Professor Chiffre

Buhmann Bankenunion

Der Aufruf der Wirtschaftsprofessoren ist ehrenswert. In ihrer Kritik aber liegen sie falsch: Die Bankenunion ist ein Schritt in die richtige Richtung und Grund zur Hoffnung - nicht etwa zur Sorge.
34 Kommentare
Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Am 5. Juli richteten 172 Wirtschaftsprofessorinnen und -professorinnen einen offenen Brief an die „Lieben Mitbürger“, in dem  sie vor den Gefahren der Eurorettungspolitik der Bundesregierung warnen. Ähnliche Appelle hat es bereits im Vorfeld der Einführung des Euro in den 1990er Jahren gegeben. Es ist gut und richtig, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch auf diesem Wege eine Bringschuld in Sachen Information und Aufklärung gegenüber der Öffentlichkeit erfüllen und dabei ihre Sicht der Dinge erläutern wollen. Und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Ökonominnen und Ökonomen sich dabei kritisch zur Wirtschaftspolitik der amtierenden Bundesregierung äußern.

Das Ärgerliche an diesem Aufruf ist, dass er in seinen  teilweise polemischen Formulierungen und Unterstellungen nicht der Aufklärung dient, sondern mehr zur Verwirrung beiträgt. Ob, wie zu lesen ist, sich „die Kanzlerin auf dem Gipfeltreffen der EU-Länder (zu Entscheidungen) gezwungen sah“, mag aufgrund  interner Informationen aus den Gipfelgesprächen, die den Verfassern dieses Briefs vorlagen stimmen. Definitiv falsch dagegen ist die Behauptung, dass die Etablierung einer Bankenunion, die Risiken vergemeinschaften soll zu den am 28./29. Juni getroffenen Entscheidungen gehört. Und unzutreffend ist es ebenfalls, dass eine Europäische Bankenunion gleichzusetzen sei mit einer kollektiven Haftung für die Schulden der Banken des Eurosystems.

Gewiss das Bündel  der getroffenen Vereinbarungen ist  interpretierbar. Fest steht allerdings, dass nachdem  eine Europäische Bankenaufsicht eingerichtet wurde , Banken, die in Schwierigkeiten sind und deshalb die Kreditversorgung gefährdet ist, direkt Geld aus dem Rettungsschirm bekommen können und nicht mehr - wie im Falle Spaniens -  der Staat dazwischen geschaltet ist. Die Haftungsrisiken Deutschlands sind dadurch aber nicht geändert worden, und bis auf weiteres bekommt keine Bank Geld aus dem Rettungsschirm. Der Begriff Bankenunion taucht in der offiziellen Gipfel-Erklärung nicht auf.

Ziel muss sein, Staaten und Banken zu entkoppeln
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34 Kommentare zu "Professor Chiffre: Buhmann Bankenunion"

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  • Sie sollten einmal mehr die Rettung der Home and Savings Bank of Texas in den Achtzigern untersuchen, da wären sie gewiß gescheiter als diese WIKI-Plattform Ihnen gerade vermittelt hat.

  • Endlich einmal der hier Klarheit spricht. Seit hundert Jahren wird nämlich das Konstrukt FED den BürgerINnen in den USA so verkauft, als ob es eine staatliche Bank sei, mitnichten. Es ist der größte privaten Laden weltweit, der das Geldzählen in die eigenen Hände genommen hat.

    Langsam dämmert es den Menschen hier im Lande. Man muß überhaupt keine rechte Gesinnung haben, um dies zu erkennen. Die Vorfahren und das sind ja wohl nochmal eine Jahrhundert zurück, die hatte ihre Ausbildung unter britischer Flagge genossen, die wiederum versuchten die "Einheimischen" mit einem Genozid zu begegnen. Gott sei Dank ist das bis heute noch nicht so recht gelungen. Und dabei auch nicht die Zerfleischung mit den Südstaaten, diesen Franzosen.

    Tiefer Graben läßt sich stets überwinden, die Wahrheit offen an- und auszusprechen, manchmal auch im eigenen Lande.

  • Was ist der ESM-Vertrag? , http://www.esm-vertrag.com/home, hier findet die Einführung der FED €uropa statt. wie 1913 in den USA.

