Professor Chiffre Ein letzter Garant für den Euro

Manchmal ist es notwendig, unkonventionell zu handeln, um Schlimmeres zu verhindern.
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Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bei einer Schiffshavarie muss es immer als Erstes darum gehen, möglichst viele Passagiere in die Rettungsboote zu bringen und erst in einer zweiten Phase darum, nach den Ursachen des Unglücks zu fragen, um eine ähnliche Katastrophe in der  Zukunft zu verhindern. Ordnungs-politische Grundsätze sind mit Konstruktionsprinzipien vergleichbar. Für den Bau eines Schiffes sind sie wichtig, im Falle eines drohenden Untergangs helfen sie allerdings nicht, die Passagiere in die Boote zu bringen.

In Sachen Euro-Krise befinden wir uns leider  immer noch in der ersten Phase der akuten Krisenbewältigung. Die Idee, mit den von knapp 250 Mrd. Euro auf eine Billionen Euro hochgehebelten Mitteln des europäischen Rettungsschirms (EFSF) Portugal, Spanien vor allem Italien mit seiner Schuldenquote von 120 Prozent gegen Spekulationswellen abschirmen zu können, beeindruckt die Märkte nur mäßig und veranlasst  keinen potenten Investor beispielsweise aus Fernost, Staatsanleihen südeuropäischer Euroländer  zu kaufen. 

Bis die aktuelle Krise wirklich überwunden und eine dauerhaft stabile  europäische Fiskalunion rechtlich abgesichert ist  - unabhängig  was letztlich mit Griechenland geschieht - werden noch viele Jahre - Frau Merkel sprach von zehn - ins Land gehen, in denen neue Misstrauenswellen gegen einzelne Staaten den Zusammenhalt der Währungsgemeinschaft gefährden können.

Um den Märkten die Gewissheit zu geben, dass  es keinen zweiten „freiwilligen“ Haircut der Gläubiger eines Euro-Landes gibt, führt bis auf weiteres kein Weg  daran vorbei,  entweder dem mit einer Banklizenz versehenen Rettungsschirm oder - ehrlicher - der EZB das Mandat einzuräumen, in unbegrenztem Umfang Anleihen von Euro-Ländern aufzukaufen.

Nur durch so einen letzten Garanten kann sicher verhindert werden, dass aus der Angst vor einem Bankrott eine self-fullfilling prophecy wird. Die Ausübung dieses Mandats bedeutet eine Monetarisierung von Staatsschulden, was – im deutschen Verständnis - eine schwere ordnungspolitische Sünde darstellen würde.

Manchmal ist es allerdings notwendig in einer brandgefährlichen Situation, für die es keine historischen Vorbilder gibt, unkonventionell zu handeln, um Schlimmeres zu verhindern. Zumal wenn man erwarten kann, dass so ein Recht der EZB oder des Rettungsschirms die gewünschte vertrauenstiftende Wirkung haben dürfte, ohne zum Einsatz kommen zu müssen.

Bert Rürup, geboren 1943 in Essen, hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen. Mit Carsten Maschmeyer hat er das Beratungsunternehmen MaschmeyerRürup gegründet.

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11 Kommentare zu "Professor Chiffre: Ein letzter Garant für den Euro"

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  • Großer Unfug!

  • Wer die Finanzierung von Staaten durch die Zentralbank fordert, ruft öffentlich zum Rechtsbruch auf und stellt die „Rettung“ des Euro über das Gesetz. Darüber hinaus nimmt er eine dramatische Geldentwertung in Kauf.
    ---
    Rürup, sind Sie ein Rechtsbrecher, wenn Sie den massiven Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB einfordern?

  • Das Beispiel hinkt insofern, daß es hier nicht um Menschenleben in akuter Not geht, sondern um in absehbare Not geratene Schuldner, die dazu noch vorher getäuscht haben.

    Wie würde Herr Rürup reagieren, wenn ein Geschäftspartner zum wiederholten! Male zu ihm käme und sagte: "Hörmal, bitte leihe mir heute noch 2 Millionen Euro, auch wenn es an Deine Existenz geht. Ich muß unverzüglich Schulden abzahlen, sonst bin ich pleite und werde wegen Insolvenzbetrug verklagt, weil ich geschummelt habe."
    Würde er dann auch sofort "retten" und erst hinterher in aller Ruhe die Ursachen bekämpfen?

    Es ist unser Geld und unsere Existenz! Er hat die Beamtenpension durch und kann in aller Ruhe zuschauen, wie wir uns bei der Schuldentilgung abplagen. Er wird uns dann noch Ratschläge geben, wie z.B.: "Deutschland ist überschuldet. Ihr seid selbst verantwortlich für Euch, also spart mal schön für die Rente."

