerbsfähige Produkte zu erzeugen. Außerdem: wieso soll es in einer Marktwirtschaft falsch sein, wenn Unternehmen und deren Kapitalgeber Geld verdienen? Ich finde diese Meinungstendenz, daß es unanständig ist, mit der Erzeugung von Finanzprodukten, geschweige denn mit der Beratung dazu, Geld zu verdienen, sehr fragwürdig. Mein Bäcker verdient mit dem Verkauf von Brötchen an mich auch Geld. Er muß mir gegenüber nicht mal seine Kostenstruktur geschweige denn seinen Profit ausweisen. Gleiches gilt auch für langfristige Investitionen wie z.B. Immobilien, die durchaus auch der Altersvorsorge dienen. Erwarten Sie von einem Non-Profit-Altersvorsorgeanbieter oder vom Staat direkt - ohne Wettbewerb - bessere Produkte? Ein Staatsfonds á la Norwegen würde schon aufgrund der Größe für Deutschland nicht funktionieren. Ein wichtiges Problem ist doch auch, daß aufgrund der unsinnigen gesetzlichen Anlagevorschriften für Lebensversicherer in Deutschland die meisten Altersvorsorgesparer an Aktienwertentwicklungen quasi nicht teilnehmen, zumindestens in den klassischen Policen, die den höchsten Marktanteil haben. Die Briten machen es da schon Jahrhunderte besser. Obwohl natürlich auch da nicht alles perfekt ist....

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