Kleinleins Klartext: Wie die Allianz den Garantiezins gestaltet

Kleinleins Klartext
Wie die Allianz den Garantiezins gestaltet

Die Kreativität der Versicherungsmathematiker ist groß, insbesondere wenn es um den Garantiezins in der Lebensversicherung geht. Das zeigt sich auch an einem neuen Produkt des Marktführers.
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Mathematiker sind von Haus aus sehr kreativ. Das müssen sie sein, das haben sie im Studium gelernt. Anders als Ärzte, Juristen oder Biologen müssen Mathematiker im Studium nämlich nichts auswendig lernen, sondern alle Theoreme, Beweise und Lemmata immer eigenständig herleiten können. Da ist Kreativität von Nöten. 

Auch Versicherungsmathematiker (im Fachjargon Aktuare) können diesen Drang zur Kreativität nicht ablegen. Zwei Beispiele dieses unbändigen Einfallsreichtums durften wir in den letzten Wochen kennenlernen: Die neuen Garantie-Angebote der Ergo und Allianz. Besonders letztere wartete mit einer neuen Garantiekonstruktion auf, die bislang ihresgleichen sucht (und hoffentlich auch nicht so schnell findet). 

Was ist nun das Neue an der „Perspektive“? In der Produktpräsentation wird erst einmal darauf verwiesen, dass die Kundengelder über das klassische Sicherungskapital angelegt werden, in einem „hervorragenden Spezialfonds“. Diese Kapitalanlage ist in der Tat nicht die schlechteste. Neu ist das aber nicht, sondern im Klassiktarif seit über hundert Jahren üblich. 

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Ein großer Unterschied zum Klassiktarif: Es wird in der „Perspektive“ nur garantiert, dass zu Rentenbeginn mindestens soviel Kapital zur Verfügung steht, wie an Prämien insgesamt eingezahlt wurde. Anders als beim Klassiktarif scheint sich die Garantieleistung also nicht über einen Rechnungs- oder Garantiezins zu errechnen. Bedeutet das nun, dass die „Perspektive“ bis zum Rentenbeginn keinen Rechnungszins kennt? 

In den Versicherungsbedingungen gibt es einen Paragrafen, in dem ausdrücklich die für den Vertrag gültigen „Rechnungsgrundlagen“ aufgeführt werden. Demnach gibt es sogar einen Rechnungszins von 1,75 Prozent, der aber anscheinend nur zur Ermittlung der garantierten Rentenhöhe verwendet wird. Ansonsten gibt es keinen Hinweis auf eine Verzinsung auch vor Rentenbeginn. 

Wer sich dann mit dem Produktinformationsblatt beschäftigt stellt fest, dass es ein sogenanntes „Deckungskapital“ gibt. Dieses errechnet sich über den „verzinslich angesammelten Teil des Beitrags“. Es gibt also doch auch von Anfang an einen Zins, der irgendwie auf einen Teil des Beitrags angesetzt wird. Nur wie hoch der ist, das ist schwer zu erkennen. 

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Wie die Allianz den Garantiezins gestaltet

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Transparenz sieht anders aus

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Wie die Allianz den Garantiezins gestaltet"

Alle Kommentare
  • Wenn Kritiker kritisiert werden, mit dem Argument, das Sie das Produkt nicht verstehen? Was sollen da erst Kunden verstehen können? Oder sollen sie eigentlich auch nichts verstehen? Inklusive Vermittler!
    Es ist garantiert, dass nichts garantiert ist. Siehe VVG §§ 153, 163, 169 und VAG § 89. Das sind die Fakten. Punkt. Rentenversicherung für 20,30,40 ...80 Jahre an Kunden zu vermitteln, bedeutet der Kunde geht eine Wette ein, die der Anbieter meist gewinnt. So kann ich Herrn Bluhm nur 100 % zustimmen. Als Versicherungsmakler kann ich diese untauglichen Produkte ( Rürup -und Riester -R Enten...der Höhepunkt des privaten Renten-Schwachsinns) nicht empfehlen.
    Herr Bluhm hat den Lösungsansatz schon beschrieben. Ein weitere wäre die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung, zurück zum Stand ( rentenformel ) vor 2001. Dann ist das Problem ( fast) gelöst.
    E.S. Versicherungsmakler

  • Warum verstehen manche Leute nicht, das die Renten/Lebensversicherungen nicht gekürzt werden? Lediglich die Prognosse wird gesenkt und daher kommt eine niedrigere Leistung raus.
    Informieren Sie sich mal bezüglich den Begriffen Garantieleistung und Gesamtleistung...

