Walter direkt
Angst ist ein schlechter Ratgeber

Die Furcht vor Inflation grassiert insbesondere in Deutschland. Das aber darf Politik, Wirtschaft und Anleger jetzt nicht zu falschen Entscheidungen verleiten.
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Soll man sich über den jüngsten Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst nun freuen oder nicht? Klar, die Angehörigen dieses Dienstes haben Grund zur Freude; sie bekommen nun das, worauf deutsche Arbeitnehmer lange Jahre warten mussten – eine spürbare Steigerung des Reallohns. Vermutlich werden nicht nur die Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst von diesem Abschluss profitieren, sondern auch Arbeitnehmer in anderen Branchen. Es wäre naiv anzunehmen, dass eine solche Lohnerhöhung keine Signalwirkung für andere Tarifverhandlungen haben wird.

Aber wäre das denn überhaupt falsch? Die Lohndisziplin des vergangenen Jahrzehnts hat einen wichtigen Beitrag zur verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beigetragen. Die trägt nun seit gut zwei Jahren Früchte. Aus dem „lahmen Gaul“ Deutschland der Jahre von 1995 bis 2009 wurde ein Zugpferd für die Euro-Zone, dessen wirtschaftliche Dynamik einen wesentlichen Beitrag zur Krisenbewältigung abliefert.

Verständlich ist, dass Arbeitnehmer in einer solchen wirtschaftlichen Situation sich nicht mit dem Hinweis auf die immer bessere Sicherheit ihres Arbeitsplatzes abspeisen lassen, sondern den Aufschwung auch im Portemonnaie spüren wollen.

Natürlich werden deutliche Reallohnsteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der Exportwirtschaft schwächen. Aber als eine Art Ausgleich werden die Konsumausgaben steigen und auf diese Weise den Aufschwung stabilisieren. Ein mehr von der inländischen Nachfrage getragenes Wirtschaftswachstum in Deutschland ist eine fast „ewige“ Forderung von Wissenschaftlern und Politikern im In- und Ausland.

Wie könnte die Reise weitergehen? Auch wenn es angesichts der miesen Stimmung in Europa im Augenblick wenig opportun erscheinen mag, aber wir haben durchaus Grund, mit einigem Optimismus in die nahe Zukunft zu blicken. Die weltweit niedrigen Zinsen und die gewaltigen Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern dieser Erde führen dazu, dass in Deutschland investiert und unsere volkswirtschaftliche Ersparnis zu einem größeren Teil als in den vergangenen 15 Jahren hier zu Lande und nicht irgendwo anders auf dem Globus angelegt wird.

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Der Tarifabschluss schürt Furcht vor Inflation

Kommentare zu " Walter direkt: Angst ist ein schlechter Ratgeber"

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  • Es ist schon richtig darauf hinzuweisen, dass es wichtig ist, um Geldmittel weise zu belegen, so wie im Artikel aufgeführt. Dies wird der grösste Garant sein, um die jetzige Situation einigermassen gut zu überstehen. Aufgeführt werden Investitionen in (Aus)Bildung, sowie in Forschung und Innovation. Es wird hier auf einen dringenden Handlungsbedarf hingewiesen, der jedoch in der Realität total vernachlässigt wird. Lindner sprach neulich in einer Diskussion davon, dass er für den Erhalt des Gymnasiums kämpfen wird. Also kann man sich auf weitere Einsparungen im Bildungswesen einstellen. Und warum sollte man ja auch was investieren, wenn die jetzigen Strukturen es zulassen auf Kosten von anderen so weiter zu machen wie bisher. Beispiel: NL sieht sich steigenden Zahlen von deutschen Studenten gegenüber. Ist ja billiger, um die Jugend woanders studieren zu lassen, oder. Ebenso die jetzige Kampagne, um ausländische Fachkräfte ins Land zu holen. Ist ja billiger, um einen im Ausland Ausgebildeten reinzuholen (und wenn es nicht geht, kann man ja sagen, dass er unterqualifiziert ist), als dafür zu sorgen, dass die eigene Bevölkerung, egal welcher Rasse oder Herkunft, Chancen bekommt. Ich vermisse hier deutlich ein Verantwortungsgefühl in der Politik. Stattdessen nur kruzfristiges Denken wie ja auch die Familienpolitik und die Politik auf dem Arbeitsmarkt deutlich macht.

    Und generell, Angst ist kein schlechter Ratgeber. Zumindest nicht, wenn es sich um reele Ängste handelt und nicht um Wahnvorstellungen. Die hier besprochene Angst vor Inflation ist gegeben, was ja auch die Ziffern befestigen. Somit sollte man schon auf seine Angst hören und sich absichern anstatt ins offene Messer zu laufen, wie dies mit dem ESM der Fall sein wird.

  • Moment mal, 2,6 Prozent nominale Lohnerhöhung in 2012 bezeichnet dieser Mensch als "spürbare Steigerung des Reallohnes". Auf seinen "Lohn" bezogen hätte Herr Walter diese Einschätzung sicher nicht getan.

  • ." Wer nur einmal die Infrastruktur-Ruinen in Spanien, Italien und anderen überschuldeten Staaten gesehen hat..".!
    Gehen Sie zum Nürburgring dort hat die Landesregierung für eine halbe Millarde Euro einen Freizeipark hingeklotzt der keine Besucher hat. Nur ein Beispiel von vielen in Deutschland !

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