Walter direkt Auf dem Vergreisungstripp

Gemessen an der Entwicklung der Geburtenrate ist die deutsche Familienpolitik wirkungslos. Die Deutschen werden immer weniger, vor allem weil Beruf und Familie in Deutschland einfach nicht richtig unter einen Hut kommen.
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Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Seit mehr als drei Jahrzehnten dümpelt die deutsche Geburtenrate um die Marke von 1,4 Kindern pro Frau, aktuell liegt sie bei 1,39. Die Folge: die Deutschen werden immer weniger. Forscher haben ausgerechnet, dass in Deutschland im Jahr 2060 nur noch 65 Millionen Menschen leben werden, wenn sich an der Geburtenrate nichts ändert. Das wären immerhin rund 17 Millionen Menschen weniger als heute und die, die es dann noch gibt, sind im Schnitt wesentlich älter.

So ist es denn kein Wunder, wenn darüber diskutiert wird, was eine solche Entwicklung für unsere Gesellschaft und das Funktionieren der Sozialsysteme bedeutet. Wer zahlt die Renten? Wer betreut die Alten? Werden wir alle ärmer, weil Wirtschaftswachstum bei sinkenden Bevölkerungszahlen immer mehr zum Traum wird? Das sind Fragen, die vielen Bundesbürgern Angst machen. Aber was tun wir dagegen?

Klar ist, dass es grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten gibt, diesen demografischen Trend zu stoppen: Eine höhere Geburtenrate oder mehr Einwanderung. Eine auch nur im Ansatz konsistente und konkretisierbare Einwanderungspolitik ist in Deutschland nicht erkennbar, weshalb dieser Weg – aus welchen Gründen auch immer – verbaut scheint. Bleibt also die Familienpolitik.

Deren Aufgabe und Ziel sind klar vorgegeben.  Mehr Kinder wird es nur geben, wenn es gelingt, Familien so zu unterstützen, dass diese Beruf und Familie vereinbaren können. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass genau dieses Problem das größte Hindernis für die Erfüllung eines Kinderwunsches ist. Laut einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie hat Deutschland im weltweiten Vergleich den höchsten Anteil an dauerhaft kinderlosen Frauen, vor allem weil Erwerbstätigkeit und Beruf für diese oftmals schlecht vereinbar seien.

Tatsächlich hat sich in der Politik einiges getan, Stichworte sind etwa Elterngeld, Betreuungsgeld, Elternzeit, Kita-Ausbau. Das lassen wir uns auch eine ordentliche Summe kosten, auch wenn niemand so recht zu wissen scheint, wie hoch die familienpolitischen Leistungen pro Jahr in Deutschland wirklich sind – die Zahlen schwanken zwischen 150 Milliarden und 200 Milliarden Euro. Auf jeden Fall aber liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt in der EU.

Trotz dieser vielen Milliarden liegt die deutsche Geburtenrate  im EU-Vergleich jedoch auf dem drittletzten Platz und ist weit entfernt von den Spitzenreitern Irland (2,1), Frankreich (2,1) und Schweden (1,9). Wenn man – wie üblich - den Erfolg einer  Politik daran misst, was sie bewirkt, dann scheint es mit der deutschen Familienpolitik offensichtlich nicht weit her zu sein.

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33 Kommentare zu "Walter direkt: Auf dem Vergreisungstripp"

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  • Die hier aufgeworfenen Fragen und deren Beantwortung sehe ich als sehr schwierig an.

    m. E. nach liegt das Hauptübel der geringen Kinderzahl in D. zum Großteil auf der finanziellen Seite. Die steigende Armutsbedrohung verleidet es vielen Menschen zusätzliche Verantwortung zu übernehmen. Einfach gesagt, die Aussichten sind mehr als schlecht. Und das ist auch ein entscheidende Unterschied zu früher: Die Aussichten.
    Leiharbeit, Aufstocker, mehrfach aufeinanderfolgende Zeitarbeitsverträge, 1€ Jobber, Arbeitslosigkeit und schwindende Chancen ab 40J.

