Professor Chiffre
Der Euro ist als politische Währung eingeführt worden

Eine Währungsunion und volle nationale Souveränität schließen sich aus. Erst wenn die Politik das beherzigt, kann der Euro gerettet werden.
  • 9

Geburten sind immer blutig und oft laut. Das Gleiche gilt auch für die Geburt von Staaten. Das, was wir seit dem Frühjahr 2010 erleben, war hoffentlich die Einleitung der Geburt der Vereinigten Staaten von Europa und nicht die Einleitung der extrem teuren letalen Phase dieser großen Idee.

Als politische Währung ist der Euro eingeführt worden, um die europäische Integration zu vertiefen und zu beschleunigen. Und da das Zerbrechen der Währungsunion – oder wie von Olaf Henkel empfohlen ein Austritt Deutschlands, Österreichs, der Niederlande und Finnlands aus dieser Union – mit sehr viel größeren ökonomischen Risiken gerade für Deutschland verbunden wäre als die alles andere als billige Umschuldung und Sanierung Griechenlands sowie die Abschirmung anderer Euroländer vor Spekulationsattacken, werden kluge Politiker die Gemeinschaftswährung bis zum Letzten verteidigen.

Die heutigen Beschlüsse des EU-Gipfels reihen sich nahtlos in diese Verteidigungsstrategie ein. Nur, auch ein noch so hoch getrimmter Rettungsschirm kann die beiden Architektenfehler des Euro nicht beseitigen, nämlich den Irrglauben, dass selbst ein mit harten Sanktionen bewehrter Stabilitätspakt ein Ersatz für eine wirklich abgestimmte europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik ist und den Trugschluss, dass es in einer EU, die immer eine Transferunion war und sein sollte, eine EWU geben kann, die keinerlei Transferelemente haben darf. Soll der Euro auf Dauer zu einer Weltwährung werden, müssen alle Staaten der Währungsgemeinschaft neben den Vertrag von Lissabon auch ihre Verfassungen ändern. Kurzum: Eine gemeinsame Währung und volle nationale Souveränität schließen sich aus. Nur über diese Einsicht führt der Weg aus dem jetzigen Schlamassel.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

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  • Die Kolumne zeigt, dass Rürup nichts Substanzielles zur Krisenbewältigung beizutragen hat. Der ehemalige Vorsitzende des Sachverständigenrates ist doch ein Dünnbrettbohrer. Man vergleiche ihn nur mit Hans-Werner Sinn, der ein hervorragendes Buch zur Finanzkrise geschrieben hat und auch die Eurokrise mit brillianten Kommentaren begleitet.

    Dr. Peter Lämmel, Seeheim-Jugenheim

  • @Radek

    Schon okay, der Himmel wird uns auf den Kopf fallen und von den Bäumen hätten wir auch nie runterkletterns sollen und überhaupt war wahrscheinlich schon der Weg aus dem Meer ans Land ein schwerer Fehler ...

    Was Sarko, den ich eigentlich für einen Parvenu halte, in Richtung UK gesagt hat, das unterschreibe ich nur zu gern. England will nicht Teil der EU sind, es hält sich immer noch für den beherrscher der Welt, Britannia rules the waves ... dabei ist es ein nach Thatcher und Blair nur noch ein fauler Bär, der zuckersüchtig geworden ist. Cameron ist nicht gerade ein großes Licht, ein Produkt der Presse, weil er lange genug im "Richtigen" Hintern war und im nachhinein nichts abbekommen haben will von dem Unrat, in dem er großgeworden ist. Jämmerlich.

    Zu Sarko: Ich weiss ja nicht, ob und was Sie von seiner Rede gestern im frazösischen Fernsehen mitbekommen haben - wahrscheinlich wenig, da Sie eh nur die deutsche Sicht der Dinge interessiert.

    Hätten Sie etwas davon mitbekommen, müßten Sie heute mit stolzgeschwellter Brust durch die Gegend laufen, so hinreissend hta meiner Erinnerung nach noch kein französischer Staatspräsident das deutsche (Wirtschafts-) modell angepriesen. In Frankreich wird es zunehmend Mode, die Deutschen in diesen Dingen als Vorbild anzusehen. Das finde ich schon bemerkenswert.

    Aber, bleiben Sie ruhig in Ihrem Kellerloch, verpassen Sie die historischen Momente, grämen Sie sich ruhig weiter in Ihrer depressiven Ideologie.

    Mich hat die Woche fröhlich gemacht. Ich habe zum ersten Mal seit 6 Jahren das Gefühl, daß die Merkelsche endlich mal den Hintern hochbekommen hat - und so wenig ich sie leiden kann - diese Woche gehörte ihr mein Respekt.

    Sie sind offensichtlich weder zum Verständnis der Ereignisse selbst noch deren - historischer - Wertung in der Lage, sitzen in einem nationalistischen Loch, in dem die Panik konstant überschwappt.

    Sei's drum, nicht mein Probelm ...

  • @hardy
    Sie als Berufsoptimist mit der rosaroten Brille sind natürlich unfähig Risiken, die in einem angesteuerten europäischen Bundesstaat lauern zu erkennen, geschweige denn zu benennen.Schon jetzt ist das Klima innerhalb der EU auf einem Tiefpunkt, nehmen sie nur die Ausfälle des französischen Staatspräsidenten in Richtung UK, die absolut negative bis depressive Stimmungslage in Griechenland, die abwegig hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und anderswo. Sie als unheilbarer Euromantiker, dem jeder Realismus abgeht, werden sich allerdings ebenfalls in nicht allzuferner Zukunft auf dem Boden der Tatsachen wiederfinden. Politische Romantik garniert mit den obligatorischen Scheuklappen, die Sie bevorzugen haben dann bis auf weiteres ausgedient.

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