Professor Chiffre

Modell D – Kein Exportschlager

Deutschland wird wegen seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner sozialen wie politischen Stabilität bewundert. Kopieren lassen sich die deutschen Charakteristika von anderen Ländern aber nicht.
10 Kommentare
Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Wer öfter im Ausland ist und sich mit Unternehmern, Politikern oder Journalisten unterhält, hört regelmäßig „Eure Sorgen hätten wir gerne“. Einerseits ist man – zu Recht – verärgert, wenn führende Politiker törichte oder unpassende Sprüche vom Stapel lassen: „Jetzt spricht Europa deutsch“ (Volker Kauder) oder „Die Indianer müssen wissen, dass die Kavallerie von Fort Yuma ausreiten kann“ (Peer Steinbrück).

Andererseits wird aber unser Land wegen seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner sozialen wie politischen Stabilität bewundert, und man ist verblüfft darüber, wie es Deutschland in nur wenigen Jahren geschafft hat, vom „Sick man of Europe“ (Economist, November 2002) zu „Europe’s engine“ (Economist, März 2010) zu werden. In der Tat, vor 10 Jahren lag, was die wirtschaftliche Zukunft anging, Pessimismus wie Mehltau auf diesem Land. Bücher wie „Ist Deutschland noch zu retten?“, „Die Basarökonomie“, „Der Abstieg eines Superstars“ oder „Die deformierte Gesellschaft“ wurden zu Bestsellern. Und die damalige Talk-Show-Queen Sabine Christiansen hatten jeden Sonntag tolle Einschaltquoten mit Untergangsthemen und Untergangspropheten.

Heute werden zwar oft von den gleichen Propheten im Zuge der Eurokrise wieder neue Horrorszenarien an die Wand gemalt, dass sich der Wirtschaftsstandort Deutschland neu erfunden hat, wird aber kaum noch infrage gestellt.

Sicher spielten Mut und Elan der Politik eine ganz wichtige Rolle. Denn im vergangenen Jahrzehnt wurden in keinem anderen OECD-Land so weitreichende Reformen am Arbeitsmarkt, bei der Unternehmensbesteuerung, der Sozialen Sicherung oder – unter dem Stichwort Schuldenbremse – bei den Staatsfinanzen durchgesetzt. Diese Reformen waren erforderlich und richtig, sie sind aber nicht der alleinige Grund für die aktuelle Stärke des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Drei prägende Charakteristika
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10 Kommentare zu "Professor Chiffre: Modell D – Kein Exportschlager"

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  • Wie wollen die Produktion aus Asien zurück holen? Sind die bereit statt 38 Stunden auch 50 oder 60 Stunden zu arbeiten? Bestimmt nicht, auch dann nicht wenn's bezahlt wird.
    Die Asiaten arbeiten auch nicht für umsonst. Die lassen sich auch die Überstunden schön bezahlen. Entweder in Form von Boni oder mit dem Monatslohn.

  • Das Model ist, so weit es das Sozialversicherungssystem betrifft durchaus ein Exportschlager. Nicht in Europa. Das versteht sich von selbst. Viele Länder außerhalb Europas die ich kenne orientieren sich an diesem Model. So hat z.B. Japan die deutsche Pflegeversicherung komplett übernommen und nur um 2 Stufen von 3 auf 5 erweitert. Ansonsten fast zu 100 % abgeschrieben. Andere Länder Asien orientieren sich ebenfalls an Deutschland.

  • Mit Verlaub, Sie schauen zu viel Jauch(e).

    Vielleicht Lesen Sie mal ein gutes Buch zwischendurch, wobei Sarrazin, als auch Steinbrück als Verfasser ausscheiden sollten. Es gibt noch mehr auf dem Markt.

    LG
    Blackstone

  • Allerdings hatten die Reformen der letzten 10 Jahre auch ihren Preis: es ist weiter umverteilt worden von Jung nach Alt. Während die Privilegien der heute Älteren kaum angefaßt wurden ist die Flexibilität mit der sozialen Unsicherheit junger Menschen erkauft worden. Das wirkt sich natürlich auf die Lebensplanung und -gestaltung aus.
    Unsere Demographie war vorher schon schlecht, jetzt schwankt sie Richtung Katastrophe. Für Italien und Spanien geht dieser Weg also auch nicht: deren Demographie ist noch schlechter.
    Anders gesagt: auch die Bundesrepublik hat eine Anleihe aufgenommen...Die Jugend hat nun alles zu tragen: die Rente heute, ihre eigene Rente für morgen und sie soll gleichzeitig eine neue Generation großziehen und die gesellschaftlichen Kosten übernehmen für Aufgaben die früher die Großfamilie geregelt hat die es heute kaum noch gibt.
    Das alles wird sich natürlich auswirken, aber bis dahin wird sich niemand mehr an Hr. Rürup erinnern.
    Es wäre also verfrüht alle Thesen von vor 10 Jahren zu verwerfen und das Ende der Geschichte mit der ultimativen Weisheit zu verkünden.

  • @blackstone: nee, er sagt nur seine meinung - über maschmeyer bezug hin oder her - is ein anderes thema. aber sollte ihm heute sicher unangenehm sein. interessant zu sehen wie die intellektuelle panik im "wir wissens und denken alles für die bürgerlager - ausbricht. tja, is halt "bull shit", wenn mann/frau zugegen muss, die "kaiserin ist nackt".

  • Modell Maschmeyer - nicht seriös.

    Leider ist der Maschmeyer Lobbyist Rürup alles andere als seriös:

    http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

    Herr Rürup, verkaufen Sie eigentlich noch "Versicherungen", "Wertanlagen", "Rentenpapiere" und machen Werbung?