    "...hat fast 30 Jahr lang die Bundesregierung beraten und war unter anderem Chef der Wirtschaftsweisen..."
    Was bildet sich der angebliche Finanzfachmann ein?
    Er hat bei der Finanzkrise versagt, wie fast alle anderen "Finanzfachleute" auch. Oder habt Ihr ihn warnen gehört, vor Jahren, als die Blasen ihren Anfang nahmen? Als geraunt wurde, daß die Griechen geschummelt haben? Konnte jeder wissen, der eine überregionale Zeitung liest.

  • Na Herr Rürup, der Schuss ging ja wohl nach hinten los!

    Sie benutzen da das Bild der Rettungsboote und dem sinkendem Schiff.... um IHRE EIGENEN Ängste zu vertuschen und eine Problem-Lösung zu präferieren, die SIE NICHTS kosten soll, aber ANDERE.... tja besser kann man nicht den ANDEREN beweisen, daß das SCHIFF !!! untergeht.
    Liegt es etwa tatsächlich an der Konstruktion des Schiffes?
    Der eigeschlagenem Kurs?
    einem Unfall, den der Kapitän, sein 1.Offizier zu verantworten hat?
    .... der großen Wetterlage? Ist doch egal, jedenfalls mir.
    Auf jeden Fall erkennbar: Sie sind extrem hilfsbedürftig.
    Ich grüße Sie herzlich als Deutschlands unberühmtester Quantenphysiker ( der mit dem goldenen Schlüssel )
    >>>> E= m (c)² <<<<<<<<<<<<
    Daß ich im Gegensatz zu Ihnen hier im Handelsblatt NICHTS zu sagen habe, das sagt schon ALLES!

    Ich bedanke mich bei den vielen Kommentatoren, die hier Dank des Handelsblattes offen zu Wort kommen dürfen und mir manche Einsicht vermitteln. Demnach ist ihr Artikel, sehr geehrter Herr Rürup, so wie er da zu lesen ist, ja auch GOLD - richtig: die reine Wahrheit über Sie selbst.

  • Wenn der Rettungsfonds mit einer Banklizenz versehen wird und damit das Eigenkapital der "Märkte" aufgestockt wird könnte in ganz Südeuropa inkl. Frankreich ein Haircut stattfinden. Das wäre die suberste Lösung, die auch einen Teil der Bankenproblematik lösen würde !

  • Der Inhalt Ihrer Kolumne oben und Ihrer Kurzvita unten lassen mit Schrecken erkennen warum wir an diesem Punkt angelangt sind und uns wahrscheinlich weiter in dieselbe Richtung bewegen.
    Mich ärgert dabei besonders das Leute wie Sie (wenn überhaupt) erst als letzte unter Ihrem verantwortungslosen Handeln leiden müssen.

    Was in aller Welt lässt Sie (Sie haben ja quasi die Euro-(Fehl)Konstruktion begleitet) erwarten das das von Ihnen geforderte Recht von EZB/Rettungsschirm die gewünschte Wirkung hat OHNE zum Einsatz zu kommen?
    Genau das Gegenteil wird der Fall sein, zumal sich die Pleiteländer sehenden Auges in diese Situation gebracht haben, ungeachtet dessen das Rettungsmaßnahmen nicht nur nicht vorgesehen, sondern auch noch explizit ausgeschlossen waren.
    Um es mal auf eine andere Berufsgruppe zu übertragen: Wir brauchen in der aktuellen Situation gestandene Chemiker, keine Hobbyalchemisten.

    Die Ihnen fehlenden historischen Vorbilder finden Sie unter anderem hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4hrungsunion

  • Waere es nicht angebracht zu fragen, wieso wir in Friedenszeiten in eine "brandgefaehrliche Situation" angekommen sind?
    Ohne den Kurs zu aendern kann kein Rettungsschirm langfristig wirksam seien.
    Leider bietet Dr Ruerup keine Ratschlaege zu dieser Frage.

  • Rürup ist nur noch Anlageberater, kein neutraler Wirtschaftsfachmann mehr. Wer eine Anlageberatung mit Verkauf betreibt, kann nicht neutral sein. Deshalb sind seine Ratschläge unsinnig, ja sogar gefährlich. Die Auswirkungen auf die Inflation sollte jemand, der vom Fach ist, eigentlich kennen.

  • Jawoll! Wir etablieren die EZB als staatsschulden monetisierende Bank und werfen schöööön die Druckerpresse an.

    Ich könnt' kotzen wenn ich die Vorstellungen solcher Planwirtschaftler höre. Warum bietet das Handelsblatt solchen Spaten eine Plattform?

    Aber wie schon gesagt wurde. Das ist ein Spiel auf Zeit. Und der Knall wird um so größer.

  • Das hätten Sie nicht kürzer und prägnanter formulieren können!
    In einem Punkt darf ich Ihnen aber widersprechen: Das Euro-Experiment hatte von vornherein einen definierten Ausgang. Das Scheitern war absehbar.
    Hr. Rürup betreibt wie der Rest der politischen Laienspielgruppe nach wie vor ein Spiel auf Zeit, das sie nicht gewinnen werden.

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