Professor Chiffre Totgesagte leben lange

Viele Ökonomen haben den Euro bereits für tot erklärt und das Auseinanderbrechen der Euro-Zone prophezeit. Doch die südeuropäischen Defizitsünder erholen sich besser als gedacht – und mit ihnen der Euro.
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Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Bert Rürup – Prof. Chiffre. Bert Rürup hat fast 30 Jahre lang die Bundesregierung beraten

Für zahlreiche angelsächsische Ökonomen wie auch den Finanzwissenschaftler Stefan Homburg war und ist der Euro  eine dem sicheren Tode geweihte Frühgeburt; denn ihrer Ansicht nach fehlen alle wichtigen wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen für eine funktionierende Währungsunion.

Einige Kommentatoren des Geschehens auf den Finanzmärkten, wie der Historiker Arnulf Baring ziehen daraus den Schluss, dass die einzige sinnvolle Lösung der Eurokrise in einem Austritt Deutschlands aus der Währungsgemeinschaft besteht. Für eine wachsende Zahl von Journalisten, Analytikern und Politikern ist zumindest ein Ausscheiden Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung unvermeidbar, zumal wenn der deutsche Bundeswirtschaftsminister glaubt zu wissen und verkünden zu müssen, dass ein „Grexit“ seinen Schrecken verloren habe.

Zudem ist die Ansicht verbreitet, dass die von der deutschen Bundesregierung propagierten und gegen heftigen Widerstand – zumindest in Teilen – durchgesetzte mit Strukturreformen flankierte Austeritätspolitik im Interesse solider Staatsfinanzen und zum Abbau der großen Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit gescheitert ist.

Griechenland sei daher nicht das einzige Land, welches wegen einer anhaltenden Depression als Folge dieser falschen und erfolglosen Politik den Euro sehr bald aufgeben müsse Als Beleg für das Scheitern und die Sinnlosigkeit der bisherigen Politik und als Indiz für ein baldiges Auseinanderbrechen der Eurozone und damit den Tod dieser Gemeinschaftswährung wird regelmäßig auf die – trotz Sparbemühungen - unverändert hohen Budgetdefizite der südeuropäischen Krisenstaaten hingewiesen.

In Tat und Wirklichkeit haben sich aber sowohl die haushaltswirtschaftliche Lage wie die Wettbewerbsfähigkeit aller fünf europäischen Problemstaaten in den vergangenen dreißig Monaten merklich verbessert – was aber offensichtlich noch nicht von potenziellen Anlegern wie den Ratingagenturen als ausreichend angesehen wird, um das verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

Als Student der Volkswirtschaftslehre lernt man bereits im Grundstudium, dass zur Beurteilung der haushaltswirtschaftlichen Lage und damit etwaiger Konsolidierungserfordernisse nicht die tatsächliche Defizitquote, sondern die strukturelle oder konjunkturbereinigte  Quote entscheidend ist. Bei jedem wirtschaftlichen Abschwung entsteht immer eine konjunkturelle Defizitquote einerseits durch konjunkturbedingte Mindereinnahmen sowie Mehrausgaben und andererseits durch den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts.

Die Hilfen an Griechenland waren nicht vergeblich
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31 Kommentare zu "Professor Chiffre: Totgesagte leben lange"

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  • Alexander_Petrs
    Sie haben die Aussage von Bismarck nicht verstanden.
    Und Bismarck hat auch keinen europ. Nationalsstaat geschaffen, sondern Bismarck hat Deutschland geeint.
    Sie verwechseln da gewaltig was.
    Was Sie aber wohl wollen, ist ein großer europ. Nationalstaat, wie ihn unsre Sozialisten ja anstreben.
    Denken Sie dran, Europa ist kein Staat, sondern ein Kontinent mit vielen unterschiedlichen Ländern, verschiedenen Sprachen usw. Wie wollen Sie diese zusammenfügen? Welche Sprache soll gelten?
    Der große europ. Staat der Ihnen vorschwebt, kann nur als Diktatur funktionieren.
    Wir ahben es auf dem Balkan erlebt, wie es ausgeht, wenn man verschiedene Ethnien zusammenwürfelt. Dies funktionierte so lange, wie Tito das Land mit harter Hand regeirt hatte, kaum war dies vorbei, brachen die alten Animositäten auf.
    Lesen Sie Ihr Geschichtsbuch noch einmal gründlich

  • Nochmal, niemand will ein politisch geeintes Europa zum heutigen Zeitpunkt. Da nützt es auch nichts, wie besessen auf die Foristen einzuschlagen die lediglich ein Ende des Euro-Währungsdesasters anmahnen. Gehen Sie doch zu den Regierungschefs nach Frankreich, Südeuropa oder England und fragen diese warum keine politische Union möglich ist, die Helmut Kohl schon vor Jahren angestrebt hat und am Widerstand Frankreichs gescheitert ist. Ach und noch eine Frage: Sie scheinen ein großer Verehrer von Donald Rumsfeld zu sein? Vielleicht auch von Georg W. Bush? Das würde für mich einiges erklären. Einen schönen Tag.

