Professor Chiffre

Rentenpolitische Zauberei

Der DGB verspricht Unmögliches: Auch in Zukunft soll der Rentenbeitragssatz nicht über 22 Prozent steigen, die Leistungen gleich bleiben und das Renteneinstiegsalter am besten gesenkt werden. Das ist ein billiger Trick.
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Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Wenn ein Zauberer auf der Bühne einen Elefanten verschwinden lässt oder Tauben und Kaninchen aus seinem offensichtlich leeren Zylinder holt, ist man - wenn er dies geschickt macht - fasziniert. Verstimmt ist man aber, wenn er sich ungeschickt anstellt und seine Tricks durchschaubar sind. Am 19. Juni präsentierte der DGB solch ein durchsichtiges Kunststück.

Denn er legte einen Vorschlag zur Rentenpolitik vor, bei dem der Beitragssatz im Jahr 2030 nicht über die gesetzlich vorgegebenen 22 Prozent steigt aber dennoch sowohl auf jede weitere Absenkung des Rentenniveaus als auch auf die bei den Gewerkschaften verhasste "Rente mit 67" verzichtet werden kann und sogar noch die Leistungen bei Erwerbsminderung und für die Rehabilitation verbessert werden können.
Annelie Buntenbach, die als das für Sozialpolitik zuständige Mitglied des DGB-Vorstands diesen Vorschlag präsentiere, musste sich bewusst sein, dass es sich um einen rentenpolitischen Illusionistentrick handelt. Denn sie ist seit 2006 alternierende Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung und weiß nur zu gut, dass ohne die in der Rentenreform 2005 beschlossene Absenkung des Rentenniveaus und ohne die in diesem Jahr eingeleitete Anhebung der Regelaltersgrenze der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bis zum Jahr 2030 auf über 24 Prozent und bis 2040 bis auf fast 26 Prozent ansteigen würde.

Und ebenfalls kennt sie die guten Gründe warum nach geltendem Recht der Beitragssatz erst dann angehoben werden muss, wenn die Rücklagen der Rentenversicherung, die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage, bis auf weniger als 0,2 Monatsraten (derzeit entspricht dies etwa 3,5 Mrd. Euro) gesunken sind und der Beitragssatz erst dann gesenkt werden muss, wenn diese Reserve auf über 1,5 Monatsreserven (nach heutigen Werten 26 Mrd. Euro) angestiegen ist.

Durch diese seit 2005 geltende Vorschrift soll die Entwicklung des Beitragssatzes verstetigt und im Wesentlichen von den demografisch bedingten Finanzierungserfordernissen bestimmt werden und nicht wie vorher zusätzlich auch noch von kurzfristigen Schwankungen der Konjunktur, die auf den Arbeitsmarkt und damit die Finanzierungsgrundlage durchwirken.

Bis 2030 sind die Reserven aufgeschmolzen
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15 Kommentare zu "Professor Chiffre: Rentenpolitische Zauberei"

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  • Was wir bei uns nicht verstehen, ist die Rentenbesteuerung. Mein Vater ist im Mai in Rente gegangen und hat in seinem Erwerbsleben einschl. AG-Anteile rund 160.000 einbezahlt. Normalerweise müsste man doch von der Logik her die Rente erst dann besteuern, wenn die 160.000 Euro überschritten wurden. Einzahlungen > Auszahlungen = Ertrag; der Staat will allerdings vorher die Rente mit einem fiktiven Ertragsanteil - obwohl sich mein Vater noch in der Verlustphase befindet - besteuern. Das ist doch nicht fair.

