Kleinleins Klartext Wenn das Sparschwein hungern muss

Die Versicherer haben den Nachwuchs entdeckt. Zahllose unnütze Policen für Kinder versprechen ein gutes Geschäft. Die Aussagen von Versicherer dazu lassen Zynismus erahnen. Was Eltern wissen sollten.
7 Kommentare
Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Axel Kleinlein gilt aktuell als einer der schärfsten Kritiker der Versicherer. Er ist Vorsitzender des Vorstandes beim Bund der Versicherten.

Es ist schon großartig, wie die Versicherer für jede Zielgruppe gesonderte Produkte anbieten. Es gibt gesonderte Angebote für ältere Menschen, für Berufseinsteiger oder auch die „Rosa Rente“ für Schwule und Lesben. Derzeit haben es die Versicherer aber besonders auf die Kinder abgesehen, bzw. auf den Geldbeutel der Eltern, Großeltern und Paten der Kleinen. Es ist dabei schon spannend zu beobachten, mit welchem Selbstverständnis die Versicherer diese Kundenklientel erobern möchte. Denn „für Kinder geht der Geldbeutel oft leichter auf, weil der Wunsch da ist, das Kind gut in die Welt starten zu sehen.“

Das freut natürlich den Versicherer, wenn der profane Wunsch, etwas Gutes für das Kind zu tun, automatisch den Griff ins Portemonnaie erleichtert! Außerdem profitieren die Versicherer in dem Kindersegment von dem Leitsatz „für mein Kind tue ich alles“, das heißt das Storno ist gering. Also ran an das Neugeschäft ist hier die Devise.

Die Vermittler sind derzeit sowieso etwas traurig, denn „der Unisex ist vorbei“ und es braucht jetzt neue Impulse. Das kann nun eben die Kinderabsicherung sein. Für die Versicherer ist es auch recht einfach die entsprechenden Kunden zu finden. „Über den Riester-Dauerzulagenantrag kommen wir schnell an die Information ob der Kunde Kinder hat.“ jubelt ein Versicherer. „Dies nutzen wir als Adresspotential für unsere Vermittler“. Wer also einen schlechten Riestervertrag abgeschlossen hat, hat nun umso mehr Chancen, dass ihm der Vertreter zusätzlich noch Kinderpolicen aufschwatzen möchte.

Dabei setzt ein bestimmter Versicherer dabei zum Beispiel „bewusst nicht auf die klassische Lebensversicherung sondern auf ein flexibles Hybridprodukt“. Das begeistert natürlich alle Kinder! Denn dann kann der Nachwuchs nicht nur den „klassischen Deckungsstock aktiv nutzen.“ Nein! Es kann sogar „in chancenorientierte Anlageklassen investieren“. Da hilft auch noch der zusätzliche „Garantieschieber“, was auch immer das ist. Also ein tolles Kinderprodukt?

Bedeutsam bei diesen Angeboten ist, nach Ansicht der Versicherer, ja der für Kinder anscheinend so wichtige „lange Sparprozess“, der auch bei Kinderpolicen 20 oder 40 Jahre andauern soll. Da stellt sich trotzdem die Frage, ob es wirklich so wichtig ist, dafür zu sorgen, dass womöglich erst 2050 genügend Geld für den Nachwuchs da ist. Für die Vermittler sind solche langlaufenden Verträge natürlich besser. Mit der längeren Laufzeit steigt die Beitragssumme und dann oft auch die Provision.

Man darf aber natürlich nicht vergessen, dass auch die Invalidität bei Kindern ein enormes Risiko darstellt. „Schließlich ereignen sich in Deutschland 1,8 Millionen Kinderunfälle im Jahr“! Bei 10,8 Millionen Kindern in Deutschland hat also etwa jedes zehnte Kind innerhalb eines Jahres einen Unfall! Da gilt es, das Geld zusammenzukratzen und eine Versicherung zu kaufen, meint man. Man darf aber bezweifeln, ob die Kinderpolicen tatsächlich so wichtig bei jedem dieser 1,8 Millionen Unfälle sind. Man sollte sich also nicht von derart überzogenen Statistiken in einen Vertrag leiten lassen, sondern mit ruhiger Hand einen passenden Vertrag suchen.

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7 Kommentare zu "Kleinleins Klartext: Wenn das Sparschwein hungern muss"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Immer wieder der Kleinlein. Der Mann nervt gewaltig. Ständig nörgelt er an allem herum und hat keine Alternativvorschläge.
    Frei nach Peter Lustig: " Abschalten".

  • Dieser Artikel war schon längst überfällig. Ich hoffe, dass die Eltern hinsichtlich fürsorgenden Angeboten, Verordnungen und Gesetzen kritischer werden. Am Ende geht es immer ums Geschäft, auch wenn manche Mutti oder Oma meint, es ginge um das Wohl des Kindes.

  • glaube eher, dass dermaddin hier den Schlips um hat. In einem Berufe-raten-Quiz wären Sie auch in der ersten Runde gescheitert. Was Herrn Kleinlein angeht... es wird grundsätzlich, zumeist auch recht polemisch, und natürlich die gesamt Branche schlecht dargestellt, ohne viel Differenzierung. Na klar, das ist auch gerade "in" wie ich an den beiden Kommentatoren nach mir erkennen kann. Dass es übereifrige Marketingmitarbeiter gibt, ist wohl keine Branchenspezialität...Zum Sparbuch... was hätte es dann vom Sparbuch gegeben, bei Unfall oder Invalidität Ihrerseits? So um der 6. Lebesjahr? Aber ja ich weiß... nahezu unmöglich, dass einem Kind soetwas widerfährt... Versicherungsschutz nutzt nur dem Versicherer, der dafür Prämien kassiert *gähn*

  • Kommentare zu: Wenn das Sparschwein hungern muss

    liebes Handelsblatt, der Kommentar im Blatt sollte sich dann aber auch nicht auf Provokation beschränken. Ohne konkrete Beispiele, was der Verbraucher tun oder lassen sollte, ist das doch Geschwätz.

  • Da fühlt sich wohl ein Versicherungsvertreter auf den Schlips getreten... Im wahrsten Sinne des Wortes
    Na ja, anonym im HB Forum die Autoren verunglimpfen ohne selbst zu argumentieren bekommen ja viele hier hin, von daher muß man Jieuuup in keinster Weise ernst nehmen!

  • "ernst nehme ich das Gefasel schon lange nicht mehr"
    ...Das ist dann aber Ihr persönliches Problem. Wer Kleinlein gut zuhört(-liest...), kann sicher in seiner Fähigkeit, angebotene Policen zu beurteilen, stets wachsen.

    Wenn Sie etwas kontroverses zu bieten haben, nur raus damit.

    Ich finde es schäbig von Versicherungen, sich über das Kinderschema an die Kohle 'ranzuwanzen'. Angstmache der Versicherer ist das.

    Meine Großeltern haben ein Sparbuch für mich begonnen, da gab es jeden Monat 5,- D-Mark drauf, von Geburt an, da war nachher auch Substanz, und zwar unabhängig von irgendwelchen Klauseln. Rechnen Sie mal, monatliche Zinsbuchung, compound interest, 18 Jahre lang.

  • ach der Kleinlein schon wieder, mal wieder mit einer seiner langweiligen pauschal Verunglimpfungen einer gesamten Branche. Ich kann's nicht mehr hören (bzw. lesen) und ernst nehme ich das Gefasel schon lange nicht mehr.

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