  • Wie ich schon sagte: Wieder tobt der Europa-Hasser-Mob!

    Auf Zahlen geht man ungern ein, dafür pöbelt man andere um so lieber persönlich an: "Goebbels", "ideologiebesoffen", "kann nicht kritisch denken" usw. - Was mich nicht weiter stört, denn Dritte, die das hier lesen, werden sich ihren Reim darauf zu machen wissen.

    Was das böse Ende nach jugoslawisch-sowjetischem Muster betrifft, das laut Leser "Prawda" alle Vielvölkerstaaten notwendig nehmen: Die Schweiz existiert jetzt schon einige Jahrhunderte, ohne daß es meines Wissens zu einem Blutbad gekommen wäre.

    "Utopisch" und allen Lehren der "Geschichtsbücher" zuwider ist in Wahrheit nicht die Forderung nach einem einigen Europa, sondern die Vorstellung ein loser Bund der europäischen Länder könne ein dauerhafter, befriedigender Zustand sein.


    Wenn "Prawda" seiner eigenen Empfehlung folgte und in Geschichtsbüchern nachläse, würde er sehr schnell feststellen, daß ein loser Bund immer nur ein Einladung an andere Mächte ist, sich einzumischen und die Mitglieder auseinander zu dividieren. Diese Erfahrung haben die antiken, griechischen Städtebünde gemacht, deren Zerstrittenheit, makedonischen und römischen Eroberern den Weg bahnte, ebenso wie die Kleinstaaten des handlungsunfähigen, alten deutschen Reichs zur Zeit Ludwig XIV. und Napoleons.

    Und wer nicht versteht, was das mit unserer heutigen Lage zu tun hat, der möge sich an Rumsfelds "neues Europa" der Willigen erinnern oder der soll sich fragen, ob eine solche politische Ohnmacht, wie Europa sie in den Jugoslawienkriegen der 90er erlebte, noch einmal wiederkommen darf: Ist es normal wenn ein Gebiet mit mehr als 300 Millionen Einwohnern sich nicht selbst gegen das kleine Serbien zu helfen weiß und die Amerikaner herbeirufen muß, um dem Gemetzel ein Ende zu machen?

    Wenn Europa nicht lernt, seine eigenen Interessen geschlossen wahrzunehmen, dann wird es im nächsten Jahrhundert böse Überraschungen erleben und sehr schwere Niederlagen erleiden.

  • So ein Blödsinn habe ich lange nicht mehr gelesen. Aber nur soviel:
    Europa ist nicht die USA und wird auch nie die USA werden. Also vergleichen Sie hier nicht Äpfel mit Birnen. Kein Land in Europa hat Interesse an einer politischen Union, auch Deutschland nicht. Warum das so ist weiß der interessierte Leser des HB, WIWO oder FAZ. Europa ist, wenn Deutschland zahlt. Das ist alles, auf was sich Europa im Moment einigen kann und das ist viel zu wenig und kann auf die Dauer nicht funktionieren.

  • @Alexander
    Sie gehen von falschen Voraussetzungen aus. Es gibt keine "europäische Nation", die geeinigt werden könnte. Es enstünde ein auseinanderfließender Vielvölkerstaat à la USSR oder Ex-Jugoslawien. Und ähnlich wie dort würde es auch enden.
    Sie sind ein unverbesserlicher, sich an Utopien berauchender Visionär. Und zerstören damit die Grundlagen Europas.
    Mir ist klar, daß man derart ideologiebesoffen nicht mehr kritisch denken kann. Das war bei anderen Protagonisten großer "politischer Projekte" nicht anders! Schlagen Sie mal ein Geschichtsbuch auf. Sie sind völlig auf dem falschen Dampfer.

    Und: Der Euro wird auseinanderbrechen. Und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt. Da hilft auch kein demagogisch aufgeladenes Geschwätz, das Goebbels Propaganda fast blaß aussehen läßt!

  • Und wieder tobt der Europahasser-Mob...

    Alles ist für die Europahasser ganz klar: Der Euro ist "Wahnsinn", der arme deutsche Michel versinkt in den Schulden unehrlicher Südländer - nur nationalistischer Separatismus kann uns noch retten: Mehr Subsidiarität, mehr nationale Alleingänge, `raus aus dem Euro - am besten gleich der EU - nur RAUS, RAUS, RAUS.

