Professor Chiffre: Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau

Professor Chiffre
Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau

Vielleicht wäre es klüger, auf eine Reform der Pflegeversicherung zu verzichten. Dann würde der Beitragssatz von 2,05 auf knapp vier Prozent im Jahr 2050 steigen. Das würde die Wachstumschancen nicht gefährden.
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Die 1995 eingeführte soziale Pflegeversicherung (SPV) sollte keine "Erbenschonversicherung" sein - daher ihr Teilkaskocharakter durch die Leistungsobergrenzen in den verschiedenen Pflegestufen. Dies war eine richtige Entscheidung.

Damals waren die Auswirkungen des demografischen Wandels bereits bestens bekannt. Der Deutsche Bundestag hatte ja fünf Jahre zuvor in einer informellen Großen Koalition die erste große Rentenreform verabschiedet, um die Rentenversicherung gegen die Auswirkungen der Bevölkerungsalterung abzusichern. Daher war es ein Fehler, die SPV als rein umlagefinanziertes System einzuführen.

Nun bemüht sich die Politik, diesen Architektenfehler zu beseitigen: Es sollen der in der Bevölkerungsentwicklung angelegte Anstieg des Beitragssatzes - derzeit 2,05 Prozent - verhindert, gleichzeitig Leistungen verbessert und - irgendwie - ein ergänzendes kapitalgedecktes System aufgebaut werden. Ein stimmiges Konzept für diesen Umbau ist aber bislang nicht zu erkennen.

Wer in dem Beitragsanstieg der SPV das zentrale Problem sieht und deren Leistungen nicht abbauen will, hat zwei Optionen. Entweder könnte man nach dem Vorbild der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen steuerfinanzierten Staatsvorschuss vorsehen. Oder man könnte - wie dies der CDA- Bundesvorsitzende Karl-Josef Laumann vorgeschlagen hat - über eine kräftige Beitragssatzanhebung heute einen kollektiven Kapitalstock unter dem Dach der SPV ansparen, um mit einem späteren Abschmelzen dieser Reserve den demografisch bedingten Beitragsanstieg zu dämpfen.

Beides will die Bundesregierung nicht. In ihrem Koalitionsvertrag vom 26. Oktober 2009 sprach sie sich für ein obligatorisches privates Vorsorgesparen nach dem Motto „verpflichtend, individualisiert und generationengerecht" aus. Wie damit der Anstieg des Beitragssatzes in der SPV hätte gedämpft werden sollen, ohne deren Leistungen einzuschränken, wurde nie beschrieben.

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Die Koalition setzt auf private Zusatzversicherungen

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  • Sind zur Zeit aus. Kriegen wir kurzfristig auch nicht wieder rein.

    Schönen Abend noch.

  • Es ist nicht zu fassen, mit welchen Aussagen ehemalige Regierungsberater Ihre Unfähigkeit auch noch schriftlich belegen. Ihre Rechung hört sich an wie Norbert Blüms
    Rentenregeln. Meine Fresse, wann übernehmen endlich Leute mit wirtschaftlichen Sachverstand wieder die Regierungsverantwortung!

  • Dr.NorbertLeineweber: Herr Prof. Rürup, hören Sie auf zu kommentieren. Ihre Sachdarstellungen sind "schief." Sofern Sie einen steuerfinanzierten Beitrag zur SPV in den Raum stellen, handelt es sich in Wahrheit um einen schuldenfinanzierten Beitrag des Staates. Das gilt auch für den Zuschlag zu einer erhöhten Rürup-Rente.
    Außerdem verdoppelt sich die Zahl der Demenz-Erkrankten, was nicht eingerechnet ist. Hinzu kommen noch weitere demografische Lasten in gewaltigem Ausmaß.
    Und mit dem Rechenbeispiel, dass es nur 2% zusätzlich zu den Lohnkosten sind, verengen Sie Ihre Sicht in abenteuerlicher Weise. Natürlich muss der normale Rentenbeitrag erst recht steigen. Nimmt man diesen Effekt dazu sind die Folgen für die Lohnkosten und die Wettbewerbsfähigkeit gravierend. Und zwar nur weil man nicht längst auf Kapitaldeckungsverfahren umgestellt hat, was Sie nach wie vor als nicht erforderlioch halten. Das ist Augenwischerei und in höchstem Maße verantwortungslos. Und dann stellen Sie auch noch erhöhte Alterseinkommen in den Raum, dabei sinken seit Jahren die realen Renteneinkommen (deflationiert). Wenn man alle diese Argumente zusammen fasst, ist Ihr ganzer Artikel wissenschaftlicher Müll. Hören Sie endlich auf sich mit Ihrem Tunnelblick für ökonomische Probleme zu demontieren.
    Dass man mit Ihrem fiktiven, höheren Alterseinkommen problemlos die Alterslasten finanzieren kann ist der interessanteste Teil Ihrer Märchenstunde. Die Berechnung hierzu sollten Sie `mal wissenschaftlich publizieren.

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