  • ähnliches gilt für jedes Bundesland, liest nur keiner

    http://www.steuerzahler-hessen.de/Dramatische-Zukunftsbelastungen-durch-die-Beamtenversorgung/43062c51651i1p62/index.html

  • AWD Zauberei:

    Der vollig unseriöse Maschmeyer-Angestellte Rürup schaut mal wieder in die düstere Zukunft, die man nur mit "Versicherungen", "Rentenpapieren" und "Anlageprodukten" des AWD abwenden kann:

    http://www.youtube.com/watch?v=DTkh9YEmfkM

    Wie deren Geschäftsmodell ("sichere Geldanlage") aussieht, hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=Kodems3yvdA

    LG
    Blackstone





  • Sie sind nicht auf dem neuesten Stand, Beamte müssen mittlerweile 40 Jahre arbeiten, um die Höchstpension zu erreichen , nicht mehr 35. Außerdem wurden mit Verweis auf die staatliche Absicherung regelmäßig tarifliche Anpassungen der Vergütung niedriger angesetzt, als die Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes, summiert sind damit die Abschläge ebenso hoch wie in der Rentenversicherung. zusätzlich wurden Zeiten, die früher bei der Pensionsberechnung berücksichtigt wurden, rückwirkend gestrichen.
    Was letztlich dazu führt, das von den heute 50 Jährigen nur noch wenige die volle Pension erreichen werden.
    Das wird genauso wie in der gesetzlichen Versicherung nicht die letzte Verschlechterung gewesen sein.
    Es gibt aber keinen Grund hier eine Ungleichbehandlung zu sehen, nur wei ldie Pensionen steuerfinanziert sind und nicht umlagefinanziert.
    Die nur vordergründigen Anschein entsprechende Ungleichbehandlung wird von politischer Seite gezielt instrumentalisiert, um nach dem Prinzip "teile und herrsche" von eigenem Versagen und dem Aussitzen von Problemen abzulenken.
    auch die Politi kist darwinistisch und versucht die Dümmsten zu melken oder zu instrumentalisieren, weil das weniger Risiko des Machtverlustes beinhaltet.

    H.

  • Man kann richtig froh sein, dass sich der eine Teil von Maschmeyer/Rürup häufig auf Mallorca aufhält und sich für solche Lapalien wie 'Rente' nicht mehr interessieren muss, während der andere Teil der Frau Buntenbach klarzumachen versucht, dass das Wegzaubern von Elefanten oder Autos etwas mit Rente zu tun hat. Weiterhin kann man froh sein, dass manche Menschen heute schon wissen, was im Jahr 2030 Sache ist - oder annähernd sein könnte. Es gibt nicht nur Zauberer, nein, es gibt auch Wahrsager. Prof. Chiffre könnte mit all den anderen Fachleuten bei 9live mit der Wahrsagerkugel zum Verkaufsstar aufsteigen.
    Noch 'ne kurze Frage: Wird es am Sonntag regnen? Wahrsager bitte melden!

  • Beamten Zahlen nicht voll ein, dafür ist nach einer Feststellung von 1957 !!! die Beamtenbesoldung 7 % niedriger als bei Angestellten. Leider wird aber die Pension nicht auf die Lebensarbeitszeit umgerechnet und es werden nach 35 Jahren die Höchstbeträge erreicht. Beamte sind nun endlich zur Kasse zu beten. Die Märchen der Beamtenkürzungen sollten nicht mehr vorgebetet werden Sie machen sich sonst unglaubwürdig

  • Warum verkündet die FDP gerade jetzt, das der Rentenbeitrag auf 19,6% gesenkt werden soll? Es gab mal prall gefüllte Rentenkassen und wären sie seiner Zeit nicht mehrfach geplündert worden (zuletzt von Kohl für die Wiedervereinigung) hätten wir das Problem gar nicht.

    Warum behalten wir nicht zumindest mal den jetzigen Rentenbeitrag stabil und erhöhen die Rücklagen? Die Senkung um 0,3% ist doch Augenwischerei. Bei einer Bemessungsgrundlage von 2000 Euro sind das für den Arbeitnehmer gerade einmal 3 Euro pro Monat, also völlig uninteressant. Für die Arbeitgeber lohnt sich die Senkung natürlich, da er ja die Hälfte mit bezahlt. Meine Vermutung ist, dass nun die Kosten zu Gunsten der Arbeitgeber gesenkt werden und bei späteren Erhöhungen die Arbeitgeber außen vor sind.