    Einen sehr interssanten Artikel kann ich noch empfehlen:
    Handelsblatt vom 3.3.2012 von Olaf Storbeck mit dem Titel
    Hartes Ringen um die Mütter
    Hierbei geht es um die Karrierefrau, welche Kinder bekommt und die Änderung von Wertigkeiten im Familienleben. Sehr interessant sind auch die Kommentare.

    Schönen Abend noch.

  • 1. Die Grundthese des Artikels (wenige Geburten auf Grund der Unvereinbarkeit von Beruf und Familie) wird auch durch die ständige Wiederholung nicht wahrer. Sie ist falsch und regelmäßig auch von den "Betroffenen" nur vorgeschoben bzw. wird zur Rationalisierung des eigenen Lebensentwurfes benötigt.
    In meinem Bekanntenkreis und im Unternehmen stelle ich fest, dass man bzw. Frau sich es oft im Leben gemütlich eingerichtet hat, sein freies selbstbestimmtes Leben liebt und keine Veränderung (also Kinder bekommen) möchte. Wenn den Leuten auffällt, dass sie Nachwuchs möchten ist es oft zu spät oder es ist nur noch ein Kind möglich. Zum einen weil gerade ein Partner mit dem man Kinder bekommen möchte fehlt und/oder zum anderen weil Frau zu alt geworden ist und es nicht mehr klappt.
    2. Die Finanzfrage ist trotzdem aktuell:
    a.) Es ist unanständig, dass ein Hartz IV- Bezieher mehr Geld für sein Kind erhält als der arbeitende Bürger. (Das führt nämlich dann zu:)
    b.) Das niedrige Kindergeld führt regelmäßig zum erhöhten Armutsrisiko durch Kinder - wie einige Vorredner hier ja schon gut darlegten. By the way: Wenn die persönlichen Ausmaße vorher regelmäßig bekannt wären, hätten wir wahrscheinlich noch weniger Kinder :-).
    c.) Durch zu niedriges Kindergeld findet eine ungesunde Umverteilung zwischen Kinderbekommenden und Kinderlosen statt. Die Kinderlosen profitieren von der Wirtschaftsleistung der Nachkommen der Kinderbekommenden; sind aber an den Kosten zur Aufzucht der Kinder nicht ausreichend beteiligt. Die Kinderlosen leben so ein Stück weit auf Kosten der Kinderbekommenden. Die Forderung nach einem höheren, z.B. das Existenzminimum deckenden, Kindergeld ist also eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

  • Beide Geschlechter unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer mentalen und physischen Leistungsfähigkeit, hinsichtlich ihrer Krankheitstage, ihrem formellem Bildungsstand, ihrem Wille zur Weiterbildung und ihrer Kommunikationsfähigkeit (Frauen _reden_ mehr, aber Männer kommunzieren besser (sind also sach- und zielbezogen und dadurch fähiger in einem Arbeitsteam zu schaffen))

    abc: was Sie hier machen ist Diffamierung pur. Eigentlich Volksverhetzung, die sich überhaupt nicht wissenschaftlich beweisen lässt. Ich nehme nur das Kommunikationsargument "Frauen reden mehr, aber Männer kommunizieren effektiver".
    Wenn Sie schon so etwas behaupten, dann möchte ich schon gerne von Ihnen eine Quellenangebe vorauf Sie sich beziehen. Ansonsten ist es Diffamierung und Diskrimination. Eigentlich ein straftätlicher Bestand, da Verhetzung gegen eine Bevölkerungsgruppe in diesem Falle Frauen.

    Also, gerne die Quellen, die dies beweisen. Nur werden Sie die nicht vorweisen können, weil es grober Unfug ist.

  • "Bleibt also die Familienpolitik"
    Nein, aufgrund der flächendeckenden Inkompetenz der Politik wäre das eine falsche Hoffnung. Was alleine hilft ist das: auswandern.

