Walter direkt
Auch eine kleine Bank kann sich verzocken

Der Liikanen-Bericht fordert die Trennung des Eigenhandels vom Einlagengeschäft nur von wenigen großen europäischen Banken. So wird der Sparer nicht umfassend vor den Folgen von Zockergeschäften geschützt.
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Wer den Liikanen-Bericht zur Reform der europäischen Banken studiert, muss schon zwischen den Zeilen lesen, um das wahre Argument der Experten für ein Trennbankensystem zu finden. Im Bericht heißt es sinngemäß, dass der Eigenhandel und die Marktpflege in einer eigenen rechtlichen Einheit von der Einlagen-Bank abgetrennt werden sollte. Nur so könne erreicht werden, dass die Einlagen der Sparer nicht länger die Handelsaktivitäten der Investmentbanker unterstützten.

Das ist wirklich vornehm ausgedrückt. Tatsächlich geht es darum, dass im Universalbanksystem in aller Regel der Einlagenüberschuss im Geschäft mit privaten Kunden und Geschäftskunden an die Investmentbanker ausgeliehen wird. Die nutzen dieses Geld für milliardenschwere Handelsgeschäfte, von denen die Investmentbank und die Händler selbst profitieren. Die Sparer selbst haben keine Ahnung, was da mit ihrem Geld geschieht und sie bekommen nur die marktüblichen mageren Zinsen.

Konkret sagt der Liikanen-Bericht dazu : Im Universalbankensystem subventionieren die Spareinlagen des traditionellen Bankbereichs die Eigenhandelsaktivitäten der Investmentbank. Geht also die Rechnung  beim Handelsgeschäft auf, streicht die Investmentbank kräftige Gewinne ein und die Händler freuen sich über nicht minder prächtige Boni. Geht die Sache schief, weil ein Händler wie beispielsweise Jerome Kerviel von der französischen Großbank Societe Generale sich verzockt hat, dann trägt natürlich die Gesamtbank den Schaden, zu guter Letzt auch der Sparer.

Kommentare zu " Walter direkt: Auch eine kleine Bank kann sich verzocken"

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  • Ich stimme dem Autor zu, dass es grundsätzlich sinnvoll ist die Spareinlagen nicht an Handelsabteilungen der Banken auszuleihen, damit diese auf eigene Rechnung Gewinne machen können, an denen der Sparer kein Gewinn hat. Dieser Regel allerdings nur bei Großbanken einzuführen macht auch für mich wenig Sinn - Sparer sind Sparer; unabhängig davon ob sie nun bei einer kleineren Bank oder bei einer Großbank Kunden sind. Darüber hinaus können auch kleinere Banken das internationale Finanzsystem ordentlich ins Wanken bringen, wie die vom Autor genannten Beispiele zeigen. Es ist daher nicht zu akzeptieren, dass kleiner Banken sich nicht an die selben Regeln halten müssen, wie die Großbanken es zum Schutze der Anleger tun sollen !

  • Als ehemaliger VV der Dresdner Bank sollten Sie sich die Frage, warum nur große Institute Eigenhandel vom Kundengeschäft strikt trennen sollen, eigentlich selbst beantworten, sehr geehrter Herr Walter. :-)

    Es geht der EU und dem Bericht nicht darum, Bankpleiten zu verhindern. Insolvenzen sind in einer Marktwirtschaft notwendig, damit unternehmerische Fehlentscheidungen auch Konsequenzen haben.

    Es geht einzig und allein darum, dass eine solche Pleite nicht durch die große Vernetzung der Banken untereinander das gesamte System gefährdet, so dass die Insolvenz verhindert werden muss. Diese Gefahr sieht die Liikanen-Gruppe wohl bei den regionalen Sparkassen und Volksbanken nicht als gegeben an, die in der Regel nur minimalen Eigenhandel betreiben. Dort würde ein "verzocken" zwar Verluste, aber wahrscheinlich keine Substanzbedrohung verursachen.

    Außerdem haben diese beiden Institutsgruppen eine anders konstruierte Einlagensicherung, nämlich die Institutssicherung, die eine Insolvenz schon im Vorwege verhindert. Diese "Solidargemeinschaften" verhindern Bankenpleiten sehr viel effektiver als z.B. der Fonds der Privatbanken, der nicht einmal in der Lage war, eine IKB alleine zu stützen und die Hilfe von Volksbanken und Sparkassengruppe benötigte.

    Aber wie gesagt, diese Fakten sollten Sie ja kennen. :-)

  • Frage: Soll denn Liikanen die Sparer umfassend vor Zockern schützen? Und wäre denn eine solche Vollkasko überhaupt wirtschaftlich machbar, politisch durchsetzbar, rechtlich haltbar und ideologisch vertretbar? Ist es nicht realistischer, erst mal mit den "systemrelevanten" zu beginnen, damit im Krisenfall nicht gleich der ganze Währungsraum ins Wanken gerät.

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