  • Die Überschüsse der Vergangenheit wurden genutzt die Renten überproportioanl zu erhöhen. Teilweise werden damit auch Fremdrenten finanziert. Was aber für das demographische Problem eher unerheblich ist. Diese Beträge hätten entweder Beitragsenkungen oder Rentenerhöhungen in der Vergangenheit bedeutet.
    viele die selbst nicht eingezahlt haben, belasten das Rentensystem aber trotzdem nicht, weil ihre Kinder ihre Renten durch Beiträge finanzieren, das gilt z.B. für die Ostrentner.
    Die Entkoppelung von Löhnen und Rentenbeiträge in der Form, das der Arbeitgeberanteil nicht gleichermaßen steigt scheint ein Griff in die Tasche zu sein, macht aber viel mehr den Westentaschentrick der Beitragserhebung transparent.
    Tatsächlich ist es für den Arbeitgeber völlig belanglos, ob er das Gehalt eines Arbeitnehmers Brutto auszahlt oder Brutto abzüglich Arbeitgeberanteil zur Sozialvericherung abzüglich Arbeitnehmeranteil.
    Meiner Meinung wäre es viel seriöser alles auf dem Gehaltszettel auszuweisen und entsprechend mehr Abzüge dort auszuweisen.
    Letztlich ist diese Aufteilung eine Fiktion, die nur unseröse Forderungen der Gewerkschaften beschönigt. Schlicht weil die tatsächlichen Arbeitskosten und sozialen Abgaben verschleiert werden.

  • @Holla

    ich finde das Rentensystem auch vernünftig. Die Steuerfinanzierung statt alleinige Finanzierung über Arbeitnehmer ist der einzig gangbare Weg, da sich die Beschäftigungsverhältnisse verändern. Man kann dann andere Einkünfte statt Arbeitseinkommen, Vermögen und ähnliches mit in die Rechnung einbeziehen.

    So wird es in der Schweiz auch gemacht.Die Entkopplung von Vollzeiterwerbstätigkeit würde besonders auch Frauen zugute kommen, die Kinder selbst erziehen wollen oder Alte pflegen wollen. Dadurch könnte die Gesellschaft familienfreundlicher und frauenfreundlicher werden. Heute starren alle nur ökonomisch auf Kinder: ein späterer Einzahler - das wird dadurch auch weniger extrem. Steuern zahlen ja alle.

    durh die hohen Scheidungsraten kippt auch das System der Witwenrenten, weil Ansprüche verloren gehen. Dadurch wächst das Heer der GruSi-Rentnerinnen, weil die modernen Familienformen andere sind. Die Ehe auf Lebenszeit wird nunmal seltener, was sich auch auf Renten auswirkt. Die niedrige Geburtenzahl hängt ebenfalls damit zusammen. Das Risiko Mehrkindfamilie ist finanziell nunmal zu groß geworden für beide Elternteile.

    die Pensionen belaufen sich immernoch auf einen Anteil von 72% des letzten Gehaltes. Für den Staat ist das übrigens eine Mischkalkulation im Haushalt: in den aktuellen Kassen zahlt er weniger Sozialbeiträge und spart Sozialabgaben (Arbeitgeber und Arbeitnehmeranteil). Dafür hat man dann später die höheren Kosten Beihilfe und Pensionen. Und die Sozialkassen heute sind eben leerer.

    es wäre ehrlicher alle in die Kassen zu holen -- erst dann sieht man die aktuellen Kosten und verlagert Ausgaben nicht in die Zukunft.


    von den 28 Mio. Finanziers der Sozialkassen sind übrigens ca. 8 Mio. auch noch mickrige Azubigehälter, weitere sind Gehälter unterhalb des Medianeinkommens. Unterschlagen wird auch immer, dass die Produktivität immer weiter steigt, das Arbeitsvolumen aber sinkt.

  • Das ist nur möglich mit einer hohen Inflation. Der ESM bzw. ESM Bank kann aufgrund der Banklizenz uneingeschränkt Geld drucken und Schrottpapiere aufkaufen. Der Gesetzesstext mit Geldforderungen an Staaten, die innerhalb von 7 Tagen zahlen müssen, ist eine Ablenkung. Sie haben eine riesige Gelddruckmaschine installiert und das Volk soll davon nichts mitbekommen. Somit wird die Inflation voll durchschlagen und unsere Politiker werden sich dumm stellen! Ein QE EU sollte den Goldpreis schön anheizen.

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