Kleinleins Klartext: Warum die PKV einen „Nichtzahlertarif“ braucht

Kleinleins Klartext
Warum die PKV einen „Nichtzahlertarif“ braucht

Wenn Kunden kein Geld mehr haben, um ihre Beiträge für die private Krankenpolice zu begleichen, wird es für die Versicherer teuer. Die Politik lässt die Branche ebenso wie die Versicherten im Stich.
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Manchmal verfolgen sogar Verbraucherschützer und Versicherer gemeinsame Ziele. Eigentlich jedoch nie, wenn es um Lebensversicherungen oder Altersvorsorge geht und auch nur sehr selten, wenn die private Krankenversicherung diskutiert wird. Manchmal aber dann doch. Auch wenn ich kein großer Freund der PKV bin, so hat der Lobbyverband doch in einem Punkt recht. Nämlich dann, wenn es darum geht, einen „Nichtzahlertarif“ zu fordern.

„Nichtzahlertarif“ ist ein klassisches Oxymoron. In einem Oxymoron werden Gegensätze miteinander verbunden. Das Oxymoron kann dabei zum Beispiel ein Sprichwort sein („Eile mit Weile“) oder auch ein stehender Begriff („virtuelle Realität“). Auch der „Nichtzahlertarif“ ist ein solches Oxymoron. Es geht schließlich zunächst um einen „Tarif“, d. h. um ein Versicherungsprodukt für das eine Prämie zu bestimmen ist, die dann gezahlt werden soll. Zum anderen geht es aber um „Nichtzahler“, also gerade um solche Menschen, die eben kein Geld bezahlen. Das Oxymoron bringt damit das Problem auf den Punkt: Wie kalkuliert man einen Tarif für Menschen, die eigentlich nichts bezahlen?

Erst einmal fragt man sich natürlich, warum ein Versicherer einen solchen Tarif überhaupt braucht. Eigentlich würde man ja meinen, dass eine Person nur dann Versicherungsschutz bekommt, wenn sie auch die Prämien bezahlt. Durch die Krankenversicherungspflicht ist das seit 2009 anders. Es ist seit dem für keinen Bürger mehr möglich, einfach einen Versicherungsvertrag zu kündigen und dann ohne Absicherung dazustehen.

Normalerweise fliegt man aus einer Versicherung raus, wenn man nicht bezahlt. Nicht so in Sachen Krankenversicherung. Wenn zum Beispiel ein kleiner Selbstständiger seine PKV nicht mehr bezahlen kann, dann stellt er zunächst die Zahlung ein. Anders als bei jedem anderen Versicherungsvertrag kündigt ihm das Unternehmen aber nicht. Er wird vom Versicherer immer wieder angemahnt zu bezahlen. Je mehr Zeit verstreicht, desto höher werden die Schulden, denn für jeden weiteren Monat wird ja eine neue Prämie fällig.

Eigentlich hat der nicht zahlende Selbstständige in dieser Zeit auch weiterhin Anspruch auf bestimmte Versicherungsleistungen. Dies bedeutet, er darf sich bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft behandeln lassen, soweit diese Behandlungen erforderlich sind. Er könnte also eigentlich dieses eingeschränkte Leistungspaket abfordern. Normalerweise tun dieses aber gerade diejenigen nicht, die bereits die Prämienzahlung eingestellt haben. Sie haben oft auch Skrupel zum Arzt zu gehen. Das hilft aber natürlich nicht um die Schulden einzudämmen, die Schuldenlast steigt mit jedem Monat stetig weiter, in dem er keine Prämie zahlt.

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Ein Hoch auf den Nichtzahlertarif

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Warum die PKV einen „Nichtzahlertarif“ braucht"

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  • Das Problem ist doch auch, dass in der PKV viele "Nichtzahler" deswegen in extrem teuer gewordenen Tarifen gefangen sind, weil ihnen der eigene Versicherer gar keine Alternativen mehr anbietet (nach § 204 VVG, zum Beispiel) und zugleich alle anderen deutschen PKV einen WEchsel aus "subjektiven Gründen" abblocken. Sonst könnten sich ja Versicherte, die sich teuer gewordene Tarife nicht mehr leisten können, nach einer PKV bei einem anderen Anbieter umschauen. Da aber Personen mit Beitragsrückstand als Kreditrisiko abgelehnt werden, geht das nicht. Herr Kleinlein hat recht, dass der Nichtzahler- oder Nottarif eine(!) Lösung darstellt, vorallem für die Fälle, die bereits im teuren BASIS-Tarif gelandet sind. Aber es wird, wieder mal, leider ausser acht gelassen, dass es noch die EWR-Dienstleister gibt. Die bieten Krankenvollversicherungen an zu bezahlbaren Preisen und eine Leistungsvielfalt von Easy-Jet bis Emirate Air, sozusagen. Bevor ich jemandem halbwegsgesunden in den Nottarif (in dem vorhandene Altersrückstellungen ja aufgebraucht und keine neuen mehr gebildet werden) wechsle, sollte ich fairerweise den Wechsel in eine Krankenversicherung nach Art einer Schadensversicherung bei einem EWR-Dienstleister ins Auge fassen. Da zahle ich unter Umständen nur wenig mehr, habe aber eine vollwertige KV. Und angenommen werde ich auch noch! Einfach mal "Krankenversicherung und EWR-Dienstleister" googeln und sich das in Ruhe ansehen und vergleichen....

  • Sie haben Recht, ich als privat Versicherter möchte nicht weiterhin mit meinen Zahlungen und zusätzlich noch mit meinen Steuern das kranke System der gesetzlichen Versicherungen über Wasser halten. Sehr viel Arztpraxen überleben nur noch wegen der Privatpatienten, sie wären sonst schon lange pleite. Der staatliche Zuschuss zur GKV liegt auch schon im Bereich von 20 Milliarden pro Jahr. Es wird Zeit, dass endlich die Verursacher der Kosten diese auch selbst tragen.

  • Wie sieht es denn in GKV mit Beitragsrückständen aus?

    In der GKV haben sich bis Ende 2012 nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums die Beitragsrückstände auf gut 4,5 MILLIARDEN Euro summiert!!

    Allein durch entfallende Säumniszuschläge wenn der Beitragsschuldner Ratenzahlung oder Stundungsvereinbarungen mit der GKV vereinbart.

    Dies ist eben nicht nur allein ein Thema der PKV.

    @PKV-Ende

    Sorry, bei allem Verständnis für Ihre polemisch vorgetragenenen "Argumente" drängt sich langsam der Verdacht auf, Sie wollen hier durch das ständige Rufen nach einer Bürger-ZWANGSVERSICHERUNG nur Ihre EIGENE persönliche Situation verbessern.

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