  • Lieber abc,
    die Aufforderung, mehr zu denken, gebe ich gerne zurück.
    "Warum sollte die Gesellschaft für die Folgen dieser Entscheidung grade stehen? Währen Sie denn bereit im Gegenzug für eine individuelle Entscheidung von mir gerade zu stehen?"
    Kurz geantwortet: JA, in einem gewissen Umfang sicher! Denn Ihr Kind würde irgendwann mein Kunde sein oder der Kunde meines Kunden. Oder mein Mitarbeiter oder Kollege.
    Ich kann diese seltenschlimme Argumentation nicht mehr hören. Zum Glück gibt es doch noch ein paar Menschen an den Hebeln der Macht, die gesellschaftliche Zusammenhänge verstanden haben.
    Übrigens, sind Sie krankenversichert? Warum sollte mein Sohn für Ihre Krankheit sein Geld hergeben?
    Die sieben Kinder meiner Urgroßeltern haben vielleicht mehr Wirtschaftsleistung erbracht, als Ihre Familie. Dadurch konnte bessere Infrastruktur aufgebaut werden. Vielleicht nutzen Sie diese unentgeltlich? Haben Sie kein schlechtes Gewissen?
    Herr schmeiß' Hirn ra!

  • "Kind kriegen und ab in die Fremdbetreuuung. Wie will man denn da eine Beziehung aufbauen?"
    oder
    "Die Familienhilfen bei uns sind Unsinn, denn sie bevorzugen ständig die falschen Leute."
    oder
    "Wenn der Anwalt, der Herr Chefarzt usw. ihre Kinder nicht ohne staatliche Hilfe groß bekommen, wer dann?"
    sind echte Platitüden und zeugen von Unkenntnis.
    1. Wie definieren Sie Fremdbetreuung? Ist Schule Fremdbetreuung? Möchten Sie die Schule abschaffen? Selbst Kinder unter einem Jahr haben übrigens kein Problem mit "Fremdbetreuung", die Beziehung zu den Eltern wird trotzdem in der Regel aufgebaut. Diese Kinder haben sogar einen Lernvorteil.
    2. Es liegt an der Ausgestaltung der Familienhilfen, ob sie scheitern oder nicht. Also heißt es "bessere", nicht "keine" Familienhilfen.
    3. D.h. die gesamte fleißige Mittelschicht besteht aus Chefärzten und Anwälten? Quatsch. Seien Sie versichert, die Ärzte und Anwälte finanzieren das ohne große Probleme. Die haben in der Regel aber auch genügend Kinder. Der viel größere mittlere und untere Teil der Mittelschicht hat ein Problem! Handwerker, Facharbeiter, normale Angestellte etc. haben momentan keine Zuversicht, da ihnen zu viel weg genommen wird. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig, im übertragenen Sinne. Hier muss der Staat Zuversicht schaffen.
    Fazit:
    Weniger Geld für andere Gesellschaften, mehr für unsere Gesellschaft fordern! Es ist wie im Flugzeug: Zuerst sich selbst die Sauerstoff-Maske aufsetzen, dann anderen!!!

  • Ist ja alles gut und schön, was Ihr so sagt, Aber es kann nicht so ganz der Sinn sein, Kind kriegen und ab in die Fremdbetreuuung. Wie will man denn da eine Beziehung aufbauen? Übrigens machen das auch gar nicht so viele
    Ein großer Grund für so wenig Kinder ist auch, dass die jungen Leute heute nicht wissen, ob sie morgen noch einen Job haben oder sich von einem Leijob zum nächsten durchhangeln müssen. So jemand setzt keine Kinder in die Welt.
    Die Familienhilfen bei uns sind Unsinn, denn sie bevorzugen ständig die falschen Leute.
    Wenn der Anwalt, der Herr Chefarzt usw. ihre Kinder nicht ohne staatliche Hilfe groß bekommen, wer dann?
    Und wenn alles sein muß und zwar sofort, das Reihenhaus, jedes Jahr Auslandsurlaub usw. Designerklamotten, dann muß man aber auch nicht jammern, wenn ein Schulbuch mal 10 € kostet.
    Wir müssen alle insgesamt bescheidener werden.
    Urlaub im Schrebergarten bei Oma ist für Kinder eine tolle Sache
    Die 68er und jetzt die Grünen haben die Familien zerstört.
    Und ein Land was der Islamisierung entgegen geht, braucht sich ebenfalls nicht wundern, wenn die Deutschen keine Kinder mehr bekommen. Wer setzt in ein solche Land noch Kinder?
    Wo sich ein Herr Özdemir in die medien stellt und stolz verkündet, die Kidner würden jetzt Ai und Mehmet heißen und da sei prima, ohne dass er dafür von deutschen Politikern eins auf die Klappe bekommt, ein solches Land schafft sich selbst ab

