Professor Chiffre
Sozialpolitische Tunnelbauer

Der CDU-Politiker Wanderwitz hat die Idee neu entdeckt, durch den Aufbau und das Abschmelzen einer Kapitalreserve die demographischen Belastungen der Gesellschaft zu untertunneln. Funktionieren kann das Vorhaben nicht.
  • 7

Bereits vor 15 Jahren liebäugelte Rudolf Dressler, damals sozialpolitischer Sprecher der SPD, mit der Idee, durch den Aufbau und das Abschmelzen einer Kapitalreserve bei der gesetzlichen Rentenversicherung die Belastungen der Bevölkerungsalterung zu glätten. Salopp gesagt: den „Rentnerberg“ zu untertunneln. Vor zwei Jahren entdeckte der CDA-Bundesvorsitzende Karl-Josef Laumann diese Idee für die soziale Pflegeversicherung. Vor kurzem meinte der sächsische CDU-Jungpolitiker Marco Wanderwitz, man benötige dringend eine Milliardenreserve, die aus einer Sonderabgabe von Kinderlosen aufgebaut wird, um die steigenden Kosten der demografischen Entwicklung zu bewältigen.

Alle eint der Glaube, durch das Ansparen eines kollektiven Kapitalstocks – sei es aus Sozialversicherungsbeiträgen oder Steuern – und ein späteres Abschmelzen, die aus der Bevölkerungsalterung entstehenden Kosten vorfinanzieren und so gleichmäßiger über alle Generationen verteilen zu können. Hätten wir - was das Profil der Entwicklung des Altenquotienten angeht - einen Anstieg und nachfolgenden Rückgang, einen „Rentnerberg“, vor uns, wäre so eine Untertunnelung oder Vorfinanzierung und damit Glättung eines alterungsbedingten Beitragssatzanstiegs möglich.

Allerdings stehen wir vor keinem „Berg“, sondern vor einem „Plateau“. Denn der Altersquotient wird als Folge der seit Ende der 1960er Jahre niedrigen Geburtenrate und der steigenden Lebenserwartung noch etwa 40 Jahre ziemlich rasch ansteigen. Danach wird er aber nicht wieder abfallen, sondern sich nur deutlich langsamer erhöhen. Der Grund: Die geburtenstarken Jahrgänge bis Ende der 1960er Jahre werden dann diese Welt verlassen haben, die niedrige Geburtenrate wirkt nicht mehr als Treiber der Entwicklung dieses Quotienten, sondern nur noch die Zunahme der Lebenserwartung. Aus der „doppelten“ Bevölkerungsalterung ist dann eine „einfache“ geworden.

Kommentare zu " Professor Chiffre: Sozialpolitische Tunnelbauer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Und wenn die Gruppe um Wanderwitz in ihrer Sondersteuer für Kinderlose eine Dauerabgabe sieht, stellt sich die Frage, warum dieses Geld den Sozialversicherungen zukommen soll und nicht den Kindern und ihren Eltern."

    Diese Frage stellt sich nicht, dieser weitere Schritt wäre eine unabdingbare, notwendige, logische Konsequenz. Herr Wanderwitz hatte sicherlich nicht den Mut, dies schon öffentlich zu äußern, sonst hätte ihn die Kinderlosen-Egoisten-Hauptsache mir geht's gut-Basta-Lobby (Frau Merkel incl.), wegen der unzähligen Milliarden, die ja angeblich den Familien eh schon hinterher geschmissen werden, medial gesteinigt.

  • Dr.NorbertLeineweber: Herr Prof. hören Sie auf zu kommentieren. Sie sind ja nicht einmal mit völlig normalen Tauschakten vertraut, die jeder Student im ersten Semester begreift. Und von Wirtschaftsgeschichte haben Sie auch keine Ahnung: Es war völlig normal, dass ein pleite gegangener Fürst Ländereien verkaufen musste. Schlechtes Wirtschaften wurde also bestraft, was wirtschaftshistorisch gesehen ein genialer Ansatz war. Sogar Kanada wurde einmal verkauft. Hört ! Hört ! Natürlich muss heute der "Kleinbürger" für die Billionen aufkommen, damit die reichen Immobilienbesitzer ihr Land behalten können. Griechenland sollte in der Tat ein paar Inseln an die Türkei verkaufen, oder an reiche Investoren, dann spart man sich das Aufschütten von Sand in Dubai. Mit Ihrer Free-Rider-Mentalität sind sie wissenschaftlich unterste Schublade. Dort zu polemisieren wo es eben gerade nicht passt, bringt ihren Stil auf den Punkt. Über den Kapitaldeckungsstock, den man hätte vor 30 jahren einführen müssen, braucht man erst gar nicht zu reden. Das hat man mir vor 30 Jahren in Statistik I beigebracht. Und Sie haben das verpennt.

  • Rürupp, Sie haben es doch mit zu verantworten, daß hier alles den Bach runter geht!
    Die Privatisierung und Absenkung der staatlichen Rente, war ein Verbrechen an der Gesellschaft.
    Zukünftig sollten ALLE Berufsgruppen in die staatlichen Sozial- und Rentensysteme einbezahlen. Es kann nicht länger sein, daß sich Besser- und Spitzenverdiener (Ärzte, Juristen, Politiker, Steuerberater, Spitzen-(beamte), Freiberufler usw.) aus der Solidargemeinschaft verabschieden können, um komplett privat für sich selbst vorzusorgen! Der Generationenvertrag wird wieder mal nur von den Normalverdienern bezahlt, welche dadurch immer nur für heutige Rentenbezieher einzahlen, besser gesagt, die Rentenbeiträge sofort jeden Monat von ihrer Gehaltsabrechnung abgezogen bekommen und wird dann mit einer Rente knapp über dem Sozialhilfesatz abgespeist!
    Der Privatversicherte bezahlt für sich selbst ein und erhält auch diese Auszahlung zuzgl. Laufzeitrendite ausbezahlt.
    Ich habe die Schnauze von diesem System und Leuten wie Ihnen, Maischmeyer und Co. gestrichen voll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%