    Sie können sich dann beklagen, wenn Ihnen die damalige Gesamtleistung als "garantiert" versprochen wurde. Aber dann ist immer noch der Vermittler haftpflichtig und nicht irgendeine Versicherung.

    Diese Stammtischparolen helfen niemandem weiter!

  • Machen wir uns doch nichts vor:

    Allianz und ERGO sind auf dem Rückzug, dies lediglich unter vertraglicher und sprachlicher Verschwurbelung. Doch immerhin: WENN ein Versicherer offen und ehrlich einräumt, dass er nichts garantieren kann und will, ist das doch ein erster Schritt in die richtige Richtung. NUR: Machen Allianz und ERGO dies wirklich deutlich? Erschließt es sich dem "durchschnittlichen Versicherungsnehmer"? Oder steht es nur im Kleingedruckten, während im Großgedruckten weiterhin Fehlvorstellungen erzeugt werden, so dass sich die Kunden reichdenken können?

    Ferner macht der Vorgang erneut klar, dass die kapitalbildenden Versicherungen überflüssig wie ein Kropf sind: Wer Familie hat, sollte zunächst einmal für eine angemessen niedrige Prämie eine ausreichend dimensionierte Risiko-Lebensversicherung abschließen. Wer dann noch Geld anlegen will, dem bietet nahezu jede organisatorische Alternative die gleiche (oder eine höhere) Rendite, dies bei niedrigeren Kosten und voller Flexibilität. Die (zudem nur hälftige) Steuerfreiheit der Kapitalerträge ist schließlich kein Lockmittel mehr, wenn die Kapitalerträge nur knapp über der Verdunstungsgröße liegen.

    Alles dies gilt nicht nur für die kapitalbildende Lebensversicherung, sondern auch für die kapitalbildende Rentenversicherung. Auch hier ist ein intelligenter (und kostengünstiger) Sparplan mit späterem Verzehr des Angesparten fast immer die bessere Lösung. Wer meint, dass der Versicherer im Falle einer Rentenversicherung immerhin das Langlebigkeitsrisiko trägt, der übersieht, dass jeder Rentenversicherer diesem Risiko durch die Wahl geeigneter Sterbetafeln mit zusätzlichen Sicherheitszuschlägen Rechnung trägt.

    Also, liebe Versicherer: Macht EUER Geschäft. Deckt zu fairen Konditionen Risiken ab und bezahlt Eure Vermittler HIERFÜR angemessen. Überlasst die Organisation von Sparvorgängen anderen und macht Euch dabei bewusst: Das "Alter" ist KEIN "Risiko", denn es ist "sicher".

  • Axel Kleinlein will das Produkt nicht verstehen. Der Verbraucher/Kunde bekommt im Vergleich zur klassichen Lebensversicherung eine bessere Verzinsung und verzichtet dafür auf den garantierten Rechnungszins von 1,75%

    Für 1,75 % werden wohl die wenigsten "sparen" bzw eine Renten oder Lebensversicherung abschliessen.

    Also rechnet jeder Verbraucher insgeheim mit einer höheren Verzinsung und die hat die Allianz im Prinzip die letzten Jahrzehnte zuverlässig geliefert. Daraus läßt sich auch für die Zukunft eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Verzinsung im oberen Marktbereich ableiten und zwar für die klassische Rentenversicherung mit Garantiezins und für das Angebot ohne Garantiezins mit Renditeaufschlag.
    Man muß die Allianz nicht mögen, aber man könte die Leistungen im Anlagebereich auch für die Rentenversicherungskunden objektiv dasrstellen und dann auch ein ojektiv eher positives Fazit ziehen.
    Oder man haut halt einfach mal drauf, schon aus Prinzip.

  • die Aussage betreffend der bAV passt ohnehin vorne und hinten nicht.pauschalieren sollte man es tatsächlich nicht.du wirst dein eingezahltes netto mit immer mehr herausbekommen da die auszahlung abzüglich auf den gezahlten bruttobeitrag erfolgt nach abzug von steuern und sozialversicherungen.
    es wird ständig auf den garantiezins verwiesen.viellleicht ist es mal lobenswert hervor zu heben dass versicherer auch in den letzten jahren knapp 4% auf die sparbeiträge gutgeschrieben haben und diese sind gutgeschrieben!
    made in germany leute!nirgedns gibt es einen garantie zins von a. 4 %.Verscherer schon!
    denn die geamtverzinsung ist in dem laufenden jahr garantiert!augen auf ihr selbsternannten aktienkönige.....