    Fakten sind da natürlich unwillkommen. Zu diesen gehört, daß die USA, die keine Währungskrise haben, laut OECD 2012 eine Staatsschuldenquote von 108,6% aufweisen - gegenüber 99,1 % der Euro-Zone - und ein Defizit von 8,3% - Euro-Zone 3%. Die Lage des Euro ist finanzwirtschaftlich also keineswegs hoffnungslos, sondern im Gegenteil deutlich besser als die des Dollar, den die Märkten in Frieden lassen.

    Europas Probleme sind die Strafe nicht für ökonomische, sondern für politische Mängel: Die Strafe für Führungslosigkeit und Entscheidungsfähigkeit in der Krise.

    Anleger, die auf die USA blicken, sehen EINEN US-Finanzminister, dem sie zutrauen, das er das Notwendige tut. Anleger, die auf die Euro-Zone blicken, sehen hingegen 29 Streithälse - nämlich Finanzkommissar + Euro-Gruppenchef + 27 nationale Minister (ja, alle 27, denn auch die ohne Euro mischen kräftig mit, wie beim letzten britischen Veto gesehen)- und dieses Chaos flößt Anlegern natürlich KEIN Vertrauen ein. Obwohl der Dollar das Schiff mit der größeren ökonomischen Schlagseite ist, steigen die Märkte doch lieber bei ihm ein, einfach, weil sie dort noch einen politischen Steuermann auf der Brücke sehen.


    Mit anderen Worten, liebe Europa-Hasser, diese Krise ist die Strafe für genau den nationalstaatlichen Subsidiaritätsquatsch, den sie als Heilmittel anpreisen. Die Euro-Krise ist einfach der hohe ökonomische Preis, den die Europäer für das von den Europahassern empfohlene Nationalstaatsgewurstel zahlen müssen - für die Unfähigkeit, einer gemeinsamen Währung auch einen handlungsfähigen gemeinsamen Finanzminister zur Seite zu stellen.

  • Sehr geehrter Herr Omarius,

    Bismarck hat als PREUSSISCHER Ministerpräsident DEUTSCHE Politik gemacht, das heißt er hatte im 19. Jahrhundert die politische Weitsicht, die den stur nationalistischen Europa-Hassern in den Handelsblatt-Foren des 21. gerade fehlt.

    Bismarck schuf ein neues, größeres Ganzes, weil er sah, daß die deutschen Einzelfürstenümer - Bayern, Preußen usw. - inmitten großer Nationalstaaten nicht mehr zeitgemäß waren.

    Sie hingegen wollen beim althergebrachten europäischen Nationalstaat bleiben, obwohl ein allein stehendes Deutschland zwischen den Riesenstaaten unserer Zeit - USA, China, Indien - genauso ein Anachronismus ist, wie es das alleinstehe Preußen, Bayern usw. im 19. Jahrhundert waren.

    EUROPÄISCHES Einigungstreben IST die weitsichtige DEUTSCHE Politik für unsere Zeit!

  • ...glauben Sie wirklich, daß es das ist, was ich mit Transparenz meine?^^ Wohl kaum!

    Es gibt unendlich viel mehr zu tun, als eine Koalition der Nichtdelegierten zu bemitleiden.

    Wie kann man so etwas - ansich ja wundervolles und neuartiges, genau wie nach dem WW2 - für alle begreifbar initialzünden, ohne daß es kaputtgeht?

    Ich alleine werde es nicht schaffen...

    Aber gemeinsam können wir eine zukünftige, europaweite Kommunikationsplattform für Berufsverbände andenken, damit ein Miteinander funktioniert, daß auf Legislative, Judikative und Exekutive aufgebaut ist.

    Die monetäre Komponente die sich seit Jahren unglaublich facettenreich aufplustert gehört ja im Grunde gar nicht zu der von uns löblich empfundenen, Staatsform der Demokratie!

  • Wie ich erfreut gesehen habe, sind noch andere Goldkritiker an Bord?

    Den wirklichen Blödsinn verzapfen die Goldpropheten mit einer Rolle rückwärts: A. postulieren sie für Gold einen inneren Wert und als sicheren Hafen für die Zeit nach dem Währungscrash B. beschweren sie sich, daß der Goldpreis nicht steigt. - Wie paßt das zusammen? Gar nicht. Denn wenn Gold so unglaublich billig ist wie behauptet, dann sollten die Eichelburger vor Freude Luftsprünge machen und sich in das Schnäppchen einkaufen bis zum Stehkragen. Ich geh' ja aich nicht zu Rewe und motz da über die Sonderangebote.
    Zum Beschiss gehören immer zwei.

  • Lassen Sie sich doch einen RFID implantieren?

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