    Suchen Sie sich gerade ein neues Geschäftsfeld a la Sarrazin?

    LG
    Blackstone

  • Europas Reichtum war und ist die Vielfalt. Euro und EU zerstören diesen Reichtum immer mehr.

    Rürup hat auch Recht mit seinen Theorien. Man kann das Modell D nicht importieren.

    Die PIIGS haben vor allen Dingen den globalen Wettbewerb nicht angenommen. Frankreich macht immer noch staatlich motivierten Protektionisumus, die Gewerkschaften sind radikal, Mittelstand ist ein Frankreich auch dünn gesäht.

    Wenn Herr Hollande von Wachstum spricht, dann kann er gleich bei sich daheim anfangen. Die Macht der Gewerkschaften stutzen, Liberalisierung der Arbeitsgesetze, Fördern des Mittelstands, etc.
    Das sind mögliche und notwendige Maßnahmen.

    Alle scheinen aber nur auf eines zu warten, nämlich dass Deutschland zahlt. Und dann weitermachen wie bisher. Und dann am besten noch mit den von Deutschland mitfinanzierten Geldern Deutsche Firmen schlucken, wie bei EADS und Aventis geschehen.

    Frankreich und die PIIGS müssen sich endlich dem internationlaen Wettbewerb stellen, Löhne drücken, und Produktion zurückholen.

    Es wird auch so getan als hätte die Jugendarbeitslosigkeit in den PIIGS was mit Deutschland und dem Euro zu tun. Doch die Jugendarbeitslosigkeit war in Spanien schon vor 15 Jahren ein Thema und hat sich nur verschärft. Irgendwann müssen die Regierung selbst in die Pflicht genommen werden!!!
    Man hat dort den Jugendlichen vorgegaukelt, dass sie studieren können was sie wollen und dann sowieso Arbeit finden, und wenn nicht, dann ist immer Euro-Geld da, die Quelle sprudelt. Leider zu kurz gedacht.

    Ich frage mich was genau die Spanische Regierung derzeit unternimmt, um die Basis für neue Jobs zu schaffen, Kleinunternehmungen zu fördern, Produktion aus Asien zurückholen. Wer das nicht will, muss eben kleinere Brötchen backen.

  • Das deutsche Wesen, daran WILL niemand im Ausland genesen.
    Wenn das mal in die Köpfe ginge, wäre man vielleicht ein Stück weiter. Der Deutsche nimmt sich immer wichter als er eigentlich ist. Seinen Größenwahnsinn versucht er anderen europäischen Ländern aufzudrücken.
    Selber Gesetze für Bad Banks schaffen, Hauptsache es nützt für sich selbst, statt auf Europa zu sehen, spätestens dort war es Zeit die Notbremse zu ziehen, und zu akzeptieren, das die anderen Länder eben langsamer wachsen müssen. Stattdessen hat man den Sandkasten mit billigem Geld weiter zugeschüttet. Gleichzeitig hat man ja den Sündenbock, es sind die Gene, die Südländer können mit Geld nicht umgehen etc.
    Der Euro ist nur Papier, es ist der Umgang damit. Die Unternehmen exportieren, aber zum gleichen Preis wie in Deutschland, teilweise deutlich darüber. Die Löhne waren und sind nicht so hoch, als das diese Preise gezahlt werden konnten. Nun sind die Löhne angepaßt, aber die Betriebe nicht mehr konkurrenzfähig damit. Und das obwohl die Sozialkosten für Arbeit deutlich unter der in der BRD liegen. Also Löhne wieder runter, und sei es durch Arbeitslosigkeit.
    Das Papier auf dem Euro steht, dem ist es egal. Die EU selbst hat das mit ihrer immensen, viel zu schnellen Expansion verursacht, allen voran Deutschland.
    Denn vorher waren die deutschen Banken gesünder, nun haben sie die Banken der anderen EU-Länder mit runtergezogen. Und wollen natürlich nicht für die Schäden einstehen. Um das alles zu verschleiern, wird nun die "Faulkarte" gezogen, die Völker sind schuld, wie immer. Einer muß ja immer zahlen, mal sehen wen wir da erwischen können. Versagt die monetäre Maschinerie muß einfach ein dummes Volk verantwortlich sein, sonst könnte man Systemfragen stellen, die für einige Leute doch sehr unangenehm sein könnten. Denn dieses System zahlt die Gehälter. Also nichts Neues, teile und herrsche. So gehen die Diskussionen nicht darum wie man es ändern und verbessern kann, sondern nur Schuldige suchen.

  • Vor allem läuft es momentan in DLand so gut, weil die Dolce-Vita-Staaten durch die Schuldenmacherei den Euro erheblich geschwächt haben. Das kommt der deutschen Exportwirtschaft zu Gute.

    Strukturelle Verbesserungen in Deutschland habe ich in den letzten 10 Jahren kaum gesehen. Die Politik hat schlicht und ergreifen nichts gemacht.

  • Genau, Herr Professor. Und schon das ist der Grund, warum eine gemeinsame Währung nicht funktionieren kann. So einfach können die Dinge liegen.
    Also: Abschaffen des Euros. Jeder in Europa nach seiner Facon, seiner Mentalität und Charakter. Und wir haben wieder die europäische Vielfalt, die in einem erzwungenen "politischen Projekt" zerstört wird.
    Klar, die Grünen, die Sozen und jetzt schon die CDU wollen das Deutsche zerstören. Aber genau das will die Bevölkerung nicht!

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