Professor Chiffre
Erfolgreich altern

Alterung frisst Produktivität. Dieser Wohlfahrtsverlust ist allerdings kein unentrinnbares Schicksal. Ihm kann begegnet werden, indem mehr Frauen voll arbeiten und das Bildungssystem verbessert wird.
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Am 13. Januar meldete das Statistische Bundesamt, dass dank gestiegener Zuwanderungen der Bevölkerungsrückgang gestoppt und erstmals seit acht Jahren die Einwohnerzahl in Deutschland wieder gestiegen sei – um 50.000 Menschen. Da nicht wenige Menschen glauben, dass das Schrumpfen unserer Bevölkerung der Hemmschuh für die Entwicklung unseres künftigen Wohlstands sei, jubelten einige Zeitungen über diese Meldung.

Der Kern unseres demografischen Problems besteht jedoch nicht im Bevölkerungsrückgang, sondern in der doppelten Alterung als Folge niedriger Geburtenraten und einer steigenden Lebenserwartung. Dass in den nächsten 40 Jahren die Einwohnerzahl von derzeit 81 Millionen um etwa 13 Prozent auf dann knapp 70 Millionen zurückgehen wird ist nicht das eigentliche Problem. Sehr viel wichtiger ist der Befund, dass die Zahl der Erwerbspersonen, d. h. der Menschen im Alter zwischen 20 und dem gesetzlichen Renteneintrittsalter im gleichen Zeitraum, von derzeit rund 50 Millionen auf 36 Millionen abnehmen wird. Das sind fast 30 Prozent.  

Der Wohlstand einer Nation bemisst sich nicht an der absoluten Größe der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung, sondern am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. In den vergangenen 30 Jahren belief sich bei uns das gesamtwirtschaftliche Produktivitätswachstum je Erwerbstätigenstunde auf knapp 1,8 Prozent pro Jahr. Schreibt man diesen Trend fort, würde der Wachstumsspielraum für das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Vergleich zur Vergangenheit um nahezu ein Drittel reduziert – nicht als Folge des Rückgangs der Bevölkerung, wohl aber als Folge der Alterung.

Kommentare zu " Professor Chiffre: Erfolgreich altern"

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  • Dr.NorbertLeineweber: Herr Professor hören Sie auf zu kommentieren. Ihre Einseitigkeit ist mehr als nur peinlich.
    Der Wohlstand bemisst sich mitnichten aus dem BIP pro Kopf, weil es auf die Verteilung ankommt (kommt bei Ihnen nicht vor) und auf die gebildeten Ersparnisse, auf die man im Alter zurück greifen kann, sollte oder müsste. Das Problem ist nicht die Überalterung, sondern die Umlagefinanzierung in der Sozialversicherung. Hätte jeder für sich den höheren Beitrag für Pflege- und Gesundheit in Rücklagen angespart und eigene Alteersvorsorge betrieben, würde das Problem nicht existieren. Der Fehler war, vor 30 Jahren davon abzusehen vom umlagefinanzierten Systen auf das Kapitaldeckungstochverfahren umzustellen. Vor einem Prof., der das verschweigt kann einem nur grausen, weil er Grundproblem verschleiert und das diesbezügliche Politikversagen negiert, wohl weil er selbst Politikberater war. Das schlimme daran ist, dass ich Sie vor 25 Jahren noch in meiner Diss. zur Alterslastquote zitiert habe. Damals wussten Sie noch Bescheid. Dass das Umlageverfahren bei schrumpfender und alternder Bevölkerung nicht funktioniert ist das Dilemma, nichts anderes. Ihre Vorschläge sind Makulatur und können die Versäunisse der Vergangenheit nicht heilen. Es sei denn die Hausfrauen betreinben ihre eigene Altersversorgung, zumindest sollte man sie diesbezüglich diskriminieren. Sie entwickeln sich zum Scharlatan der das Grundübel verschweigt. Das ist kein wissenschaftlicher Stil.

  • Tja, Herr Rürup, dass unsre Schulen schlecht sind, weiß man doch schon seit Kohl. Warum wurde denn nie was richtiges getan?
    Was getan wurde, war, das Niveau und die Lerninhalte noch weiter nach unten zu senken, mit dem ERfolg, dass wir scharenweise blöde jungen Menschen auf dem Markt haben, die nicht in der Lage sind, drei Sätze zusammenhängend zu sprechen und nicht ausbildungsfähig sind.
    Man weiß das alles, tut aber nichts. Und warum? Weil man die ach so lieben Türken doch mit diesem laxen Bildungswesen auch noch zum Abi führen möchte, damit die sich nicht so diskriminiert fühlen, wenn wir v on ihnen richtige Leistung verlangen
    Alles blabla hilft nichts.
    Endlich wieder Lerninhalte nach oben, Disziplin und Anstand und Ordnung in die Schulen, Schluss mit der Kuschelpädagogik und Sie werden sehen, wie das klappt.
    Eltern in den Arsch treten, die sich nciht kümmern
    Wenn wir so weitermachen wie jetzt, ist Deutschland in 10 Jahren so verblödet, dass es nur noch Hartz IV-Empfänger geben wird
    Nicht immer nur plappern, sondern endlich mal handeln

  • Und schon wieder eine ZuMUTung: Abschaffung des Ehegattensplitting. Wenn Ehefrauen arbeiten wollen oder können, so tun sie das. Wenn der Knüppel herausgeholt wird, so leiden auch die darunter, die keine Alternative haben: Hartz IV für alle! Und Bildung für Ältere? Leider ist es eine Erfahrung, dass man mit Bildung die Arbeitsmarktchancen nicht erhöhen kann. Das waren und sind bis heute immer nur Kurse gewesen, um die Arbeitslosenzahl zu senken!

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