  • Walter hat es vorsichtig formuliert: wenn die Deutschen sich nicht endlich berappeln, mehr Kinder zu kriegen, werden wir gegenüber Ländern wie Frankreich verlieren. Deshalb muss dieses Thema zur Chef-Sache erklärt werden! Warum schalten sich Kanzlerin und Bundespräsident nicht wortstark in diese Diskussion ein? Warum ist der “noise-level” in den Zeitungen nicht mindestens so hoch wie bei dem Thema “Frauenquote in den Vorständen von Unternehmen”? Warum kann Deutschland nicht die Steuervergünstigungen für junge Familien mit mehreren Kindern kopieren, die in Frankreich so gut wirken? Warum machen die DAX30-Chefs nicht mehr Druck, Arbeit und Familie unter einen Hut zu kriegen? Für mich steht fest: Deutschland hat den Schuss noch nicht gehört, dafür wird es jetzt höchste Zeit!

  • Bitte mehr denken.

    Wer Menschen als Arbeitskraft bezeichnet, reduziert einen Menschen zu einem Fleisch-Roboter. Das was tatsächlich etwas schafft, ist dagegen der Verstand. Die Summe der für ein Unternehmen nutzbaren Fähigkeiten eines Menschen (seine Kreativität, sein Verantwortungsbewusstsein, seine Entscheidungsfähigkeit, sein Wissen und seine Erfahrung) wird als Humankapital bezeichnet. Menschen mit viel Humankapital haben auch ein hohes Einkommen. Und zwar deshalb, weil sie es wert sind. Nur Menschen die sich zu einem stumpfen Fleisch-Roboter machen (oder machen lassen), bekommen lediglich den finanziellen Gegenwert eines auswechselbaren Fleisch-Roboters.

    Bezüglich 150,- EUR Betreuungsgeld: Kinder zu bekommen ist eine indidividuelle Entscheidung eines Menschen (in der Praxis: es ist die Entscheidung einer individuellen Frau). Warum sollte die Gesellschaft für die Folgen dieser Entscheidung grade stehen? Währen Sie denn bereit im Gegenzug für eine individuelle Entscheidung von mir gerade zu stehen?

    Nur falls Fragen kommen: Ich habe drei Kinder. Und ich hätte diese Kinder auch ohne Zuwendung der Gesellschaft bekommen. Und meine Mutter hatte ebenfalls drei Kinder, auch ohne Zuwendung der Gesellschaft. Und meine Großeltern und meine Urgroßeltern und meine ....

  • Warum ist es gerecht, wenn Männer und Frauen das gleiche Gehalt bekommen? Ja, die Fragestellung passt nicht zum Zeitgeist. Aber trotzdem: Warum sollte es gerecht zu sein, zwei unterschiedlichen Menschen gleiches Gehalt für ungleiche Leistung zu zahlen.

    Beide Geschlechter unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer mentalen und physischen Leistungsfähigkeit, hinsichtlich ihrer Krankheitstage, ihrem formellem Bildungsstand, ihrem Wille zur Weiterbildung und ihrer Kommunikationsfähigkeit (Frauen _reden_ mehr, aber Männer kommunzieren besser (sind also sach- und zielbezogen und dadurch fähiger in einem Arbeitsteam zu schaffen))

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