Professor Chiffre
Bis Janus lächelt

Die Euro-Länder ächzen unter ihren Schulden. Die Schulden auf null herunterzufahren ist aber auch keine Lösung. Denn mit den Staatsdefiziten ist es wie mit dem Gott Janus: Sie haben zwei Gesichter.
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Janus war eines der ältesten Mitglieder der römischen Götterfamilie und hatte als Gott des Januar, des Monats des Jahresendes und des Jahresanfangs, zwei Gesichter – ein grimmiges „Wintergesicht“ und ein heiteres „Frühlingsgesicht“. Heute wird etwas als janusköpfig bezeichnet, was zwei sich widersprechende, nicht miteinander vereinbare Seiten hat.

Die Staatsverschuldung hat so ein Janusgesicht. Denn die Kreditfinanzierung öffentlicher Investitionen kann das Wachstum der Wirtschaft fördern und über den Schuldendienst können die Finanzierungslasten gleichmäßiger, vulgo intergenerativ gerechter verteilt werden. Dies ist das „heitere“ Gesicht der öffentlichen Schulden.

Durch Staatsschulden, die bereits sehr hoch sind und nicht zukunftsorientiert verwendet wurden, können aber auch das Wachstum gehemmt und den zukünftigen Generationen zusätzliche Lasten aufgebürdet werden. Dies ist momentan das allgegenwärtige "grimmige“ Gesicht.

Dieser Seite der Staatsverschuldung will man mit den Beschlüssen des Brüsseler EU-Gipfels, in allen Euro-Länder Schuldenbremsen einzuführen, begegnen. Schuldenbremse bedeutet, dass – von schweren Rezessionen oder Naturkatastrophen abgesehen – das strukturelle Haushaltsdefizit nicht über 0,5 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt liegen darf. Da eine Volkswirtschaft im Trend mehr als nur ein halbes Prozent im Jahr wächst, sinkt – wenn diese Regel eingehalten wird – die Schuldenstandquote.

„Ein Staat ohne Schulden tut entweder zu wenig für die Zukunft, oder er fordert zu viel von der Gegenwart.“ Mit dieser Einsicht des preußischen Staatsrechtlers Lorenz vom Stein (1815-1890) im Hinterkopf wird von einer ganzen Reihe von Ökonomen dieser Beschluss wegen seiner Wirkungen kritisiert. „Die Schuldenquote sollte konstant sein und nicht langfristig fallen“, meint zum Beispiel Dennis Snower, der Präsident des KielerInstituts für Weltwirtschaft.

Nun, die Schuldenquote eines Staates konstant zu halten ist sicher dann sinnvoll, wenn die Schulden ihre „optimale“ Höhe erreicht oder Janus lächelt und die Kreditfinanzierung keine negativen Wirkungen auf die langfristigen Wachstumsbedingungen und die intergenerative Verteilung haben.

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Wann Schuldgrenzen Sinn machen

Kommentare zu " Professor Chiffre: Bis Janus lächelt"

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  • Herr Professor, lassen sie das Kommentieren sein. Sie sind wissenschaftstheoretisch behind the curve und entwickeln sich zum Scharlatan. Allein schon die Erwähnung, dass es die "heitere" Medaille sei öffentliche Investiotionen mit Kredit zu finanzieren lenkt vom Thema ab. Das ist unwissenschaftlich und verdreht die Tatsachen. Die Verschuldung wurde nicht zu höheren öffentlichen Investitionen genutzt, sondern zur Finanzierung von Konsumausgaben. Die Investitionsquote des Staates ist bei weiter steigenden Staatsschulden gesunken. Eine Generation hat auf Kosten der vorhergehenden auf Pump gelebt und vererbt diese Last auf meine Kinder. Wenn Sie das nicht anprangern, weil Sie als Berater unter Vertrag sind, ist das Ihr Problem. Sie sollten meine Diss. lesen und meinen Artikel in Norbert Walter (HG) 1993 um sich dann zu schämen, und sich für immer von derart anspruchsvollen Inhalten zurück zu halten. Dass Sie, vor dem Hintergrund Ihrer "Argumentation" einer Derer waren, die die Schuldenkrise nicht antizipieren konnten, spricht für sich und ebnet die Qualität Ihres Beitrages, - um nicht darauf fußend von unterirdisch reden zu müssen. Träumen Sie weiterhin schön von Ihrer optimalen Schuldenquote bis Euroland komplett pleite ist.

  • " Denn die Kreditfinanzierung öffentlicher Investitionen kann das Wachstum der Wirtschaft fördern und über den Schuldendienst können die Finanzierungslasten gleichmäßiger, vulgo intergenerativ gerechter verteilt werden. "

    Investitionen auf Pump ist keine Wirtschaftsförderung, sondern einseitige Wirtschaftssubventionen zu Lasten zukünftiger Generationen! Wenn der Staat heute Kredite aufnehmen muss um seine Zinslasten zu tragen ist das Staatskriminalität, weil Zinswucher zu Gunsten ein paar Weniger!

  • Sehr geehrter Herr Rürup,
    warum werden die Staatsschulden eigentlich immer als Anteil am Bruttoinlandsprodukt und nicht des Staatseinkommen angegeben ?
    Das Bruttoinlandsprodukt steht doch gar nicht zur Tilgung Verfügung. Nur um die 50% genehmigt sich doch der Staat vom Bruttoinlandsprodukt. Das ist doch als ob man bei einem Unternehmen den Umsatz als Maßgröße für die Verschuldung verwenden würde und nicht den Cashflow oder den Gewinn.

    Gut finde ich den Begriff "intergenerative Verteilung", wenn man die Bezahlung der heutigen Ausgaben der nächsten Generation überlässt. Da merkt man gleich, daß es hier eigentlich nur um pure Gerechtigkeit geht.

    Wenn man für diese "intergenerative Verteilung" nur den richtigen Schlüssel wählt, wird auch sofort klar, daß nicht zu einer Wachstumshemmung kommt. Jedenfalls nicht für die jetzige Generation. Eigentlich ganz einfach

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