Kleinleins Klartext
Wenn der Schiedsrichter schläft

Nur wenn Verbraucher bereits geschädigt wurden, wird die Versicherungsaufsicht richtig aktiv. Und auch dann meist nicht zugunsten der Geschädigten. Die Regierung sollte der Aufsicht zusätzliche Verantwortung geben.
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Stellen Sie sich vor, es gäbe beim Fußballspiel nur desinteressierte Schiedsrichter. Der Schiri würde etwa nur dann pfeifen, wenn es nach einem Foul einen Schwerverletzten gibt. Wenn ein Tor geschossen wird, kümmert er sich nicht darum.

Und nur wenn man ihn vor das Sportgericht stellt, bezieht er überhaupt Position und äußert sich dazu, ob ein Torschütze im Abseits stand oder nicht. Ansonsten hat der Schiedsrichter die Überzeugung, dass sich die beiden Mannschaften schon einigen werden und schlummert lieber leise vor sich hin.

Es bestände die Gefahr, dass große, reiche und starke Mannschaften die kleineren einfach dominieren und alle Möglichkeiten nutzen würden, die sie durch Größe und Geld haben. Diese machtvollen Mannschaften können einfach darauf setzen, dass die kleineren Mannschaften keinen so langen Atem haben. Zum Beispiel, wenn es darum geht, vor dem Sportgericht ihr Recht einzuklagen. Vielleicht haben diese Mannschaften aufgrund ihres Erfolges auch eine größere Fananhängerschaft und sorgen damit für eine vorteilhafte Hintergrundkulisse.

Wäre das nicht ungerecht? Wo bleibt denn da der Sportsgeist? Ein Schiedsrichter sollte doch gerade dafür sorgen, dass es im Spiel sauber zu geht. Ein Schiedsrichter, der erst in einem langwierigen Gerichtsverfahren hilft, trägt wenig zu einem fairen Spiel bei.

Wer sich aber auf das Spielfeld der Versicherungen begibt und als Verbraucher den großen Unternehmen begegnet, der steht genau vor einem solchen Problem. Sie finden zwar in den Unterlagen immer den Hinweis, dass es eine Aufsicht gäbe. Die Aufsichtsbehörde BaFin ist aber kein aktiver Schiedsrichter wie man ihn aus dem Fußball kennt. Sie ist vielmehr der Schiedsrichter, der erst im Nachhinein tätig werden kann.

Dieses Prinzip, nur dann tätig zu werden, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, nennt der Gesetzgeber „Missstandsaufsicht“. Die Aufsicht wird nämlich meist erst dann tätig, wenn ein Missstand vorliegt. Nur wenn Verbraucher bereits ernsthaft geschädigt wurden, wird die Aufsicht richtig aktiv. Und auch dann meist nicht zugunsten der Geschädigten, sondern hauptsächlich mit dem Ziel, das Unternehmen, das gefoult hat, zur Raison zu bringen. Die Verbraucher müssen vor Gericht ihre Ansprüche alleine durchkämpfen.

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Im Versicherungswesen sollte es fairer zugehen

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Wenn der Schiedsrichter schläft"

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  • Einerseits kämpfen Versicherungsunternehmen um Ihren guten Ruf, andererseits ist Ihr Regulierungsverhalten -zumindest in bereits eskalierten Fällen- für den Kunden oft völlig unverständlich. Was ist die Lösung? Der Ruf nach noch mehr Aufsicht für die VU ist es jedenfalls nicht. Den Parteien ist zu raten, ihren Konflikt z. B. in einer Mediation zu bearbeiten und wieder zu befrieden. Und das so schnell wie möglich !
    Thomas Albert Klein

  • Hallo Herr Kleinlein,

    bei allem Respekt aber ich finde es absurd, den Schiedsrichter eines Fußballspiels mit der BaFin zu vergleichen. Wenn ich als Versicherungskunde z. B. nicht mit dem Rückkaufwert meiner Rentenversicherung zufrieden bin, renne ich doch nicht gleich zur BaFin. Der Weg zum Versicheungsombudsmann ist für mich als Verbraucher doch viel naheliegender und zielführender. Wenn ich mich aber wie Sie als Verbraucherschützer mit den Versicherern anlegen will, klar, dann wäre die BaFin der richtige Adressat.

    Wenn ich mich als Verbraucher wegen meiner kleineren oder größeren Probleme mit Versicherern direkt an die BaFin wenden würde, wäre das in etwa vergleichbar, wenn sich ein Fußballspieler aus Unzufriedenheit über eine Abseitsentscheidung direkt an den DFB oder besser noch an die FiFa wenden würde. Auf so eine absurde Idee käme aber kein Fußballspieler.

    Ihr Vergleich hinkt noch an anderer Stelle. Wenn ein Fußballspieler zum Schiedsrichter rennt, um für seinen Gegenspieler eine gelbe Karte zu fordern, kriegt er dafür selbst eine Karte, da dieses Verhalten im Fußball als unsportlich gilt - selbst wenn der Gegenspieler der größte Rüpel ist und eigentlich eine Bestrafung verdient hätte. Als unzufriedener Versicherungskunde kann ich mich zum Glück ständig beim Versicherungsombudsmann oder der BaFin beschweren. Ich werde bestimmt nicht vom Platz gestellt.

  • Ach Herr Kleinlein, so funktioniert die Welt einfach nicht.
    Das einzige was hilft ist Wettbewerb und Transparenz. Die Aufsicht ist gar nicht in der Lage mehr zu leisten. Das einzige was man mit mehr Aufsicht erreicht ist mehr Bürokratie.
    Es würde weit mehr helfen die Ausrichtung der Aufsicht und der Gesetzgebung auf Transparenz und Wettbewerb zu trimmen. Dann hätten die Verbraucher viel eher eine Chance.
    Da aber der Arbeitsplatzschutz immer Priorität genießt, muss man mit den Folgen der mangelnden Marktkontrolle leben.

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