  • Das Problem ist, dass Axel Kleinlein das Produkt "Allianz Perspektive" nicht verstanden hat. Dieses Produkt richtet sich an Kunden, die eben nicht den Garantiezins suchen und dafür Versicherungsbedingungen wälzen oder diesen mit Hilfe eines Mathe-Diploms ausrechnen wollen. Der Erhalt der gezahlten Beiträge wird garantiert, welcher Zins dafür notwendig ist um dies aus dem Sparguthaben zu erreichen, ist für den Kunden doch zweitrangig.

    Dem Kunden wird eine geringere Leistung garantiert als bei Klassik, daher bekommt er eine höhere Gesamtverzinsung. Die Kosten sind in aller Regel die gleichen wie bei Klassik. Das heißt, schließt heute jemand Klassik ab mit der Erwartung, dass die Gesamtverzinsung während der gesamten Laufzeit über der Garantie liegt, dann stellt sich die Frage, warum er nicht Perspektive abschließt.
    Übrigens bietet die Cosmos schon seit April das Flexible Vorsorgeprodukt ab dem 4. Versicherungsjahr mit einer garantierten Verzinsung von 0,5% an mit Kosten ausschließlich auf das Kapital in Höhe von 0,5%. Also wird dort auch nicht mehr garantiert als der Kapitalerhalt. So einzigartig neu ist die Perspektive der Allianz also gar nicht.

  • Was Allianz und Ergo hier bieten, sind im Grunde genommen, Rückzugsgefechte, denn das Modell der Lebensversicherung gewohnter Art wird an der Nullzinspolitik der EZB zugrundegehen. Wenn die ersten L-Versicherungen anfangen, ihren Deckungstock mangels Kundennachschub zu reduzieren, wird das Überangebot auf dem Anleihemarkt die Kurse drücken und die Zinsen nach oben drücken. Dann setzt der run zum Notausgang ein.

    Merke: eine Zentralbank kann wohl den Zins drücken durch Anleihekauf, was die EZB auch kräftig tut. Sie kann jedoch nicht den Zinsanstieg bremsen, wenn der Markt es anders will. Dazu ist einfach zuviel Material in Umlauf.

    Im übrigen ist es gleichgültig, ob der crash von dieser Seite kommt oder weil der Markt den Zentralbanken nichts mehr glaubt. Kommen wird er!

  • Den Lobgesang auf die Mathematiker verstehe ich, aber es gibt größere!

    Wenn ich Paragr. 153 VVG lesen, dann bescheinige ich der BAFin, dass sie zaubern kann? Hier der Beweis:

    Paragr. 153 VVG
    "(3) Der Versicherer hat die Bewertungsreserven jährlich neu zu ermitteln und nach einem verursachungsorientierten Verfahren rechnerisch zuzuordnen. Bei der Beendigung des Vertrags wird der für diesen Zeitpunkt zu ermittelnde Betrag zur Hälfte zugeteilt und an den Versicherungsnehmer ausgezahlt; eine frühere Zuteilung kann vereinbart werden. Aufsichtsrechtliche Regelungen zur Kapitalausstattung bleiben unberührt."

    Hier die Zauberkunst:
    Der Absatz sagt, dass die anteiligen Bewertungsgewinne des Kunden ermittelt und ihm bei Fälligkeit zur Hälfte ausgezahlt werden.

    Die Frage ist, wo die zweite Hälfte der anteiligen Bewertungsreserven hin verschwinden. Sie sind einfach weg.

    Folglich muss die BAFin gezaubert haben.

  • Habe Info für gekuerzte Auszahlung meiner LV 2014 erhalten.
    Nie wieder Allianz für mich und Angehörige.

  • Sehr informativer Beitrag von Herrn Kleinlein, der auf Kundenfallen der Allianz hinweist. Ich hatte mich kürzlich auch intensiver mit dem Thema beschäftigt, da uns über den AG eine betriebliche AV, ebenfalls bei einer großen, deutschen Versicherung, angeboten wurde und bin auf viele weitere, gängige "Kundenfallen" wie überhöhte Abschlussprovision, fällig in den ersten Jahren, in unserem Fall 2% berechnet auf die Beiträge der nächsten 30 (!) Jahre sowie die langjährige Einzahlung des Sparbeitrags (aufgrund der Kapitalgarantie), in einen quasi unverzinslichen Deckungsstock, für den sich der Anbieter auch noch eine saftige Verwaltungsgebühr herausnimmt usw. Da investiere ich doch lieber privat in einen Aktienfonds, bevor ich am Ende vielleicht nur meine eingezahlten Beiträge (nominal!) wiederbekomme.

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