Kurz und schmerzhaft

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Kolumne „Zschaber zündelt“: Der Aufschwung geht 2013 weiter

Anders als EZB-Chef Draghi und viele Wirtschaftsinstitute sehe ich Deutschland im kommenden Jahr nicht auf Konsolidierungskurs. Im Gegenteil: Ich halte ein potenzielles Wachstum von mehr als 1,5 Prozent für realistisch.

von Markus Zschaber
Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln
Markus C.Zschaber – Zschaber zündelt. Er ist Geschäftsführer der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln

Der Grund: Die fundamentalen Faktoren, die dafür Sorge tragen, dass ein Aufschwung durch Kapital und Investitionen getragen wird, sind heute vor allem auf deutscher Seite zu finden. Das war nicht immer so. In den ersten Jahren, in denen der Euro als Papierwährung existierte, hatte Deutschland neben Italien das niedrigste Wirtschaftswachstum aller Volkswirtschaften der Euro-Zone. Hinzu kommt, dass Deutschland fast über die komplette Zeit des Euros das niedrigste Einkommenswachstum sowie die höchste Arbeitslosenquote in der Euro-Zone vorzuweisen hatte. Bis in das Jahr 2006 war eine Arbeitslosenquote von mehr als zehn Prozent in Deutschland die Normalität. Das wird in der Retroperspektive sehr häufig vergessen.

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Diese Fakten hatte zur Folge, dass Deutschland von internationalen Investoren bis zur Krise 2008 als alles andere als wirklich attraktiv eingestuft wurde, so dass weder erwähnenswerte Direktinvestitionen aus dem Ausland stattgefunden haben, noch einheimisches Kapital (Ersparnisse) innerhalb Deutschlands investiert wurden. Deutschland war schlicht und einfach nicht attraktiv für Investition und internationale beziehungsweise nationale Kapitalströme. Andere Nationen, auch in Südeuropa, versprachen einfach mehr Wachstum und eine höhere Dynamik. 

Die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Während in den vergangenen zehn Jahren die Rendite im Vordergrund stand, steht jetzt die Prämisse der Sicherheit auf der Tagesordnung. Daraus resultiert, dass das Kapital, welches zuvor in das europäische Ausland abgeflossen ist, zurückkommt und hier am Standort Deutschland wieder investiert wird. Aber auch ausländisches Kapital findet in massiven Kapitalströmen den Weg nach Deutschland, da der Glaube an Südeuropa durch die Systemkrise in Europa massiv eingebrochen ist.

Zusätzlich zeigt die Nachfrage nach deutschen Gütern, eines ganz deutlich: Das Gütesiegel „Made in Germany“ steht für außerordentliche Qualität und wird aufgrund der Tatsache, dass wir diese Qualität auch noch zu attraktiven Preisen anbieten können, besonders nachgefragt. Deutschland steht für hocheffiziente Produktion, hohe technologische Innovation und eine verstärkte Arbeitsteilung. Und unsere Unternehmen können auf die zweitbeste Infrastruktur der Welt zurückgreifen.

  • 12.11.2012, 09:51 UhrKlausH

    Dem Artikel kann ich zu 100 % zustimmen und teile die Meinung vom Autor auf jeden Fall, egal wer nun wo mehr partizipiert hat und ob es die Ungleichgewichte gilt abzubauen, auch die seitens Import/Export und in Bezug auf Binnenkonjunktur.... Die Situation die wir in Europa haben hat keiner absichtlich forciert, natürlich zahlt Deutschland für die meisten oder bürgt im Rahmen der Möglichkeiten, dieses kann Deutschland nur, wenn es dem Land selbst besser geht - und dem ist so, Gott sei Dank.

  • 10.11.2012, 14:42 UhrAS1

    Herr Zschaber lässt bei seinem Artikel völlig außer acht, dass gerade Deutschland von einem für seine Verhältnisse sehr niedrig bewerteten Euro in Europa stark profitiert hat. Und deshalb geht es auch den umliegenden Ländern relativ schlecht, weil für sie der Euro beim Export von Warenzu teuer ist. Und nur weil die Länder mit dem Euro diese Ungleichheiten nicht ausgleichen können, ist der Fall des einen Landes mit dem Aufstieg des anderen Landes sehr eng miteinander verbunden. Oder überspitzt ausgedrückt, wir saugen die umliegenden Länder systematisch aus.

  • 09.11.2012, 19:19 UhrUnsgehtsgut2012

    Die Aspekte sind irreführend, wenn nicht grob falsch. Dass Deutschland besser aus der Krise kommt, kann dahingestellt bleiben. Tatsache ist, dass Deutschland auf dem besten Weg ist, sich das Loch zu schaufeln, wo es, wenn sich nichts ändert, hineinfällt. Das Geschäftsmodell, auf die permanente Verschuldung seiner Handelspartner zu setzen, ist ökonomisch nicht sinnvoll und macht Deutschland in merkantiler Weise vom Außenhandel abhängig. Deutschland muss sein eigenes Land bestellen und die Binnennachfrage in den Vordergrund stellen, wenn es nicht Schiffbruch erleiden will. Hält Deutschland an seinem Kurs des Kostendumping fest, wird es ziemlich gerupft aus der Krise kommen oder gar darin "untergehen".

Kolumnen Autoren

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Handelsblatt-Redakteur mit den Schwerpunkten Medien und Telekommunikation. In seinem neuen Buch „Die Nimmersatten. Die Wahrheit über ARD und ZDF“ rechnet er mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab.

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Michael Steinbrecher ist Journalist, Fernsehmoderator und seit 2009 Professor für Fernseh- und crossmedialen Journalismus am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Von 1992 bis Mitte 2013 hat er das ZDF-Sportstudio moderiert und war für das ZDF als Moderator bei zahlreichen Sport-Großereignissen wie Fußballwelt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen vor Ort.

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