  • Also zunächst einmal ist es ja ganz lieb von Ihnen, dass Sie nichts dagegen einzuwenden haben, wenn Ökonomen-Ökonomminnen (auch sprachlich ein Genie, dieser Mann) sich äußern. Allein schon dieser Satz ist an Frechheit kaum noch zu toppen. Aber wir kennen ja den guten Herrn Rürup, so schnell ist der noch nicht am Ende! Der Aufruf ist in keinster Weise polemisch, vielleicht sollte man ihn dann doch mal sorgfältig lesen und dann plappert dieser komische Mann genau den gleichen Quatsch wie Herr Schäuble "Es ist verwirrend!" Mann, mann, ich weiß ja nicht, ob da früher mal mehr Grips war, aber die Zeit mit Herrn Maschmeyer hat dem definitiv nicht gut getan!! Aber es verwundert nicht, die Abzocke von den "kleinen" Leuten ist ihm ja nun definitiv nicht mehr fremd!!

  • Ja, Sie Träumer, funktioniert ganz wunderbar! Nehmen Sie irgendwelche bewußtseinsverändernden Chemikalien ein? Oder wollen Sie provozieren? So ein Unsinn ist ja haarsträubend!

  • Lieber Netshadow,

    was auch immer Sie positives hinter der Rettungspolitik vermuten möchten (EFSF, ESM, Bankenunion ect. pp.)oder hinein interpretieren möchten, es geht im Kern immer nur um eine Sache:
    Wie kann dieses marode Finanzsystem noch Tage, Wochen, Monate oder gar (hoffentlich wenige) Jahr am Leben erhalten werden. Zuviele Proviteure laben sich am kranken System. Aber wer soll es bezahlen? Die Investoren und Aktionäre der Banken? Aber nein! Der deutsche Steuerzahler steht im Fadenkreuz. Mit illegalen Gesetzen sollen vollendete Tatsachen geschaffen werden. Das das nicht auf dauer funktionieren kann, muss jedem klar sein. Die Hoffnung der Bürger liegt jetzt auf dem Urteil des Verfassungsgerichts.

  • "Banken, die in Schwierigkeiten sind und deshalb die Kreditversorgung gefährdet ist, direkt Geld aus dem Rettungsschirm bekommen können und nicht mehr - wie im Falle Spaniens - der Staat dazwischen geschaltet ist. Die Haftungsrisiken Deutschlands sind dadurch aber nicht geändert worden,.. "

    Das sagt ein Prof. der Wirtschaftswissenschaften. Das Risiko ändert sich also nicht, wenn ich nur noch einen haftenden (die Banken) anstatt 2 Haftende( den Staat und die Banken) habe.
    Den Staat gibt es ewig, die Banken nicht.

    Muss man über solche Wissenschaftler lachen oder muss man weinen ?

  • @ netshadow: Das Rathaus hat nichts mit dem ESM-Vertrag zu tun.

    Viele Bürger wissen nicht, dass sie sich direkt an die jeweiligen Ministerien wenden können um Auskünfte über Angelegenheiten der Länder und des Bundes zu erhalten.

    In den meisten Fällen sogar schnell und informativ.

  • Genau da liegt doch die berechtigte Kritik am ESM. Es wird zurrest die Schuldenunion gebildet und zwar ohne greifende Regulierungen und erst später soll die Regulierung folgen. Die Schwachpunkte des ESM-Vertrages geben diesem aber volle Autonomie und Immunität der Handlungen - dadurch können spätere Regulierungen umgangen werden.

    Es müssen vorher europaweite Regulierungsgesetze für die Banken erstellt werden und diese müssen dann auch fester Bestandteil des ESM-Vertrages sein.

    Nach den Geschehnissen der letzten Jahre, kann niemand blindes Vertrauen in die Banken erwarten. Kontrolle VOR Schuldensubventionen.


  • "Eine Bankenunion kann eine Haftungsgemeinschaft sein. Wer aber glauben machen will, dass jede Bankenunion zu einer Haftungsgemeinschaft wird, baut ein Schreckgespenst auf."
    "...muss es bei einer nachhaltigen Überwindung einer solchen Krise darum gehen, Refinanzierung und Solvenzsicherung der Banken von der fiskalischen Situation der Staaten abzukoppeln."
    "... eine Bankenunion, bei der es nicht um eine Vergemeinschaftung der Risiken geht, sondern darum, einen für alle Banken des Euroraums geltenden gleichen regulatorischen Rahmen zu schaffen".

    Eine gemeinsame Aufsicht entbindet die Nationalstaaten nicht von der Haftung für ihre jeweiligen Banken. Wer aber die Staaten von dieser Haftung befreien will ("entkoppeln"), der fordert implizit eine Bankenunion, in der die alle Staaten und/oder alle Banken gemeinsam haften.

    Wenn Sie Ihre Landsleute vorsätzlich täuschen wollen, Herr Prof. Dr. Rürup: dann gehen Sie gefälligst in die Politik!

    Burkhardt Brinkmann
    Schwangau

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