Prof. Chiffre
Das Richtige liegt doch so nahe

Die Krankenkassen wollen ihre Überschüsse nicht als Prämien an ihre Versicherten auszahlen. Die Politik will Arztpauschale und Bundeszuschüsse kürzen. Aber daran, die Versicherungsbeiträge zu senken, denkt niemand.
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Im Jahr 2011 erzielten die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) einen Überschuss von etwa vier Milliarden Euro. Zusammen mit den in den Vorjahren erwirtschafteten positiven Salden betragen die Reserven dieser Kassen derzeit etwa 10 Milliarden Euro. Diese Mittel sind allerdings höchst unterschiedlich auf die etwa 150 Krankenkassen verteilt.

Die Politik hat keinen unmittelbaren Zugriff auf diese Finanzpolster, und die Kassen weigern sich, wie eigentlich vom Gesetzgeber vorgesehen, diese Überschüsse in Form von Prämien an ihre Versicherten zu erstatten. Zu diesen Kassenreserven hinzu kommen Rücklagen des Gesundheitsfonds in Höhe von noch einmal knapp zehn Milliarden Euro. Davon stehen – bedingt durch die Reserveverpflichtung des Fonds – sechs Milliarden Euro der Politik als Dispositionsmasse zur Verfügung. Diese Gelder lösen, wie könnte es anders sein, Begehrlichkeiten aus.

Die FDP will - mutmaßlich um im Wahljahr 2013 eine Kriegskasse für wahltaktische Wohltaten zu haben - nicht an die Mittel des Fonds, sondern die Praxisgebühr, die in den Honorartopf der Ärzte fließt und deren jährliches Aufkommen bei etwa zwei Milliarden Euro liegt, abschaffen. Entlastet würden dadurch nicht die Beitragszahler, sondern diejenigen, die einen Arzt aufsuchen (müssen).

Mit der im Jahr 2004 eingeführten Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal sollte die im internationalen Vergleich extrem hohe Anzahl der Arztkontakte von mehr als18 pro Versicherten (!) gesenkt werden Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Mutmaßlich auch deshalb weil diese Quartalsgebühr, ist sie einmal bezahlt, dazu anreizt, die damit für ein Vierteljahr erworbenen Ansprüche auf weitere kostenfreie Arztbesuche auszunutzen. Deswegen sollte es nicht darum gehen, diese Praxisgebühr abzuschaffen, sondern eher darum, sie zu senken und dafür bei jedem Arztbesuch zu erheben.

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  • Was für ein Unsinn !!! Ich bekomme jeden Cent Kassengbühr wieder abgezogen - ich bin als Arzt nur der Eintreiber für die Kassen, mit erheblichem bürokratischem Aufwand.
    Das Argument, dass das Geld "hintenrum" wieder als Honorar zugutekäme, ist nicht stichhaltig, denn das honorar vermehrt sich durch die Kassengebühr ja nicht.

    Noch etwas: der Begriff "Praxisgebühr" sollte entlich verlassen werden - das ist eine Kassengebühr, nichts anderes.

  • Das Handelsblatt sollte auch Aussagen von Rürup besser vorher prüfen. Denn die Praxisgebühr nehmen die Ärzte zwar ein, und es bleibt physisch, dort. Allerdings werden diese Einnahmen von den Honoraren abgezogen, mithin verrechnet. Und zwar auf Kosten der Ärzte, die diese Bürokratie für die Kassen erheben.
    Wer nur die halbe Wahrheit sagt lügt.

  • Dr.NorbertLeineweber: Prof. Rürup mit ihrem dargebotenem Unfug erreichen Sie ein sagenhaftes Niveau. Dieses Niveau messe ich am Sachverständigerat, der die implizite Staatsschuld in den Sozialsystemen auf 5 Billionen Euro schätzt. Das ist genau der Betrag der altersbedingt nicht angespart wurde. In den letzten Jahrzehnten wurden demnach 5.000 Mrd. zu wenig Sozialbeiträge erhoben, zu Lasten der Umlagezahler der nächsten Generation. Wenn Sie diese Zahlen nicht kennen, gehören Sie aus dem wissenschaftlichen Verkehr gezogen. Allein in der Pflegeversicherung fehlt eine Billion. Da könnte man die vermeintlichen Überschüsse schön hernehmen, um endlich einen Grundstein für eine Kapitaldeckung zu legen. Was Sie schreiben hat Tagesspiegel-Niveau ("Diebstahl am Beitragszahler") und damit in einer seriösen Wirtschaftszeitung nichts verloren. Allerdings gehört zur freien Meinungsäußerung auch das Recht sich ordentlich zu blamieren (GG-Kommentar). Von diesem Recht machen Sie ja ordentlich Gebrauch, wobei ich mich auf meine anderen Kommentierungen beziehe. Man müssste das `mal von einem Diplomanden zusammenfasssen lassen.

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