Professor Chiffre
Modell D – Kein Exportschlager

Deutschland wird wegen seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner sozialen wie politischen Stabilität bewundert. Kopieren lassen sich die deutschen Charakteristika von anderen Ländern aber nicht.
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Wer öfter im Ausland ist und sich mit Unternehmern, Politikern oder Journalisten unterhält, hört regelmäßig „Eure Sorgen hätten wir gerne“. Einerseits ist man – zu Recht – verärgert, wenn führende Politiker törichte oder unpassende Sprüche vom Stapel lassen: „Jetzt spricht Europa deutsch“ (Volker Kauder) oder „Die Indianer müssen wissen, dass die Kavallerie von Fort Yuma ausreiten kann“ (Peer Steinbrück).

Andererseits wird aber unser Land wegen seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner sozialen wie politischen Stabilität bewundert, und man ist verblüfft darüber, wie es Deutschland in nur wenigen Jahren geschafft hat, vom „Sick man of Europe“ (Economist, November 2002) zu „Europe’s engine“ (Economist, März 2010) zu werden. In der Tat, vor 10 Jahren lag, was die wirtschaftliche Zukunft anging, Pessimismus wie Mehltau auf diesem Land. Bücher wie „Ist Deutschland noch zu retten?“, „Die Basarökonomie“, „Der Abstieg eines Superstars“ oder „Die deformierte Gesellschaft“ wurden zu Bestsellern. Und die damalige Talk-Show-Queen Sabine Christiansen hatten jeden Sonntag tolle Einschaltquoten mit Untergangsthemen und Untergangspropheten.

Heute werden zwar oft von den gleichen Propheten im Zuge der Eurokrise wieder neue Horrorszenarien an die Wand gemalt, dass sich der Wirtschaftsstandort Deutschland neu erfunden hat, wird aber kaum noch infrage gestellt.

Sicher spielten Mut und Elan der Politik eine ganz wichtige Rolle. Denn im vergangenen Jahrzehnt wurden in keinem anderen OECD-Land so weitreichende Reformen am Arbeitsmarkt, bei der Unternehmensbesteuerung, der Sozialen Sicherung oder – unter dem Stichwort Schuldenbremse – bei den Staatsfinanzen durchgesetzt. Diese Reformen waren erforderlich und richtig, sie sind aber nicht der alleinige Grund für die aktuelle Stärke des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

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  • Wie wollen die Produktion aus Asien zurück holen? Sind die bereit statt 38 Stunden auch 50 oder 60 Stunden zu arbeiten? Bestimmt nicht, auch dann nicht wenn's bezahlt wird.
    Die Asiaten arbeiten auch nicht für umsonst. Die lassen sich auch die Überstunden schön bezahlen. Entweder in Form von Boni oder mit dem Monatslohn.

  • Das Model ist, so weit es das Sozialversicherungssystem betrifft durchaus ein Exportschlager. Nicht in Europa. Das versteht sich von selbst. Viele Länder außerhalb Europas die ich kenne orientieren sich an diesem Model. So hat z.B. Japan die deutsche Pflegeversicherung komplett übernommen und nur um 2 Stufen von 3 auf 5 erweitert. Ansonsten fast zu 100 % abgeschrieben. Andere Länder Asien orientieren sich ebenfalls an Deutschland.

  • Mit Verlaub, Sie schauen zu viel Jauch(e).

    Vielleicht Lesen Sie mal ein gutes Buch zwischendurch, wobei Sarrazin, als auch Steinbrück als Verfasser ausscheiden sollten. Es gibt noch mehr auf dem Markt.

    LG
    Blackstone

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